6. November 2026
Streit um Sprachunterricht

Simone Pfenninger zeigte in einer Studie auf, wo Frühfranzösisch nicht funktioniert. Dafür gab es Häme. Bis heute sagt sie: „Es dominiert die Ideologie“

Die Professorin an der Universität Zürich sagt, dass beim Fremdsprachenunterricht die Fakten wenig zählten. Und kritisiert in einem Interview mit der Neuen Zürcher Zeitung (NZZ) die SP-Bundesrätin Elisabeth Baume-Schneider.

 

Als Simone Pfenninger im Jahr 2016 ihre Forschungsresultate über den frühen Fremdsprachenunterricht veröffentlichte, geschah etwas, mit dem sie nicht gerechnet hatte: Ihr Befund wurde zwar in der Politik und der Verwaltung registriert, aber umgehend diskreditiert. Weil der Inhalt nicht passte. Pfenninger wies nach, dass der Beginn des Frühenglisch wohl besser nach hinten verschoben würde – in die Oberstufe. Nach einer hitzigen öffentlichen Diskussion kam Christoph Eymann, damals Präsident der Erziehungsdirektorenkonferenz (EDK), zu der Erkenntnis, dass Pfenningers Studie „offensichtlich qualitativ nicht genügend“ sei.

NZZ-Journalist Sebastian Briellmann

Eine Dekade später würde das Eymann so nicht mehr sagen, aber das Niveau der Debatte hat sich kaum verbessert. Pfenninger, heute Professorin für englische Sprachwissenschaft an der Universität Zürich, sagt: „Alle zehn Jahre führen wir denselben Streit – aber wir reden total aneinander vorbei.“ Noch immer seien die Bildungspolitiker nicht bereit, den Sprachenkompromiss von 2004, „eine heilige Kuh“, zu hinterfragen. Selbst wenn die Fakten klar seien.

 

 

NZZ: Frau Pfenninger, warum erträgt das Schweizer Bildungswesen die Wahrheit nicht?

Simone Pfenninger: Weil es so viele involvierte Akteure gibt. Politiker, Lehrerinnen, Eltern, Schüler, Forscherinnen. Alle haben eine Meinung – und man hört nur noch sich selbst.

NZZ: Das führt zu einer intellektuell überschaubaren Auseinandersetzung . . .

Pfenninger: Natürlich, und das ist nicht nur schade, sondern auch unredlich. Oft heisst es: Wenn sich jemand kritisch zum Frühsprachenunterricht äussere, sei die Person gegen Fremdsprachen oder die nationale Kohäsion. Niemand hat sich gegen den frühen Unterricht gewehrt, er war tatsächlich eine gute Idee, die man zu Recht umsetzen wollte. Unsere Forschung zeigt nur auf, was nicht funktioniert.

NZZ: Was funktioniert denn nicht?

Pfenninger: Wir sehen in Überprüfungen des Bundes, wie gross der Handlungsbedarf bei den Sprachen ist. Im Französisch erreicht die Hälfte die Grundkompetenzen nicht. Im Englisch ist es ein bisschen besser – aber auch nicht so gut, wie man es sich zum Ziel gesetzt hat. Zusätzlich zeigen sich bei vielen Kindern auch in ihrer Erstsprache, also bei uns im Deutsch, zunehmend Schwierigkeiten. Das macht mir Sorgen. Darum setze ich mich für Anpassungen beim Frühsprachenunterricht ein.

NZZ: Ihre Gegner behaupten jedoch, dass sie ihn gleich ganz hätten abschaffen wollen.

„Ich werde leider persönlich angegriffen, auf einer emotionalen Ebene“: Simone Pfenninger. (Foto: Silas Zindel)

Pfenninger: Seit zehn Jahren behaupten sie das. Und ich werde leider persönlich angegriffen, auf einer emotionalen Ebene. Dabei zeigt meine Forschung nur mögliche Lösungsansätze auf. Nicht mehr, nicht weniger. Die Resultate legen übrigens auch dar, was funktioniert. Aber darüber wird leider nur selten berichtet.

NZZ: Woher rührt diese Abwehrhaltung?

Pfenninger: Vieles wird leider instrumentalisiert. Es dominiert die Ideologie – und es besteht ein Interessenkonflikt. Sogar auf oberster Ebene. Für Bundesrätin Elisabeth Baume-Schneider gefährdet die Kritik am Frühfranzösisch den nationalen Zusammenhalt. Das ist nicht das Thema. Es geht einzig darum, den richtigen Moment für den Beginn des frühen Fremdsprachenunterrichts zu finden.

NZZ: Bundesrätin Baume-Schneider klingt jedoch so, als würden die Kritiker das Französisch insgesamt abschaffen wollen. Ist das also unredlich?

Pfenninger: Das kann ich als politische Taktik akzeptieren. Aber falsch bleibt es trotzdem. Schwieriger ist es, wenn Forschungsresultate von offizieller Seite schlicht falsch wiedergegeben werden.

NZZ: Das passiert?

Pfenninger: Der Zürcher Regierungsrat hat in seiner offiziellen Stellungnahme, in der er für das Frühfranzösisch argumentierte, meine Forschung falsch zitiert. Das ist ärgerlich, denn solche Botschaften bekommt man nicht mehr aus der Welt. Und genau so falsch, wie wenn man behauptet, dass ich das Französisch als Schulfach habe abschaffen wollen. Das will niemand.

NZZ: Wieso will Ihnen das eigentlich kaum jemand in der Bildungslandschaft glauben?

Pfenninger: Es ist nun einmal einfacher, von einem Affront zu sprechen, als zuzugeben, dass wir eine Landessprache womöglich falsch unterrichten. Oder sich damit zu beschäftigen, dass der jahrzehntelange Glaube – je früher, desto besser – womöglich nicht für alle Lebensbereiche gilt. Darum ist die Reaktion für mich nicht überraschend. Forschung kann zwar Evidenz liefern, aber wie diese aufgenommen wird, hängt immer auch von bestehenden Interessen, Ideologien und politischen Rahmenbedingungen ab – insbesondere wenn neue Ergebnisse etablierte Überzeugungen infrage stellen.

NZZ: Ist das denn wirklich so? Dass Kinder besser lernen, ist doch längst erwiesen.

Pfenninger: Natürlich lernt ein Kind einfacher Schlittschuhlaufen als eine Grossmutter. Und auch bei den Sprachen ist klar: Das Lernen fällt leichter, wenn das Gehirn noch in Entwicklung, wenn man also jung ist. Diese neurokognitiven Gründe werden ja immer genannt, wenn das Frühsprachenkonzept verteidigt wird.

Erstsprache muss auf vernünftiger Basis sein

NZZ: Aber?

Pfenninger: Man muss differenzieren. Die wirklich interessante Frage ist, in welchem Alter wir beginnen sollten, eine Fremdsprache zu lernen. Unsere Forschung konnte aufzeigen: Wer erst in der Oberstufe mit Englisch beginnt, kann den Rückstand schnell aufholen. In diesem Alter hat man bereits Lernstrategien entwickelt, kann auf ein besser entwickeltes Arbeitsgedächtnis und auf Schreib- und Lesefähigkeiten zählen. Und, ganz wichtig: Auch die Erstsprache ist auf einer vernünftigen Basis. Allenfalls kommt sogar noch extrinsische zur intrinsischen Motivation dazu. All diese Faktoren begünstigen ein besseres Lernen und spielen im schulischen Kontext eine grössere Rolle als das Alter zu Lernbeginn.

NZZ: Und wer früh beginnt, ist überfordert?

Pfenninger: Zumindest besteht die Gefahr. Der frühe Fremdsprachenunterricht wird in Europa auf wenige Unterrichtsstunden pro Woche beschränkt. Unter diesen Bedingungen haben Frühlernende im Vergleich zu Spätlernenden nicht automatisch bessere Voraussetzungen, ein fortgeschrittenes Zweitsprachniveau zu erreichen – weder hinsichtlich der Lerngeschwindigkeit noch des am Ende der obligatorischen Schulzeit erreichten Kompetenzniveaus.

„Korrigieren gehört dazu. Repetition ist ebenso wichtig“: Simone Pfenninger. (Foto: Silas Zindel)

NZZ: Welchen Startzeitpunkt für Fremdsprachen schlagen Sie denn vor?

Pfenninger: Einen späteren. Für Französisch und Englisch. Aber nicht denselben.

NZZ: Das heisst konkret?

Pfenninger: Für Englisch reicht ein Start in der Oberstufe bestens. Wir haben das mit über 600 Gymnasiasten erforscht. Fünf Jahre lang haben wir sie begleitet und erkannt: Ob jemand mit 8 Jahren mit Englisch anfängt oder erst mit 13, spielt langfristig keine Rolle. Nach dem Ende der obligatorischen Schulzeit hatten Erstere keinen Vorteil gegenüber jenen, die später begannen.

NZZ: Das sind Gymnasiasten, also die besten Schüler. Reicht diese Überprüfung für eine valide Aussage?

Pfenninger: Ja, man hätte natürlich grossflächig auf allen Stufen, für alle Fremdsprachen und in allen Kantonen testen sollen. Dennoch sind Gymnasiasten eine verlässliche, aussagekräftige Testgruppe. Wer Langzeiteffekte einer frühen Fremdsprache messen möchte, muss ein Schulmodell wählen, wo die Schülerinnen und Schüler möglichst lange in die Schule gehen. Ausserdem ist es nicht immer nur ein Nachteil, schulisch Starke zu testen. Wenn man über lange Zeit keine positiven Resultate bei einer hochmotivierten und begabten Gruppe findet, dann ist dies auch ein sehr aussagekräftiges Resultat.

NZZ: Würden die Schulen diesem Vorschlag folgen, könnte man dann bedenkenlos Französisch als erste Fremdsprache weiterhin ab der dritten Klasse unterrichten?

Pfenninger: Nein. Mit zwei Lektionen pro Woche müssen die Erwartungen realistisch bleiben. Gerade jüngere Kinder lernen Sprachen altersgemäss vor allem implizit – dafür brauchen sie sehr viel sprachlichen Input und häufige Gelegenheiten zur natürlichen Sprachverwendung. Bei nur zwei Lektionen pro Woche sind diese Voraussetzungen in der Regel nicht gegeben. Ich würde darum in der fünften oder in der sechsten Klasse beginnen, dafür mit richtig Pfupf – und zwar mit immersivem Unterricht.

Ich war letzthin an einem Zürcher Gymnasium, da hat sich die Klasse auf Französisch über den Zweiten Weltkrieg unterhalten – manchmal holprig, das gehört zur Wahrheit, aber mit Selbstbewusstsein. Das gibt es kaum, leider, und das sollte man zwingend fördern.

 

NZZ: Pardon? Die Hälfte der Schulabgänger scheitert heute an einem einfachen Französisch-Sätzli – und Sie wollen auch Mathematik und Geografie auf Französisch unterrichten?

Pfenninger: (Lacht.) So weit würde ich nicht gehen. Gerade Mathematik eignet sich wohl kaum. Aber warum nicht Geografie und Geschichte? Ich war letzthin an einem Zürcher Gymnasium, da hat sich die Klasse auf Französisch über den Zweiten Weltkrieg unterhalten – manchmal holprig, das gehört zur Wahrheit, aber mit Selbstbewusstsein. Das gibt es kaum, leider, und das sollte man zwingend fördern.

NZZ: Immersiver Unterricht war früher für die Allerbesten, die besonders Motivierten. Ein elitär angehauchtes Konzept. Ist das an eine ganz normale Klasse adaptierbar, in der manche daheim bereits eine oder sogar zwei Fremdsprachen sprechen?

Pfenninger: Die Forschung zeigt: Das Fachwissen leidet nicht durch Immersion. Bei Guten ohnehin nicht, aber auch bei Lernschwächeren deutet nichts darauf hin. Was aber klar ist: Eine solche Systemumstellung ist aufwendig. Man müsste die Lehrpersonen entsprechend ausbilden; immersiv unterrichten ist nicht einfach, selbst wenn man die Sprache schon kann. Zudem muss man die Schülerinnen dafür begeistern können.

NZZ: Trotzdem würden Sie es riskieren?

Pfenninger: Ja! Weil wir aus einem anderen Grund gar nicht darum herumkommen. Wer eine Fremdsprache bereits in der Primarschule nachhaltig vermitteln möchte, braucht deutlich mehr Unterrichtszeit und Sprachkontakte, als es der heutige Umfang in der Regel bietet. Sechs bis acht Lektionen. Doch der Lehrplan ist voll, mehr Lektionen passen schlicht nicht mehr auf die Stundentafel. Da sind sich alle einig. Also müsste man Französisch in die bestehenden Fächer integrieren. Das wäre eine Win-win-Situation.

Je mehr gesprochen wird, desto besser

NZZ: Sind die grossen Probleme mit den frühen Fremdsprachen wirklich systemisch – oder liegt es nicht vielmehr an der veränderten Gesellschaft? Es gibt mehr Ausländer, mehr digitale Ablenkung . . .

Pfenninger: Das spielt sicher mit. Und macht die Situation nicht einfacher.

NZZ: Auch ein Problem, sagen Kritiker, sei das sogenannte Sprachbad. Man lernt via Gehör, Grammatik spielt keine Rolle mehr. Ist das nicht auch ein grosses Versäumnis?

Pfenninger: Das sehe ich anders. Eine Sprache ist ein Kommunikationsmittel – idealerweise mit Alltagsbezug. Je mehr gesprochen wird, desto besser, gerade mit Primarschülern. Da geht es zum Beispiel darum, dass die Kinder möglichst viele „Chunks“ lernen, also feste Wortgruppen oder Routinen, die als Ganzes gespeichert und in verschiedenen kommunikativen Situationen abgerufen werden. Aber: Ich bin keine Verfechterin des Alles-ist-möglich-Unterrichts. Man muss auch lernen, wie man lernt. Dazu gehört natürlich auch Feedback beziehungsweise eine Bewertung. Korrigieren gehört dazu. Repetition ist ebenso wichtig. Ich sehe das als Zusammenspiel. Sprechen die Kinder drauflos, sollen sie das unbeschwert tun.

Wünscht sich einen intensiveren Französischunterricht: Simone Pfenninger. (Foto: Silas Zindel)

NZZ: Das klingt schon einmal nach ordentlich Veränderung. Denken wir in der Schweiz aber nicht zu klein – und wäre es Zeit für den ganz grossen Wurf? Ich denke etwa daran, dass Englisch, so verbreitet wie es in der Gesellschaft ist, gar nicht mehr unterrichtet werden müsste. So schüfe man Platz fürs Französisch.

Pfenninger: Englisch ist tatsächlich aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Doch noch haben natürlich nicht alle die Möglichkeit, sich die Sprache ohne Hilfe anzueignen. Aber mit einer Verschiebung in die Oberstufe wäre schon etwas Zeit eingespart.

NZZ: Dann noch ein anderer Vorschlag: Müsste man, um das Französisch zu stärken, verpflichtende Aufenthalte in der Romandie in den Lehrplan einbauen?

Pfenninger: Französischblöcke sind auf jeden Fall sinnvoll, ich würde solche Schüleraustausche enorm begrüssen. Die Frage ist jedoch, wie realistisch eine flächendeckende Umsetzung solcher Modelle im Schulalltag ist. Könnten alle Klassen zwei Wochen oder mehr ins Welschland gehen? Wird dies von den Schülern selbst überhaupt gewollt? Würden die Eltern mitmachen? Welche personellen, zeitlichen und finanziellen Ressourcen stehen zur Verfügung? Wie viel „authentische“ Mehrsprachigkeit toleriert unser Schulsystem? Sie sehen: Da steckt wohl viel Wunschdenken hinter dieser Idee.

 

Legende Beitragsbild: „Unsere Forschung zeigt nur auf, was nicht funktioniert“: Simone Pfenninger. (Foto: Silas Zindel)

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Gestern die Buchpräsentation „Das normale Kind“, in der es um die Folgen neoliberaler Bildungspolitik geht, heute der Artikel von Hans Rentsch, einem bekennenden Liberalen, der PISA nicht ablehnt und fordert, dass sich unsere Lehrpläne auch mit der Bedeutung des Geldes auseinandersetzen müssen. Der Artikel von Hans Rentsch, da ist sich die Redaktion sicher, wird Widerspruch auslösen. Umso wichtiger ist seine Publikation.

4 Kommentare

  1. Hochschulen sind zu Brutstätten jedwelcher Ideologien geworden. Wissenschaftlich Arbeitende, die sich gegen diese unheilvolle Entwicklung sträuben, verlieren meistens ihre Anstellung und ihre wissenschaftliche Reputation. „1984“ lässt grüssen.

  2. Pardon my French: Reine Dummheit. Die Diskussion ist völlig schiefgelaufen, und ich frage mich, ob sich die Ansicht noch durchsetzen kann, dass es sich um einen Methodenstreit handelt und nicht um den Französischunterricht als solchen. Da trifft die Überempfindlichkeit der Romandie auf die Arroganz des deutschschweizerischen Bildungestablishments, wie sie sich zum Beispiel im Talk der Sonntagszeitung vom letzten Sonntag gezeigt hat.

  3. Es war eine mutige Tat, als Simone Pfenninger vor zehn Jahren aufgrund ihrer Forschungsergebnisse mit deutlichen Worten erklärte, dass Spätlerner im Englisch den Vorsprung der Frühlerner rasch aufholen. Ihre gut begründete Kritik am überladenen und mit zu wenig Lektionen ausgestatteten Mehrsprachenkonzept der Primarschule hat die Fachwelt damals ziemlich erschüttert. Wütende Reaktionen zeigten, dass mit ihrer Forschungsarbeit das laut verkündete Dogma vom Erfolg des frühen schulischen Fremdsprachenlernens ins Wanken geraten war. Simone Pfenninger verdient für diese Leistung grössten Respekt.

    Wir wissen nicht erst seit heute, dass für erfolgreiches schulisches Sprachenlernen eine gewisse Dichte an Sprachlektionen vorhanden sein muss. Simone Pfenninger setzt sich entsprechend dafür ein, dass nur eine Fremdsprache mit einer ausreichenden Anzahl Lektionen in der Primarschule eingeführt wird. Für sie ist es Französisch, da die Grundlagen des im Alltag omnipräsenten Englisch auf der Oberstufe mit Erfolg vermittelt werden können. Hätte man sechs Wochenlektionen fürs Französisch zur Verfügung, wären nach ihrer Auffassung die Chancen für einen erfolgreichen Einstieg in der fünften Klasse durchaus vorhanden.

    Die Sprachforscherin weiss, dass die Lektionentafel mit einer weiteren Aufstockung bei den Fremdsprachen stark überladen würde. Sie schlägt deshalb vor, Realienstunden für den Französischunterricht zu verwenden. Diesen immersiven Unterricht halte ich jedoch keinesfalls für eine Win-win-Situation. Für die meisten Primarschüler sind Realienstunden zentral, um anwendungsorientiert Deutsch zu lernen und ihren Wortschatz zu erweitern. Würde es nicht ausreichen, wenn durch den Wegfall einer der beiden Fremdsprachen deren Lektionen auf die andere umverteilt würden?

    Geschichts- oder Geografieunterricht auf Französisch zu unterrichten mag an Gymnasien teilweise von Erfolg gekrönt sein. In der Primarschule jedoch bedeutet dieses Konzept eine Überforderung der meisten Schüler und eine starke Abwertung des Realienunterrichts. Die Schüler sollen zuerst einmal auf Deutsch ihr Realien-Sprachbad erhalten und auf Deutsch sich präzis ausdrücken. Dazu kommt, dass man im Sachunterricht durch die erhebliche Bremswirkung einer neuen Sprache inhaltlich abbauen müsste. Das wäre ganz sicher nicht im Sinne des Kulturauftrags der nicht nur bei Buben beliebten Realienfächer.

  4. Der LVB hat Simone Pfenninger und ihre Forschung immer verteidigt und ist ihr beigestanden, ob auf Podien oder in unserer Verbandszeitschrift – insbesondere gegen die haltlosen, politisch motivierten Anschuldigungen des damaligen Basler Bildungsdirektors Eymann. Ich schätze Frau Pfenninger sehr. Umso mehr reibe ich mir die Augen ob ihrer Idee, Geografie und Geschichte in der 5./6. Klasse auf Französisch unterrichten zu lassen. Dafür fehlen jegliche Voraussetzungen auf allen Ebenen.

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