2. Oktober 2026
Das Memo von Markus Somm

Die maximal unsympathische Antwort der Lehrer

Markus Somm, Herausgeber des Nebelspalters, rechnet in seinem Memo ziemlich giftig mit Daniel Kachel (GLP), Sekundarlehrer und Mitglied der Geschäftsleitung des ZLV ab. Dieser drohte nach der Abstimmungsniederlage mit einem Abbau des Leistungsangebots.

Die Fakten: 59,2 Prozent der Zürcher lehnen es ab, den Lehrern den Lohn zu erhöhen.

Warum das wichtig ist: Das ist eine Zeitenwende. Auf die Jammerer von Berufs wegen wird nicht mehr geachtet.

Wer sich fragt, warum die Lehrer inzwischen einen so miserablen Ruf haben wie wir Journalisten, der muss sich einmal dieses Interview eines Lehrers anhören. Er heisst Daniel Kachel, unterrichtet an der Sekundarschule in Bassersdorf und ist Mitglied der Geschäftsleitung des Zürcher Lehrerverbands:

Markus Somm: Herausgeber und Chefredakteur des Nebelspalter: In der Privatwirtschaft die sofortige Kündigung.

Der Tages-Anzeiger fragt:

«Sie haben vor der Abstimmung [über das Lehrpersonalgesetz] gesagt, bei einem Nein werde die Volksschule ihr Angebot reduzieren. Was wird jetzt konkret als Erstes gestrichen?»

Daniel Kachel:

«Der Lehrpersonenverband wird mit den Mitgliedern nun analysieren, wo wir Leistungen anpassen können. Nach diesem Entscheid werden wir das Angebot sicher reduzieren.

Hallo? Stellen Sie sich vor, ein Angestellter von Ihnen, durchaus ein tüchtiger und geschätzter, komme zu Ihnen als Chef und verlange eine beachtliche Lohnerhöhung, zum Beispiel 83 Millionen Franken im Jahr (wie im Lehrpersonalgesetz vorgesehen). Das lehnen sie vielleicht ab – mit Blick auf den Geschäftsgang und den Verlust, den Sie in nächster Zeit erwarten. Was tut der Angestellte?

Wenn er noch bei Verstand ist (oder seine Stelle behalten möchte), dann sagt er bestimmt nicht:

«Ja, dann Herr Somm, fahre ich meine Arbeitszeit bei vollem Lohn zurück und leiste nur noch Dienst nach Vorschrift.»

Mit anderen Worten: Wäre Daniel Kachel in der Privatwirtschaft tätig, hätte er heute noch die Kündigung auf den Tisch bekommen.

Daniel Kachel ist offensichtlich beim Staat angestellt, wo wir Arbeitgeber, die Steuerzahler, froh sind, dass er für uns arbeitet und wir ihm den höchsten Lehrerlohn der Eidgenossenschaft zahlen dürfen.

  • 152’600 Franken im Jahr verdient ein Zürcher Primarlehrer maximal.

Ein Lohn – den ein Journalist, so unbeliebt wie wir sind, sein Leben lang nicht erzielt, es sei denn es handle sich bei ihm um einen Superstar oder einen Chef

Selten habe ich einen Arbeitnehmer erlebt, der seinem Arbeitgeber so unverschämt kommt. Urteilen Sie selbst.

Der Tagi fragt weiter:

«Sie haben auch die Einführung von Bürozeiten vorgeschlagen. Also keine Elterngespräche mehr nach 17 Uhr. Was passiert mit dringenden Fällen ausserhalb dieser Zeiten?»

«Was mache ich, wenn das Passbüro geschlossen ist?»

«Am nächsten Tag wiederkommen. Das dürfte für berufstätige Eltern schwierig sein.»

«Eben. Und hier geht es um junge Menschen und nicht um Pässe. Aber vielleicht hat die Bevölkerung unnötige Ansprüche entwickelt und wir sind einfach mitgelaufen. Vielleicht müssen wir nicht alle Bestellungen der Eltern erfüllen, wenn sie nicht bereit sind, dafür zu bezahlen. Wir sollten selbstkritisch sagen: Vielleicht waren wir immer nette Lieferanten – und das ist nun vorbei.»

Kurz: Nirgendwo hat sich das Preis-Leistungsverhältnis so pervers entwickelt wie im Bildungssystem: Der Preis steigt unablässig, die Leistung nimmt ständig ab

Daniel Kachel arbeitet seit 26 Jahren als Sekundarschullehrer und ist Mitglied der Geschäftsleitung des Zürcher Lehrerverbands. Daneben war er Parlamentsmitglied in Illnau-Effretikon und kandidierte umsonst für den Stfitungsrat der Pensionskasse BVK.

Wenn Lehrer Kachel uns etwas beibringen kann, dann die Ursachen, warum es im Kanton Zürich zu einer Art Zeitenwende gekommen ist. Jahrelang hat man mit den Lehrern sympathisiert:

  • Mühsame Eltern, die eine schlechte Note ihres missratenen Kindes bis ans Bundesgericht ziehen: Wer hat nicht Mitleid mit den Lehrern?
  • Misslungene Reformen fast Jahr für Jahr, die den Lehrern nur Ärger und noch mehr Bürokratie bringen: Wer bedauert nicht die armen Lehrer?
  • Migration ausser Rand und Band, muslimische Schüler, die ihren Lehrerinnen die Hand nicht geben: Wer ist nicht empört und verteidigt die bedauernswerten Frauen?

Offenbar ist unser Mitleid aufgebraucht. Das zeigt das kühle Nein der Zürcher gegen das Lehrpersonalgesetz, worüber der Kanton Zürich am vergangenen Sonntag abgestimmt hat. 59,2 Prozent fanden höhere Löhne für die Lehrer nicht angebracht.

Manchen Bürgern ist inzwischen aufgefallen, dass die Lehrer etwa gleich viel jammern wie die Bauern, dass aber im Gegensatz zu den Bauern, wo die teure Milch immerhin nicht sauer und das noch teurere Schweizer Fleisch nicht angefault geliefert wird, die Leistung der Schulen ständig an Qualität einbüsst.

  • Wenn wir die Pisa-Ergebnisse betrachten, dann stellen wir fest, dass unsere Schüler immer weniger beherrschen, obwohl die Schulen immer teurer werden.

Kurz: Nirgendwo hat sich das Preis-Leistungsverhältnis so pervers entwickelt wie im Bildungssystem: Der Preis steigt unablässig, die Leistung nimmt ständig ab. Wären wir Steuerzahler normale Kunden, Daniel Kachel hätte schon längst kein Salär mehr. Denn diese Firma genannt Schule wäre bankrott.

Warum sind die Lehrer an ihrem schlechten Ruf selber schuld? Thema für das nächste Memo.

Inzwischen verbleibe ich mit einem Trost für Daniel Kachel: Die Schulen und ihre Lehrer waren schon immer verhasst – lange bevor sie das verdient hatten.

Friedrich Nietzsche, der grosse deutsche Philosoph, zum Beispiel, der im 19. Jahrhundert die Schule besucht hatte:

«Welches Sammelsurium von verschrobenen Köpfen und veralteten Einrichtungen wird häufig als Gymnasium bezeichnet und gut befunden.»

Ich wünsche Ihnen einen lehrreichen Tag

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1 Kommentar

  1. Somm hat recht. Doch eines sei ihm gesagt: Sich als Lehrer gegen all den Reformschwachsinn zu stellen, ist extrem ermüdend und gefährlich. Ich habe das als Sekundarlehrer getan. Auch an einer Plenarversammlung der AKK Baselland.

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