Lieber Alain
In einem Punkt sind wir uns einig: Die Verfassung ist kein Gästebuch. Deshalb gehören dort weder Frühfranzösisch noch Lektionentafeln, Lehrmittel, Integrationsmodelle oder deine und meine Lieblingsrezepte für eine bessere Schule hinein. Dort gehören Grundsätze hin.

Und genau das tut die Bildungsinitiative. Sie verlangt flächendeckend hohe Bildungsqualität, genügend qualifizierte Lehr- und Fachpersonen und dass deren Arbeit den Schülerinnen und Schülern zugutekommt. Wie diese Ziele erreicht werden, schreibt sie bewusst nicht vor. Der Kanton selbst hält fest, dass bei einem Ja ein «grosser Handlungsspielraum» besteht und Regierung und Grosser Rat über rechtliche Grundlagen, Massnahmen und finanzielle Mittel entscheiden.
Und so steht es auch mit dem Vorwurf der «Lobbyvorlage»: Ja, wenn man so will, ist die Bildungsinitiative Lobbyarbeit. Lobby für Kinder und Jugendliche, die ihre Interessen politisch nicht selbst vertreten können. Lobby für gute Bildung und Ausbildung. Lobby für eine starke Demokratie. Und übrigens auch Lobby für unsere Wirtschaft, die auf gut ausgebildete Fachkräfte angewiesen ist.
Wenn sich Lehrpersonen, Eltern, Bildungsorganisationen und weitere Verbände gemeinsam dafür einsetzen, dass unsere Kinder eine gute Bildung erhalten, ist das für mich kein Argument gegen die Initiative. Es ist ein ziemlich gutes Argument dafür.

