14. Oktober 2026
Was die konsequente Übernahme von Inputs aus der Fussballwelt bedeuten würde

Vom Fussball lernen

Der letzte Beitrag von Condorcet-Autor Carl Bossard, die aktuelle Fussball-WM und der Rat einer Journalistin veranlassten Alain Pichard, einen alten Beitrag noch einmal verkürzt und bearbeitet aufzuschalten. Viel Spass!

Soccer coach in a blue jacket watches young players practice on a sunny green field, clipboard in hand (back view).
Alain Pichard, ehem. Stadt- und Grossrat der GLP, Lehrer und Publizist: Lehrer und “Fussballexperte”.

In der FAZ stellt der Journalist Jürgen Kaube einen Zusammenhang zwischen dem Ausscheiden der deutschen Fussballnationalmannschaft und dem deutschen Bildungssystem fest. In der Schweiz mahnt hingegen ein Journalist, man soll sich vom Fussball auch mal einige Inputs holen, anstatt immer über die grossen Schwierigkeiten, welche die Integrationsarbeit mit sich bringt, zu klagen.
Gesagt getan. Ich stelle meinen Unterricht ab sofort um:


In unser «Kader» beziehungsweise unsere Klasse wird nur berufen, wer das benötigte Profil hat und seine Leistungsfähigkeit bereits unter Beweis gestellt hat.


Wer die Leistung nicht erbringt, muss den Kader verlassen. Es gibt keinen Stützunterricht, höchstens Straftraining.


Wer in den Kader berufen wird, tut, was der Lehrer sagt, denn der Trainer ist der Boss. Wer meckert, fliegt.

Alle strengen sich an, es gibt ein klares Punktesystem, die Leistung auf dem Spielfeld «Unterricht» zählt. Es werden keine Debatten über angebliche Benachteiligungen geführt und schon gar kein Nachteilsausgleich gewährt. Wer versagt, kommt auf die Bank oder wird ausgesondert.


Es gelten klare und gleiche Spielregeln. Für alle. Und sie werden auch nicht jeden Tag neu ausgehandelt. Wenn ein Spieler einen anderen rotwürdig foult, dann verweist der Schiedsrichter den Spieler vom Platz. So auch künftig bei uns im Unterricht. Kein Stuhlkreis, kein Psychiater, keine Nachsichtigkeit aufgrund eines Traumas im Jugendfussball.


Mädchen und Knaben sind strikt getrennnt.

Vor den Spielen beziehungsweise den Testen wird die Schweizer Nationalhymne gesungen.


Nicht alle Spieler sind gleich. Manche spielen sensationell, andere nicht. Einige verdienen mehr, andere weniger. So auch im Unterricht. Es gibt Zensuren und eine Skala 6 bis 1. Die guten kommen in eine höhere Leistungsklasse, die schlechten werden ins B-Team verbannt.


Es zählen nur das Resultat und die gewonnenen Zweikämpfe!


Aber vielleicht mache ich die Rechnung ohne den Wirt. Denn der Wirt sagt mir: «Wenn du die Saisonziele mit deinem Team nicht erreichst, wirst du entlassen. »

image_pdfAls PDF herunterladen

Verwandte Artikel

Zur Begründung von Lernzielen in Konzepten der Kompetenzorientierung

Wir bringen Ihnen den 2. Teil der Ausführungen von Professor Volker Ladenthin zur “Begründung von Lernzielen in Konzepten der Kompetenzorientierung”. Auch wenn dieser Text anspruchsvoll und auch viel Lesezeit erfordert, können wir allen interessierten Leserinnen und Lesern diese Lektüre wärmstens empfehlen. Selten hat ein Bildungsforscher die Mythen der Kompetenzorientierung so gründlich unter die Lupe genommen.

Bildung bedeutet Vertrauen ins eigene Denken gewinnen

Die beiden letzten Wochen rund um gestaffelten Schulstart nach den Sommerferien hatten es bildungspolitisch in sich. Was da an Themen aufgegriffen wurde, ging weit über die üblichen Vorschläge zu Strukturreformen, zu Notendiskussionen und den Streit ums Frühfranzösisch hinaus. Mit einer selten erlebten Geradlinigkeit wurde der Frage nachgegangen, welche pädagogischen Grundeinstellungen den Unterricht tatsächlich verbessern und was der Schule am meisten schadet, freut sich Condorcet-Autor Hanspeter Amstutz von der Starken Volksschule Zürich.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert