24. Oktober 2026
Grosse Denkerinnen und Denker: Vicky Pierini

Die Noten sollen abgeschafft werden, dafür lebt das Banking

Wussten Sie, was Banking-Time ist? Vicky Pierini erklärt es uns. Wir sind hingerissen.

Bei der HfH (Interkantonale Hochschule für Heilpädagogik) bezeichnet „Banking Time“ eine beziehungsorientierte Methode, mit der die Beziehung zwischen einer Lehrperson und einem Kind bzw. Jugendlichen gezielt gestärkt werden soll – insbesondere bei herausforderndem oder auffälligem Verhalten.

Was passiert bei Banking Time?

Die Lehrperson reserviert regelmässig eine kurze, ungestörte Zeit nur für das betreffende Kind:

  • etwa 10–15 Minuten
  • ungefähr dreimal pro Woche
  • das Kind entscheidet, was es in dieser Zeit machen möchte
  • die Lehrperson beobachtet, kommentiert und benennt Gefühle, statt zu bewerten oder zu lenken
  • es geht nicht um Lernen, Leistung oder Problemlösung, sondern um eine positive gemeinsame Erfahrung.

Der Begriff „Banking“ ist dabei bildlich gemeint: Man möchte „Beziehungskapital“ ansparen. Wenn die Beziehung zwischen Kind und Lehrperson durch viele Konflikte belastet ist, entstehen durch diese positiven, konfliktfreien Begegnungen neue Beziehungserfahrungen. Dadurch soll sich das gegenseitige Bild langfristig verändern und mehr Sicherheit und Vertrauen entstehen.

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3 Kommentare

  1. Die HfH präsentiert erneut eine zeitintensive Beziehungsintervention als Lösung, obwohl Klassenlehrpersonen in belasteten Regelklassen bereits heute nicht über die erforderlichen personellen Ressourcen verfügen.

    Die Wirksamkeitseinschätzung stützt sich laut HfH auf eine Reihe kontrollierter Einzelfallstudien mit lediglich 82 (!) Fällen.

    Die Ergebnisse beruhen ausschliesslich auf Beurteilungen der beteiligten Lehrpersonen. Die Autoren weisen selbst auf mögliche Erwünschtheitseffekte hin.

    Mit Verlaub: Entspricht das dem wissenschaftlichen Anspruch der HfH?

    Höchst fragwürdig ist zudem die Umsetzbarkeit: Empfohlen werden drei Eins-zu-eins-Sitzungen pro Woche à 10 bis 15 Minuten. Das entspricht pro Kind 30 bis 45 Minuten, bei drei Kindern bereits 90 bis 135 Minuten verbindlicher Einzelzeit pro Woche, notabene ohne Sicherstellung der Betreuung der übrigen Klasse.

    «Wer das Wünschbare mit dem Machbaren verwechselt, wird scheitern.» Joschka Fischer

  2. Nach der Ökonomisierung der Bildung durch sogenannte Kompetenzorientierung ist es doch nur logisch, dass jetzt auch noch die Beziehung zwischen Lehrer und Schüler ökonomisiert werden muss.
    Manchmal weiss ich nicht mehr, ob ich lachen oder weinen soll. Es ist so absurd! (Oder ist der Artikel komplett ein Scherz und nicht nur mit spitzer Feder geschrieben worden?)

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