20. März 2026
Sozialdemokraten und Bildungspolitik

Ein Lob auf die SP-Baselland

Im Landrat des Kantons Baselland hat die SP zwei Motionen eingereicht, welche eine Überprüfung der Umsetzung des Integrationsartikels verlangen. Verantwortlich dafür sind die beiden SP-Parlamentarier Jan Kirchmayr und Miriam Locher. Alain Pichard zieht den Hut.

Alain Pichard, Lehrer Sekundarstufe 1, GLP-Grossrat im Kt. Bern und Mitglied der kantonalen Bildungskommission: Es sind die Praktiker.
Jan Kirchmayr, Landrat SP: Das System mässigen.

Während die Linke grundsätzlich verbissen an den ideologisch geprägten Prämissen der Inklusion festhält, gibt es einzelne umsichtige SP-Parlamentarier, die nach vernünftigen Lösungen suchen. So geschehen im Landrat des Kantons Baselland. Die SP-Landratsmitglieder Jan Kirchmayr und Miriam Locher haben mehrere Vorstösse zum Thema «Integration» eingereicht. Beide sind praktizierende Lehrkräfte, beide sind der Meinung, dass es in ihrem Kanton, der seit 2013 dem Sonderpädagogik-Konkordat angehört, mit der Umsetzung des Integrationsartikels so nicht weitergehen könne. Jan Kirchmayr und Miriam Locher haben auch schon für den Condorcet-Blog geschrieben und waren massgeblich am Zustandekommen der geleiteten Lehrmittelfreiheit beteiligt, die im Kanton Baselland mit über 80% Ja-Stimmen angenommen wurde.

Im Fokus ihrer politischen Vorstösse stehen die verhaltensauffälligen Kinder. Miriam Locher schreibt dazu: «Wenn ein Klassenverband nicht mehr funktioniert, weil es in einer Klasse zwei, drei oder noch mehr verhaltensauffällige Schülerinnen oder Schüler hat, dann hat dies Einfluss auf das ganze Gefüge.»

Die Präsidentin der SP-Baselland fährt weiter: «Es muss eine Art Kaskade, ein Notausgang eingebaut werden».

Miriam Locher, Fraktionspräsidentin der SP im Landrat, BL: Es braucht Notausgänge.

Jan Kirchmayr ist es ein Anliegen, «das System zu mässigen».

Wie lässt sich diese Entwicklung erklären? Während viele SP-Genossinnen und -Genossen, die sich mit Bildungsthemen beschäftigen, in der Bildungsadministration oder in den «Forschungs»abteilungen der Pädagogischen Hochschulen tätig sind, also den Herausforderungen des Unterrichtsalltags fernbleiben, handelt es sich bei Jan Kirchmayr – wie es in seinem Umfeld immer wieder betont wird – um einen begabten und kompetenten jungen Lehrer, der weiss, wovon er spricht. Und auch Miriam Locher, ihres Zeichens Kindergartenlehrperson, sieht sehr genau, wo die Grenzen bildungsbürokratischer Beglückungsphantasien liegen. Und dabei behalten die beiden durchaus die Ziele der Integration im Auge, ganz nach dem Motto: «So viel Integration wie möglich, so viel Separation wie nötig.»

 

Motion «Lernräume für Baselbieter Schulen» von Jan Kirchmayr (SP)
Motion «Separative Beschulung den heutigen Bedürfnissen anpassen» von Miriam Locher (SP)

 

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