Vor einem Eishockeyspiel noch schnell gemeinsam einen Kaffee trinken und ein wenig plaudern? Was für uns früher ganz selbstverständlich war, wäre heute kaum mehr vorstellbar. Seit meinem Einstieg beim Damen Hockey Club Lyss im Jahr 2012 hat sich nicht nur die Vorbereitung auf ein Spiel verändert, sondern auch die Frage, was Teamsport eigentlich bedeutet.

Es mag jetzt nostalgisch klingen, aber ich habe mir kürzlich überlegt, dass es «früher» schon «anders» war. Obwohl der Blick in die Vergangenheit manchmal etwas verpönt ist, finde ich, dass es sich trotzdem lohnt, sich vor Augen zu führen, was sich alles verändert hat und was das für Sportlerinnen und Sportler bedeutet. Nur so kann man überhaupt wissen, was früher gut, schlecht oder vielleicht sogar besser war.
Zu Beginn meiner Karriere stand ein völlig anderes Thema im Vordergrund des Vereinslebens. Ich meldete mich beim Damen Hockey Club Lyss, einem Verein, in dem der Leistungsgedanke zwar präsent war. Zentral war aber, was abseits des Eisfeldes ablief. So traf man sich vor einem Spiel genau zur gleichen Zeit, wie wir uns auch heute treffen: eineinhalb Stunden vor Spielbeginn. Zu spät kam sowohl früher als auch heute niemand. Komplett verändert hat sich jedoch das Geschehen vor dem Match. So kam es früher oft vor, dass wir in die Buvette gingen, um zusammen einen Kaffee zu trinken oder einfach ein wenig zu plaudern. Heutzutage wäre das undenkbar. Nebst dem Warm-up abseits des Eisfeldes widmet man sich gänzlich dem bevorstehenden Spiel.
Heute steht vom Begriff «Teamsport» vor allem der Sport im Zentrum. Dies hat grosse Vorteile. So ist man körperlich viel besser auf den Wettkampf vorbereitet als früher, als ein ausgiebiges Einwärmen oft zu kurz kam. Längere Ausfälle aufgrund von Verletzungen gibt es heute weniger, teils auch, weil man heute physisch besser aufgestellt ist. Auch in den Gedanken ist man dank gemeinsamer Konzentrationsübungen schon zu Beginn des Spiels präsent. Die Leistungen verbessern sich dadurch massgeblich und für jüngere Spielerinnen ist es heute möglich, sich sportlich zu entfalten und das eigene Potenzial auszuschöpfen.
Früher haben wir grösstenteils trainiert, weil wir daran Spass hatten, mit den Kolleginnen Zeit zu verbringen und einfach etwas zu «chäpsle», wie man es umgangssprachlich nennt, wenn man ohne grosse Hintergedanken miteinander spielt.
Etwas Weiteres, was sich grundlegend verändert hat, ist die Einstellung zum Sport selbst. Früher haben wir grösstenteils trainiert, weil wir daran Spass hatten, mit den Kolleginnen Zeit zu verbringen und einfach etwas zu «chäpsle», wie man es umgangssprachlich nennt, wenn man ohne grosse Hintergedanken miteinander spielt. Heutzutage liegt ein grosses Augenmerk auf der Leistung.
Der Anspruch an das Training, lehrreich zu sein und sich persönlich und als Team weiterzuentwickeln, ist grösser. Dies überträgt sich nicht nur auf die Einstellung der Spielerinnen, sondern auch auf diejenige der Eltern der jüngeren Spielerinnen gegenüber dem Hobby. So wussten meine Eltern jeweils, dass ich im Trainingslager bin und dort sicher eine gute Zeit habe, und waren deshalb völlig zufrieden, dass ich Freude an Bewegung fand. Wo wir in der Tabelle standen, ob ich Skorerpunkte erzielte oder nicht, oder ganz grundsätzlich, wie sich meine Fähigkeiten weiterentwickelten, war ihnen – glaube ich zumindest – ziemlich unklar und auch nicht wichtig.
Der jetzigen Generation von Eltern hingegen, ist bewusst, dass heutzutage der Sport im Vordergrund steht, womit ihnen die Leistung der Jugendlichen wichtiger ist. Dies bringt Spannungsfelder (etwa Meinungsverschiedenheiten mit den Coaches oder Sportchefs) mit sich, die es so früher nicht gegeben hat, und ich frage mich als Lehrperson, ob sie dem Wohl des Kindes wirklich dienlich sind.
Was gleichgeblieben ist, sind die Voraussetzungen, die es braucht, damit man sowohl als «Team» als auch im «Sport» erfolgreich ist. Es sind auch immer noch, genau gleich wie zum ersten Mal, als ich in eine Eishockeygarderobe spaziert bin, freiwillige Helferinnen und Helfer, die mit Herzblut am Wagen ziehen und den vielen begeisterten Jugendlichen den Sport überhaupt ermöglichen. Nicht nur in der Vergangenheit steht und fällt alles mit den Leuten, die sich engagieren.
Zusammengefasst kann gesagt werden, dass ich zwar auch nicht finde, dass früher alles besser war. Jedoch finde ich je länger, desto mehr, dass die positiven Aspekte, die frühere Gegebenheiten mitgebracht haben, nicht gänzlich vergessen gehen werden sollten.
Info: Rebecca Schär ist als Stürmerin beim Damen Hockey Club Lyss in der zweithöchsten Schweizer Eishockey-Frauenliga aktiv. Sie ist Lehrerin am Oberstufenzentrum Orpund. Der Beitrag erschien zuerst im Bieler Tagblatt.

