27. September 2026
Ablehnung der Bildungsintiative in Bern

Eine weitere Klatsche für die Lehrerorganisationen

Die Bildungsinitiative der bernischen Lehrerorganisation Bildung Bern wurde von der Stimmbevölkerung abgelehnt. Trotz einem Riesenbudget und viel Prominenz. Condorcet-Autor Alain Pichard fand die Idee, Bildungsqualität in der Verfassung zu verankern, immer eine Schnapsidee, war aber doch über die deutliche Ablehnung überrascht. Die Eltern liessen sich nicht von hohlen Sprüchen blenden, sondern kennen die Probleme bestens.

Es sind wahrlich keine guten Tage für die Lehrerorganisationen in unserem Lande. Am 13. August veröffentlichte der LCH eine breit angelegte Umfrage zum Verlauf der integrativen Schule. Knapp die Hälfte der Lehrkräfte hielten sie für gescheitert, über 70% fanden, dass dabei die stärkeren Schüler benachteiligt würden. Am 1.September folgte die Umfrage von «économiesuisse», in der die Lehrlingsbetriebe feststellten, dass viele Schülerinnen und Schüler die Grundkompetenzen i.m Lesen, Schreiben und Mathematik nicht mehr beherrschten. Am 27. September wurde im Kanton Zürich das Lehreranstellungsgesetz, dass den Lehrkräften massiv mehr Lohn und Ressourcen hätte zukommen lassen, deutlich verworfen. Und ebenso deutlich wurde im Kanton Bern die Bildungsinitiative der Lehrerorganisation Bildung Bern, welche den Begriff Bildungsqualität in der bernischen Verfassung verankern wollte,  mit 59% abgelehnt

 

Alain Pichard, ehem. Stadt- und Grossrat der GLP, Lehrer und Publizist: Eine Schnapsidee.

Bildung Bern versuchte mit 300’000 Fr. Abstimmungsbudget das bernische Stimmvolk davon zu überzeugen, dass die Festschreibung des nebulösen Begriffs «Bildungsqualität» in der Verfassung zu besseren Schulleistungen führen könnte.

Die Zitate, mit denen sich die zahlreichen Promis für die Vorlage einsetzten, waren an Einfältigkeit und Banalität kaum zu überbieten. Da war die Rede von «Bildung ist unsere wichtigste Ressource», oder «starke Bildung gleich starke Wirtschaft». Den Vogel abgeschossen hat das Votum unseres Berner Barden Büne Huber, der allen Ernstes behauptete: «Viele Gesellschaften sind daran zugrunde gegangen, weil man an der Bildung sparte». In Tat und Wahrheit explodierten die Bildungsausgaben in den letzten 10 Jahren förmlich, zeitigten aber bei weitem nicht die erhofften Resultate.

Das Stimmvolk liess sich nicht täuschen und erkannte, dass diese Initiative ein Lobbyvorstoss in Reinkultur.  Es war eine Schnapsidee, so eine Initiative überhaupt zu lancieren.Die Wahl des Kommunikationsbüros war ein Fehlgriff, so dümmlich war noch kaum eine Kampagne aufgegleist worden und die 300’000 Fr., welche der Verband in die Kampagne verlochte, zeigte, wie abgehoben deren Chefetage derzeit agiert. In einem normalen Betrieb gäbe es wohl personelle Konsequenzen.

Mit solch dummen Aussagen, versuchte Bildung Bern die Abstimmung zu gewinnen.

Die Eltern spüren dagegen schon lange, dass in den Schulen etwas schiefläuft.

Vermutlich wollte der politisch impotente und in pädagogischen Fragen ziemlich ideologisierte Verband von seiner eigenen Mitverantwortung für  gegenwärtige Situation ablenken. Trotz über 20 Schulreformen in den letzten Jahren, allesamt von der Bildungsgewerkschaft unterstützt, sinken die Leistungen unserer Schülerinnen und Schüler bei den Grundkompetenzen. Konfrontiert mit den niederschmetternden Ergebnissen reagierte der Verband immer gleich: «Es liegt an den Gelingensbedingungen! Die Lehrkräfte sind spitze, aber überlastet, die Schule wäre top, aber unterfinanziert.

Die Eltern spüren dagegen schon lange, dass in den Schulen etwas schiefläuft. Wenn unsere bildungsbewussten Mütter und Väter ihre Kinder einschulen müssen, achten sie sehr genau auf den Migrationsanteil ihrer zukünftigen Schule und nehmen nicht selten einen Wohnortswechsel vor. Wenn ein Juniorentrainer eines Fussballclubs einen Brief der Schulleitung erhält, in dem er informiert wird, dass der traditionelle Sporttag abgeschafft werde zugunsten eines weniger kompetitiven Bewegungstags, schüttelt er vielleicht noch den Kopf.

Erziehung vor Bildung

Wenn die Mutter einen Brief erhält, in dem sie aufgeklärt wird, was im Znünibehälter ihrer Liebsten mitgegeben werden darf, ärgert sie sich still über diese Bevormundung. Wenn die Kinder keine Hausaufgaben mehr haben und anstatt Noten “Käferchen” und “Kleeblätter” nach Hause bringen, machen sie die Faust im Sack. Wenn aber Texte nicht korrigiert werden, die Tochter einen Bauchtritt eines integrierten Mitkameraden erhält, hört für viele der Spass auf, wie auch für Eltern, die ihre Kinder in eine erste Klasse schicken, die von acht (!) Lehrpersonen unterrichtet – sorry, das heisst jetzt gecoacht – werden. Sie stimmten der Initiative nicht zu. Sie legten ein NEIN in die Urne, weil sie den Lehrerverbänden nicht mehr glaubten. Sie sind mit einer Realität konfrontiert, die ich hier mit einer PISA-Aufgabe 2025 symbolisiere:

«Obwohl es am Morgen stark regnete, nahm Anna keinen Regenschirm mit, weil der Wetterbericht für den Nachmittag Sonnenschein angekündigt hatte.»

Haben Sie alles verstanden? Dann sagen Sie mir:

«Warum nahm Anna keinen Regenschirm mit?»

Wenn Sie antworten, das liege am Wetterbericht, den Anna sich angehört hatte, dann haben Sie bestanden und die Kompetenzstufe 2 erreicht, wie sie die Pisa-Studie fürs Lesen festlegt.

Heute schaffen das bloss 71 Prozent der 15jährigen Schweizer Schüler. 29 Prozent, fast ein Drittel, dagegen nicht. Selbst wenn sie den Text aufmerksam gelesen haben, bleibt ihnen schleierhaft, warum Anna ohne Regenschirm das Haus verlassen hat. Noch Fragen?

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