Die neusten Pisa-Resultate haben in der Schweiz für Aufregung gesorgt. Das ist nicht erstaunlich: 29% der 15-Jährigen erreichen die Grundkompetenzen im Lesen nicht.
Der Reflex nach schlechten Resultaten ist bekannt: Es braucht mehr Geld. Ein Blick in Bildungsstatistik weist allerdings nach, dass die Bildungsaugaben überall massiv gestiegen sind, in einigen Kantonen sind sie nahezu explodiert. In Glarus, Graubünden und Thurgau haben sie sich mehr als verdoppelt. Die Stadt Basel belegt weiterhin mit Abstand und knapp 38’000 Franken pro Kind die Sptze, das Wallis und der Kanton Jura gut 17’000, also weniger als die Hälfte.

Das IWP (Institut für Wirtschaftspolitik, Luzern) hat zwar bereits eine einschlägige Studie zu den Bildungsausgaben publiziert. Diese kam allerdings mit Daten für 2019 auf etwa 28’600 Franken für Basel-Stadt und 13’300 Franken für das Wallis.
Die neue Grafik ist deshalb offenbar eine Aktualisierung bzw. Neuberechnung mit Daten bis 2024, die Avenir Suisse vorgenommen hat.
Woher kommt der gewaltige Unterschied? Das ist der entscheidende Punkt.
Avenir Suisse schreibt, dass es sich um die Ausgaben für die obligatorische Schule einschließlich Sonderschulen handelt. Berechnet wird also nicht einfach: Schulbudget ÷ Anzahl Schülerinnen und Schüler, sondern es werden die kantonalen Ausgaben für diesen Aufgabenbereich mit den Schülerzahlen in Beziehung gesetzt. Die Berechnung beruht auf der Finanzrechnung der Kantone und BFS-Daten. (Bundesamt für Statistik)
Das BFS stellt tatsächlich eine offizielle Statistik bereit, in der die öffentlichen Bildungsausgaben nach Kanton, Bildungsstufe und Ausgabenart ausgewiesen werden. Die Daten umfassen die öffentliche Ausbildung sowie Subventionen für private Ausbildung,

Interessant ist der Vergleich der IWP-Studie mit der neusten Studie der Avenir Suisse.
Die frühere IWP-Studie verwendete 2019:
Basel-Stadt: 28’600 Fr.
Wallis: 13’300 Fr.
Also bereits damals ein Verhältnis von etwa 2,15 : 1.
2024 sind es ungefähr:
Basel-Stadt: 38’000 Fr.
Wallis: 17’000 Fr.
Das Verhältnis ist also weiterhin etwa **2,2 : 1**.
Mit anderen Worten: Basel-Stadt war nicht erst 2024 ein extremer Ausreisser. Der Unterschied ist schon seit Jahren aussergewöhnlich gross.
Noch interessanter ist, dass Avenir Suisse für die Zeit seit 2000 feststellt, dass die realen Ausgaben pro Kind in allen Kantonen erheblich gestiegen sind. In Glarus, Graubünden und Thurgau haben sie sich sogar mehr als verdoppelt; in Genf, Jura und Uri betrug der reale Anstieg dagegen “nur” etwa 50 Prozent.
Genau hier wird die Sache bildungspolitisch sehr interessant.
Denn sowohl die frühere IWP-Untersuchung als auch die aktuelle Avenir-Suisse-Auswertung kommen zu dem Ergebnis, dass mehr Geld nicht automatisch mit besseren Grundkompetenzen einhergeht. Avenir Suisse schreibt ausdrücklich, dass das IWP bei seinem interkantonalen Vergleich – unter Berücksichtigung demografischer und anderer Unterschiede – keinen entsprechenden Zusammenhang feststellen konnte.
Warum gelingt es der Stadt Basel nicht, ihre Schülerinnen und Schüler auf ein einigermassen akzeptables Niveau bei den Grundkompetenzen zu bringen, obwohl sie mehr als doppelt so viel Geld wie andere Kantone ausgibt?
Natürlich haben die Kantone unterschiedliche Ausgangslagen: So variiert etwa der Anteil fremdsprachiger Schülerinnen und Schüler stark. Doch selbst wenn man für solche kantonalen Unterschiede kontrolliert, findet eine Studie des Instituts für Schweizer Wirtschaftspolitik keinen systematischen Zusammenhang zwischen Ausgabenhöhe und Grundkompetenzen.
Natürlich werden hier immer wieder die völlig andere Schülerstruktur des Kantons Basel ins Feld geführt. Aber der Anteil der Migranten unter den Schülern ist in anderen Kantonen, gerade in denjenigen, die bei den Vergleichstesten besser abschneiden, gar nicht so unähnlich. Auch das Wallis, der Kanton Freiburg, Städte wie Biel, Genf, Winterthur oder Zürich haben Brennpunkte in der Bildungslandschaft, die mit der Stadt Basel durchaus vergleichbar sind. Und sie erzielen nachweislich bessere Resultate. Warum gelingt es der Stadt Basel nicht, ihre Schülerinnen und Schüler auf ein einigermassen akzeptables Niveau bei den Grundkompetenzen zu bringen, obwohl sie mehr als doppelt so viel Geld wie andere Kantone ausgibt? Die Unterschiede sind grotesk und müssen erklärt werden.
, – .
Doch welche Ansätze wirken: Braucht es mehr Frühförderung, kleinere Klassen oder mehr Hilfskräfte in den Schulklassen? Sind die Reformen schuld, sind es die Lehrkräfte oder die jahrelange SP-Domäne bei den Beamten im Bildungsdepartement?
Klar ist, dass die Daten offen auf dem Tisch liegen. Niemand bestreitet sie. Bei der Ursachenforschung will sich niemand die Finger verbrennen. Es dominieren Schönfärberei, betretenes Schweigen voreilige Mutmassungen.
Immerhin gibt es bei den Verantwortlichen der ÜGK Ansätze dafür, dass man mit dem versprochenen Bildungsmonitoring endlich vorwärts machen will. So soll neu ein «Monitoring der Grundkompetenzen» einen Jahrgang im 8. Schuljahr und drei Jahre später ein zweites Mal testen. Samit liessen sich die Kantone künftig systematischer vergleichen.
Man darf gespannt sein.

