Es ist Donnerstagnachmittag, zehn Minuten vor Schulschluss. Am Ende der Englischstunde müssen die Sekundarschüler das Klassenzimmer aufräumen. Das verläuft harzig. Niemand hilft freiwillig einem Mitschüler. Ich bitte Mohammed, einen schlaksigen Türken, einen Besen in die Hand zu nehmen. Das bringt ihn an die Grenzen seiner Frustrationstoleranz. Er beginnt zu maulen.
«Das nächste Mal sage ich es jemand anderem», antworte ich ruhig, aber bestimmt. «Nimm den Besen: Wenn du nicht trödelst, bist du in einer Minute fertig.»

Widerwillig beginnt er zu kehren. Ein Mitschüler, der zwischen zwei Bankreihen einen Schritt rückwärts macht, touchiert ihn leicht an der Schulter.
«Alter, geh weg, du Hurensohn!», schreit Mohammed durchs Zimmer.
Ich verfüge über null Tage Ausbildung als Lehrer und habe darum auch nie eine Instruktion erhalten, wie man in solchen Situationen verfahren soll. Aber ich bin mir ziemlich sicher, dass der Steuerzahler mich nicht bezahlt, damit ich im Schulzimmer Wörter wie «Hurensohn» ignoriere. Und ich habe auch keine Lust darauf. Ich fixiere Mohammed eine Sekunde lang mit meinem Blick. Dann tue ich etwas, das, wie ich später erfahren werde, gegen alles verstösst, was im Pädagogiekanon von heute heilig ist.
«Du bist so gross!»
Aber beginnen wir von vorne. Ich bin Ende 30, verheiratet und habe drei Kinder im Vorschulalter. Nach einem BWL-Studium machte ich Controlling in verschiedenen grösseren Firmen, zuletzt bei einer Handelskette. Die machte dann wieder mal eine Restrukturierung, und ich war draussen.
Ich fand drei Monate nichts Neues und landete so letzten Frühling auf dem RAV. Keine besonders tolle Erfahrung. Während meines ersten Bewerbungskurses lernte ich über einen Kontakt eine Juristin kennen, die gerade die Quereinsteigerausbildung zur Sekundarlehrerin machte. Sie erzählte mir, wie akut der Lehrermangel im Kanton Zürich wäre.
Die Idee, als Lehrer zu arbeiten, reizte mich. Meine Frau meinte, dass das passen könnte – umso mehr, als ich eine «soziale Ader» hätte.
Warum also nicht? Auf der Website des Volksschulamtes gibt es Stellenanzeigen en masse.
Zwei Stunden nachdem ich mein CV abgeschickt habe, erhalte ich einen Anruf von Sarah, der Schulleiterin. Ob ich noch heute vorbeikommen könne?
Ich entdecke ein Vikariat an der Sek eines Nachbardorfs: Für fünf Wochen zehn Wochenlektionen, und zwar für die Fächer «Räume, Zeiten, Gesellschaften» (Geschichte und Geografie), «Bewegung und Sport» (Turnen) und Englisch.
Zwei Stunden nachdem ich mein CV abgeschickt habe, erhalte ich einen Anruf von Sarah, der Schulleiterin. Ob ich noch heute vorbeikommen könne? Ich kann.
Am späten Nachmittag stehe ich in Sarahs Schulleiterbüro. Mein CV hängt an einem Whiteboard. Sarah ist etwa fünfundvierzig, rothaarig, Business Attire. Schön, dass ich Interesse habe, meint sie. Sie bittet mich, eine Schlüsselquittung zu unterschreiben. Auf mein CV kommt sie nicht zu sprechen, und auch einen Strafregisterauszug verlangt sie nicht. Dafür schaut sie zu mir hinauf, lächelt und stellt mit sonderbarer Befriedigung fest: «Du bist so gross! Wie gross bist du, Beni?»
Ich bin 1 Meter 93 gross und darüber hinaus ziemlich gut in Form. Aus meinem CV kann man zudem rauslesen, dass ich relativ viel Zeit im Militär verbracht habe. Genau so jemanden will Sarah, denn sie ist ein Profi. Aber das weiss ich alles noch nicht.
Sarah übergibt mich an Jay. Jay heisst eigentlich Jasmin, lässt sich aber «Jay» nennen. Sie ist 26 und hat vor einem Jahr die Lehrerausbildung an der Pädagogischen Hochschule (PH) Zürich abgeschlossen. Nun ist sie teilkrankgeschrieben. Es sind ihre Lektionen, die ich übernehmen werde, und sie muss mich nun instruieren.
«Ich glaube nicht ans Strafen»
Jay sieht aus wie die Karikatur einer Queerfeministin: Piercings, pink gefärbte Haare, schwarzer Lippenstift, der Laptopdeckel voll mit Frauenstreikstickern in Genderdeutsch.
Jay wiederholt immer wieder, wie toll es sei, Lehrerin zu sein. Schnell wird mir klar: Sie erzählt das nicht mir, sondern sich selbst. Denn zwischen den Liebeserklärungen an den Beruf lädt sie Horrorerlebnisse von querulantischen und respektlosen Schülern bei mir ab, die ihr ganz offensichtlich zu schaffen machen.
Ich will wissen, wie sie jene bestraft, die sich grob danebenbenehmen. Sie glaube nicht ans Strafen, antwortet sie. Ihr Ansatz sei mehr so der positive über Loben und Ermutigung.
Ich frage mich, ob das ihre persönliche Idee ist oder ob man solchen Stuss an der PH lernt. Und ich denke, dass sie keine drei Jahre als Lehrerin durchhalten wird. Aber ich sage mir auch, dass ich erst mal zu unterrichten beginnen sollte, bevor ich zu (ver)urteilen anfange.
«Sie glaube nicht ans Strafen, antwortet sie. Ihr Ansatz sei mehr so der positive über Loben und Ermutigung.»
Gibt es auch in «meiner» Klasse solche Disziplinarprobleme? Eigentlich nicht, meint Jay. Einer habe ein unbehandeltes ADHS, der steige manchmal während der Stunde auf Tische und mache Tierlaute. Und Rico, ja, der sei schon ein wenig mühsam. Er brülle manchmal rum, wenn es ihm langweilig sei, und störe halt öfters mal den Unterricht, diskutiere rum, befolge Anweisungen nicht. Aber eigentlich sei er ein Gescheiter.
Für meine Grünhornohren klingt das unglaublich.
Um die Unterrichtsplanung muss ich mir erst mal keine Gedanken machen. In «Räume, Zeiten, Gesellschaften» (RZG) soll die Klasse noch zwei Doppelstunden ein Plakat zum Thema Gewerkschaften gestalten, und zwar in Gruppen. Im Englisch habe die Klasse «überhaupt keine Lust». «Mach einfach mit dem Lehrmittel weiter. Wenn sie nicht arbeiten, schau halt einen Film mit ihnen oder mach ein Spiel.» Im Sport habe ich zwanzig Jungs, «die wollen eh nur Fussball spielen».
Das klingt alles mehr nach Hort als nach Schule und vor allem nicht nach dem teuersten Bildungssystem der Welt. Aber mir soll’s recht sein. Schwieriger ist die Frage, wie ich vor die Klasse treten soll. Ich beschliesse, mich so zu geben, wie die Lehrer waren, die ich in bester Erinnerung habe: wohlwollend, engagiert – und streng.
«gewerckschafter waren Ehrenmänner»
Meine erste Lektion ist eine Doppelstunde RZG. Der Auftrag ist simpel: Gemäss Jays Instruktion muss ich die Schüler, die 90 Minuten an ihren Plakaten arbeiten werden, «begleiten». Will heissen: rumgehen, eventuelle Fragen beantworten und «bei der Recherche unterstützen».
Ich schliesse das Schulzimmer auf, schreibe meinen Namen an die Wandtafel und warte. Langsam tauchen die Schüler auf. Niemand kommt mich begrüssen oder fragt nach meinem Namen. Eine Minderheit sagt «Grüezi». Als es klingelt, sind etwa zwei Drittel der Klasse im Zimmer. Die andern schlendern nach und nach rein, schwatzend. Nach drei Minuten schliesse ich wortlos die Türe, stehe vor die Tafel und sage: «Guten Nachmittag zusammen. Mein Name ist Herr Iten. Ich werde ab sofort in gewissen Fächern Frau Messmer vertreten. Es gibt bei mir genau eine Regel: Ihr werdet euch anständig verhalten, und zwar ausnahmslos.»
«Als es klingelt, sind etwa zwei Drittel der Klasse im Zimmer. Die andern schlendern nach und nach rein, schwatzend»
Betretene Blicke, aber keine Fragen oder Opposition. Offenbar kann sich jeder und jede eine Vorstellung davon machen, was mit «anständig verhalten» gemeint ist. Umso besser.
Ich gehe von Gruppe zu Gruppe, schaue mir die einzelnen Plakate an. Eine Mädchengruppe hat in den letzten beiden Doppelstunden ein ausgestaltetes Plakat hingekriegt, das nach Sekundarschule aussieht. Die anderen Plakate sind praktisch leer, gestalterisch auf Kindergartenniveau und schwindelerregend halbanalphabetisch.
«Die Gewerkchaften wollten dass die löhne mehr fair verteilt sind»
«Es gab auch eine christlichen Gewerkschaft»
«Gewerkschaften Kämpfen für die rechte der Arbeiterinnen und Arbeiter.»
«gewerckschafter waren Ehrenmänner»
Ich gebe mein Bestes, um meine Überraschung zu verbergen. Mein Schulhaus arbeitet mit sogenannten niveaudurchmischten Klassen. Sek-, Real- und Oberschüler (Neusprech für A-, B- und C-Schüler) werden zusammen unterrichtet. In meiner Klasse sind gut zwei Drittel A-Schüler, der Rest ist B. Gerade mal 4 von 19 Schülern reden zu Hause nicht Deutsch.
In einem Jahr sollten die eine KV-, Informatik- oder Polymechanikerlehre im Sack haben.
Echt jetzt?
«Ich ficke deine Kinder!»
Der Vorfall mit Mohammed findet in meiner zweiten Schulwoche statt. In der Sekunde, in der ich ihn wortlos anstarre, kommt mir nichts in den Sinn, das dagegenspricht, genau so zu reagieren, wie ich finde, dass eine derartige Wortwahl gebietet. «Hast du Fieber?», herrsche ich ihn in einer Lautstärke an, die nur knapp unter dem Level Kaserne liegt. «Das hast du das erste, das letzte und das einzige Mal gesagt! Das nächste Mal kannst du was erleben!»
Ich sehe, dass er protestieren will, aber ich unterbreche ihn sofort. «Ich will nichts mehr von dir hören! Nimm den Besen und wisch dein Zeug, verstanden?»
Nicht nur Mohammed, sondern die ganze Klasse räumt in bemerkenswert sachlicher Stimmung auf, und es wird das einzige Mal bleiben, dass ich in dieser Klasse das H-Wort höre.

Gemessen an der Wirkung war meine Reaktion also ein Erfolg. Gemessen an den geltenden pädagogischen «Best Practices» hingegen reagierte ich, wie ich noch erfahren werde, völlig falsch. Im grossen Ganzen gibt es in Bezug auf Autorität heute nämlich zwei Camps in der Pädagogik. Das eine lehnt Autorität per se ab und redet nicht mehr von Lehrern, sondern von «Lerncoachs» und «Lernbegleitern». Das andere Camp ist das der sogenannten «Neuen Autorität». Dieses Camp hält Autorität als solche zwar nicht für überholt, erachtet das Zeigen von Emotionen aber als deplatziert. Zum Ideallehrer der «Neuen Autorität» gehört, dass er immer ruhig bleibt.
Nachdem ich die Klasse entlassen habe, gehe ich ins – sehr stilvoll möblierte und üppig ausgestattete – Lehrerzimmer. Es ist leer. Als ich mich mit einem Espresso auf ein Sofa niederlasse, kommt Veronika rein. Veronika ist etwa gleich alt wie Sarah und Fachlehrerin für Natur und Technik.
«Kommst du zurecht?», fragt sie mich, ehrlich interessiert.
«Ja, danke. Nur hat grad einer ‹Hurensohn› gesagt vorhin – unglaublich.»
«Hat er es zu dir gesagt?»
«Natürlich nicht», lache ich.
Dann erst realisiere ich, dass sie wohl nicht umsonst fragte. Ob es denn vorkomme, dass ein Schüler so was zu einem Lehrer sage, erkundige ich mich.
Sie nimmt ihren Tee und setzt sich ebenfalls.
Jeder dieser «Siechä» kriege hundert Chancen, bis etwas passiere. Aber allgemein sei es an dieser Schule okay, an ihrem letzten Arbeitsort sei es schlimmer gewesen.
Sie arbeite seit gut zwei Jahren an dieser Schule. Ich sei der elfte oder zwölfte Vikar für diese Klasse in neun Monaten. Einer sei gegangen, nachdem ihm Schüler ins Gesicht gefurzt hätten. Im Januar habe ein Drittklässler einer Französischlehrerin «Ich ficke deine Kinder!» gesagt, als sie ihn wegen einer Sachbeschädigung zur Rede stellte. Der habe dann für zwei Wochen einen Schulverweis bekommen. Der Lehrerin gehe es nicht mehr so gut.
Ebenfalls in dieser Klasse habe ein Schüler einen anderen krankenhausreif geschlagen. Die Polizei habe den gleich im Unterricht geholt, richtig ruppig, das sei super gewesen. Der sei dann in die Sek im Nachbarsort umgeschult worden. Und Jay habe die Mehrheit ihrer Stunden ja auch schon wieder abgegeben, obwohl sie erst seit dem Sommer hier sei.
Schon vor Corona sei es mühsam gewesen, aber seither sei es einfach nur noch bedenklich und werde immer schlimmer. Es komme natürlich auch auf die Schulleitungen an, aber die meisten schauten einfach nur zu. Jeder dieser «Siechä» kriege hundert Chancen, bis etwas passiere. Aber allgemein sei es an dieser Schule okay, an ihrem letzten Arbeitsort sei es schlimmer gewesen.
Ich sage, was ich denke: «Für solche Ausfälligkeiten sollte man einem Schüler eine runterhauen können.»
Veronika nimmt einen Schluck Tee. «Ja, vielleicht nicht grad eine runterhauen …», entgegnet sie. Aber ihr Protest ist matt, pro forma.
«Mit diesem Scheiss kannst du nicht unterrichten»
In den ersten drei Wochen verläuft der Unterricht eher harzig. Die Klasse begehrt zwar nicht auf, aber ich merke, dass sie nicht gerne zu mir kommt. Und wenn ich mit dem Geschichtslehrmittel in der Hand ihnen irgendwas zu vermitteln versuche, dann sehe ich: Die meisten wissen nicht, was ich will. Sie hängen ab. Als mich die Schulleitung in der fünften Woche fragt, ob ich noch zwei Monate weitermachen wolle, sage ich dennoch mit Freude zu. Denn inzwischen sind zwei entscheidende Dinge passiert.
Dass dieses Lehrmittel unbrauchbar ist, ist offenbar Konsens. Werner – knapp sechzig, weisser Schnauz, Kurzarmhemd, Vollblutreallehrer – schaut von seinem Tupperware auf und drückt es wie folgt aus: «Mit diesem Scheissdreck musst du auch nicht meinen, unterrichten zu können.»
Zum einen habe ich das Geschichtslehrmittel längst in den Schrank verstaut. Noch in der dritten Woche klage ich nämlich mal an einem voll besetzten Mittagstisch, dass es mir schwerfalle, «Gesellschaften im Wandel» sinnvoll zu verwenden. Ich erhoffe mir Tipps, ernte aber bloss mitleidige Blicke. Dass dieses Lehrmittel unbrauchbar ist, ist offenbar Konsens. Werner – knapp sechzig, weisser Schnauz, Kurzarmhemd, Vollblutreallehrer – schaut von seinem Tupperware auf und drückt es wie folgt aus: «Mit diesem Scheissdreck musst du auch nicht meinen, unterrichten zu können.» Ich frage in die Runde, wie es denn mit den übrigen Lehrmitteln aussehe. Das einzige Lehrmittel, das einen bedingungslosen Tauglichkeitsstempel erhält, ist das für Mathematik. Auch ich werde es noch schätzen lernen.
Den Rest der Mittagspause verbringe ich in Werners Klassenzimmer. Er erklärt mir mit dem Feuer eines Menschen, dem daran liegt, jeden Tag sein Bestes zu geben, sein eigenes Geschichtsmaterial. Es basiert auf Frontalunterricht und der Schauspielkunst des Lehrers. Das Ziel ist, die Geschichte anhand von Bildern und Erzählungen zum Leben zu erwecken.
Ich versuche seine Methode. Ich bereite mich gründlich (und viel aufwändiger, als eigentlich verlangt wäre) vor, halte fünfzehn-, zwanzigminütige Vorträge, gestikuliere mit Stimme und Körper. Wie viel die Schüler lernen, kann ich nicht abschätzen. Aber sie geniessen die Zeit des Zuhörens sichtlich, und sie haben immer eine Menge Fragen. Und die Beziehung zu mir verbessert sich. Kinder und Jugendliche – das wird einem jeder Lehrer bestätigen – sind Meister darin, zu spüren, wer wie viel Energie in seinen Unterricht steckt. Und je mehr man reinsteckt, desto grösser ist die Wertschätzung, die man zurückbekommt.
«Achtung, Grenadier!»
Noch wichtiger dafür, dass die Schüler und ich einander schon nach wenigen Wochen ein wenig ans Herz gewachsen sind, ist aber ein Moment im Turnunterricht. In der dritten Woche heisse ich sie zu Beginn der Stunde ein wenig gedankenabwesend: «Kommt einmal ins Daher!»
Natürlich weiss niemand, was das ist. Ich erkläre, dass es ein Ausdruck aus dem Militär sei, und werde mit grossen Augen gefragt, ob ich in der Armee gewesen sei. Ja, sage ich und werde damit augenblicklich zum Exotikum. Einer will wissen, wo ich dann gewesen sei. Bei den Panzergrenadieren, antworte ich.

Am nächsten Tag bildet sich vor dem Unterrichtsbeginn eine Traube Jungs um mein Pult. Die Panzergrenadiere, das seien ja Special Forces, meint einer, er habe das im Internet nachgeschaut. Sie haben Fragen über Fragen. Mit welchen Waffen darf man schiessen? Lernt man da auch Nahkampf? Ist es hart?
Den ganzen Beitrag können Sie im Schweizer Monat lesen https://condorcet.ch/wp-content/uploads/2026/04/Im-Paradies-fuer-Querulanten-–-Schweizer-Monat.pdf


Dieser Text müsste Pflichtlektüre für alle Schulleitungspersonen, Bildungspolitiker und PH-Dozierenden sein. Sodann müssten sie alle einen 15-seitigen Text zum Thema: “Wirklichkeit und Mythos in der gegenwärtigen Theorie und Praxis der Volksschule” verfassen.
Ein ehrlicher, kritischer, durchaus unterhaltsamer Bericht, der billige Polemik zum Glück grösstenteils vermeidet und die Finger schonungslos auf die Wunden legt. Der Autor hat es schnell erkannt: Wohlklingende Konzepte wie die «Neue Autorität» sind reine Hülle, solange die Lehrkraft als Persönlichkeit nicht überzeugt. Dazu gehört, wie ein anderer Grenadier (und Alt-Bundesrat) gerne sagt: «Man muss Menschen mögen.» Wer diesen Grundsatz erfüllt, darf auch einmal emotional werden und bleibt trotzdem glaubwürdig.
Ich stimme mit dem Grundtenor in diesem Text überein, würde aber gerne wissen, wer ihn verfasst hat. Heisst jener Quereinsteiger vielleicht Roger Köppel oder Christoph Mörgeli?
Offen und ehrlich!
Allerdings greift das Fazit zu kurz.
Ich arbeite auch an der Volksschule und erlebe Ähnliches. Bloss: Schonhaltung den Kindern gegenüber und Abschieben von Verantwortung ist dermassen verbreitet mittlerweile! Unabhängig von Religion und sozialer Schicht und selbst bei Lehrpersonen.
Was für ein erfrischender Artikel! Ich habe die andere Blickrichtung auf den Lehrerberuf genossen. Und was ich persönlich interessant finde: Ich selbst habe hier mal kommentiert, die PH sei eine Sekte und bin relativiert worden. Und dass es endlich jemand mal so offen sagt, juhu!!!! Ich feiere das, als jemand, der unter der PH sehr gelitten hat. Was dieser Artikel auch so klasse macht, ist zu zeigen, wie das Spannungsfeld an der Schule ist: Als Lehrperson weiss man nie, wer mit wem spricht und die Stimmung kippt. Man kommt zur Arbeit und weiss nicht, ob etwas gegen einen im Busch ist oder nicht, weil man z.B. nicht akzeptiert, dass jemand einem plötzlich nicht mehr die Hand gibt. Das kann wirklich auch einfach ein Entlassungs- und Freistellungsgrund sein. Gerade als ungelernte Stellvertretung ist man sehr vulnerabel. Und ich habe innerlich auch gejubelt, dass jemand mal mit der Aussensicht sagt, wieviele Personen an einer Schule mitmischen und mitverdienen ohne messbare Ergebnisse in der Unterrichtsqualität! Man ist als Lehrperson einfach nur noch Drehscheibe für Speziallehrer jeder Art. Danke für diesen erfrischenden Artikel!