Traurige Nachricht: Haushistoriker Peter Aebersold ist unerwartet gestorben

Unser Haushistoriker, wie wir ihn respektvoll nannten, ist von uns gegangen. Peter Aebersold hat uns zahlreiche Beiträge über historische Persönlichkeiten, welche die Bildungsgeschichte geprägt haben, geschenkt. Ob Stapfer, Montesquieu, Rousseau, Locke oder Commenius, fast 40 Porträts sandte er uns. Besonders angetan war er von der Bildungsgeschichte der Helvetischen Republik. Und ja, unseren Namensgeber, Jean-Marie de Condorcet, hatte er erst durch die Gründung unseres Blogs entdeckt. Auch zu seiner Person schrieb er uns ein ergreifendes Porträt. Hans-Peter Amstutz erinnert sich an ihn. Ein ausführlicher Nachruf wird folgen.

Der unerwartete Hinschied von Peter Aebersold hat mich sehr berührt. Ich habe mit ihm am Donnerstag, einen Tag vor seinem Tod, an unserem Vortragsabend noch längere Zeit diskutiert.

Dabei ist mir seine Heiterkeit während des Gesprächs besonders aufgefallen.

Er konnte gut zuhören und hat sich trotz seiner grossen Kompetenz in Bildungsfragen nie in den Vordergrund geschoben. Er war ein wirklich angenehmer und wacher Kollege.

Wir werden Peter als Mensch und Verfasser kluger Beiträge sehr vermissen. Seine Texte zeichneten sich durch scharfsinnige Analysen und umfangreiches Hintergrundwissen aus. Dabei scheute er sich nicht, seine humanistische Position in Bildungsfragen mit Entschiedenheit zu verteidigen und oberflächliche Pädagogik zurückzuweisen. Peter ist im Alter von 74 Jahren arbeitend vor seinem Computer an einem Herzversagen gestorben. Was er wohl gerade geschrieben haben mag?

Wir werden Peter nicht ersetzen können und wissen, dass wir mit ihm einen grossartigen Mitstreiter verloren haben.

Er wird uns in bester Erinnerung bleiben.

Hanspeter Amstutz

P.S. Peter Aebersold wollte nie ein Bild von sich veröffentlicht sehen, weshalb wir auch jetzt darauf verzichten. Wir haben aber seine Entourage gebeten, für uns noch einen Nachruf zu schreiben.

image_pdfAls PDF herunterladen

Verwandte Artikel

Michel Foucault: die Entzauberung einer akademischen Ausnahmeerscheinung

Der Condorcet-Blog ist dem Philosophenpaar Sophie und Jean-Marie de Condorcet verpflichtet und seine Autorinnen und Autoren vertreten die Idee der Aufklärung. Deswegen haben wir immer wieder philosophische Beiträge in diesem Blog veröffentlicht. Der nun folgende Beitrag steht schon seit längerer Zeit in unserer «Pipeline». Es ist eine differenzierte Auseinandersetzung um die Diskursanalyse von Michel Foucault. Michel Foucaults Werk, und das macht seine Causa für uns interessant, ist von einer aufklärungskritischen Haltung geprägt. Die plötzlich aufgekommene Debatte um den angeblichen sexuellen Missbrauch von Jugendlichen hat uns dazu bewogen, mit der Veröffentlichung des Beitrags der Zürcher Professorin für forensische Psychologie, Henriette Haas, zuzuwarten. Wir wollten nicht in den Verdacht geraten, uns auch noch an diesem Integritätsdiskurs zu beteiligen. Inzwischen hat sich aber auch Eduard Käser in einem Beitrag («Riesen zur Schnecke machen – weite Teile der Cancel-Culture sind das Symptom einer intellektuellen Misere» 2. Mai 2021) gemeldet. Er plädiert für den «argumentativen Streit im Schlichten von Meinungsverschiedenheiten». Dies ist auch für uns eine Richtschnur. Der nun folgende Beitrag beschäftigt sich mit der Geltung einer Aussage und nicht mit deren Urheber. Oder um es mit Eduard Käser auszudrücken: «Denken ist eine soziale Tätigkeit. Ein untrügliches Indiz des Denkens ist deshalb die Beobachtung, dass andere auch denken.» Henriette Haas schreibt zum ersten Mal für den Condorcet-Blog.

Hanspeter Amstutz: Der Schaden ist riesig

Man hat sich nicht nur in den Reihen der Condorcet-Redaktion die Augen gerieben, als der Sprachdidaktiker Maik Philipp vergangene Woche auf die drohende Gefahr des wachsenden Illetrismus hingewiesen hat. Condorcet-Autor Carl Bossard hat dazu einen Artikel geschrieben. Nun bringen wir auch noch ein Zitat unseres Condorcet-Autors Hanspeter Amstutz, der die Angelegenheit auf den Punkt bringt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert