Die Fortsetzung des Sprachen-Flickwerks ist eine Zumutung
Die Spatzen pfeifen es lautstark von den Dächern, dass das Mehrsprachenkonzept der Primarschule ein Fiasko ist. Doch die Deutschschweizer Erziehungsdirektorenkonferenz scheint alle Fenster ihres Elfenbeinturms verriegelt zu haben, um den ungeliebten Gesang nicht hören zu müssen. Was sich die verantwortlichen Erziehungsdirektoren in ihrer jüngsten Stellungnahme zum Sprachenkonzept geleistet haben, gleicht einem traurigen Abgesang auf eine schulnahe Bildungspolitik, schreibt Hanspeter Amstutz im Editorial zum aktuellen Newsletter der Starken Volksschule Zürich.
Zur Aktualität eines unzeitgemässen Begriffs
Mit Christian Marty, Historiker, Unternehmer und Gründer der Lehr- und Lernplattform Evulpo, begrüssen wir einen neuen Autoren in unserer Autorinnen- und Autorengemeinschaft. In seinem Beitrag stellt er die Urfrage unseres Bildungsblogs, nämlich, was Bildung eigentlich sein soll. Und er entdeckt, dass in der Altbackenheit des Wortes auch seine Aktualität begründet ist.
Ursula Renold, warum wird der gymnasiale Weg überschätzt?
Für die Bildungsexpertin Ursula Renold ist ein Hochschulabschluss schon lange keine Versicherung für eine erfolgreiche Karriere mehr. Wer ihn doch erlangen will, kann seinen Bildungsweg getrost mit Sekundarschule und Berufslehre starten. Wir bringen einen Beitrag aus den ETH Zürich-News (“Perspektiven”).
Wer hat die Definitionsmacht über die Schulen übernommen?
Was in der Schule gelehrt und wie unterrichtet wird, bestimmt inzwischen ein kleiner Bildungszirkel: bürokratisch abgeschottet, akademisch abgehoben und weitgehend abgekoppelt von der Schulwirklichkeit. Für die Lehrer, Schüler, Eltern sowie die Wirtschaft und Gesellschaft sind die Folgen verheerend. Wer gefordert ist, was wirkt und wie die pädagogische Wende für die Schulen des 21. Jahrhunderts zu schaffen ist, zeigt Condorcet-Autor Carl Bossard im aufrüttelnden Interview mit “SICHTWEISENSCHWEIZ.CH” auf – scharfsinnig, sachverständig, schlüssig.
Rituale statt Ritalin – oder: Symptombekämpfung versus Ursachenbehebung
Aufmerksamkeit kostet Kraft. Sie kann sich nicht über längere Zeit und ohne Pause einer Sache widmen und muss sich – wie eine Muskelanspannung im Sport – immer wieder lockern. Erst danach kann sie sich erneut auf etwas fokussieren. In den letzten Jahren hat diese Konzentrationsdauer – bekannt als Aufmerksamkeitsspanne – stetig abgenommen. Besonders Bildungsinstitutionen leiden darunter. Um diese Dauer wiederum zu erhöhen, wird primär mit medikamentösen Massnahmen experimentiert. Das Allerheilmittel heisst Ritalin . Condorcet-Autor Niklaus Gerber stellt sich die Frage, wohin wir mit unseren Kindern steuern und was wir ihnen antun.
Frühfranzösisch funktioniert nicht. Doch die Politik ignoriert die Realität – zum Schaden der Schüler.
Mit abenteuerlichen Begründungen flüchtet man vor der unangenehmen Wahrheit. Die Folge ist klar: Das Niveau wird sinken, schreibt Sebastian Briellmann in einem Kommentar in der Neuen Zürcher Zeitung (NZZ).
“Einige kommen später, gehen früher oder schlafen im Unterricht”
Hunderttausende Migranten belegen jedes Jahr Integrationskurse. Was einst als Herzstück der Integration gepriesen wurde, läuft längst ohne Kontrolle ab. Schüler schwänzen oder fallen durch, gezahlt wird trotzdem. Eine Lehrerin berichtet darüber in einem Interview, der zuerst in der deutschen WELT erschienen ist.
Schulmathematik in der Schweiz. Ein Abgleich mit Deutschland.
Bernhard Krötz, Hochschullehrer in Paderborn, kritisiert schon seit längerer Zeit das Niveau des Mathematikunterrichts in Deutschland und zeigt deren Konsequenzen auf. Immer wieder behandelt er auch Beispiele aus anderen Ländern. Unvergesslich seine Analyse der indischen Abituraufgaben, die wir ebenfalls im Blog aufgeschaltet haben. In seinem aktuellen Video beschreibt er die Situation in der Schweiz.
Aufgeblasene Nullbotschaften
Achtung: Dieser Beitrag ist kein Text über Bildung. Aber warum kommt uns das, was der Feuilletonist der FAZ, Jürgen Kesting, hier schreibt, so bekannt vor? Es mag amüsant sein, dass es in anderen Bereichen der Kultur und Bildung ähnlich zu- und hergeht, wie in der Bildungspolitik. Ein Trost ist es nicht. Übrigens: In Dortmund kann man “Medien und Musikjournalismus” studieren. Der Beitrag ist in der FAZ vom 11.10. erschienen. Wir bringen einen Auszug.
Spannendes aus der Bildungswelt
Was für eine faszinierende Textsammlung! Da wird man richtig gluschtig aufs Lesen unseres neusten Newsletters. Besonders erfreulich: Alle Autoren landen mit ihren Überlegungen beim Grundsätzlichen, nämlich dass die Beziehung zum Erwachsenen, den Eltern und Lehrern, der wichtigste Faktor dafür ist, damit Kinder und Jugendliche mit Freude und Erfolg lernen können. Das weltweit positive Echo auf John Hatties Forschungen zeigt, dass sehr viele Lehrkräfte sich in ihren eigenen Erfahrungen bestätigt fühlen.
