22. Juni 2026
Deutschland - Bildungsbericht 2026 ist da

Immer mehr Jugendliche scheitern an Mathe

Der neue Bildungsbericht zeigt wachsende Probleme von der Kita bis zur Hochschule. Mehr verfehlte Mindeststandards, weniger Ausbildungsplätze und starke soziale Ungleichheit. Dieser Beitrag ist zuerst auf “Focus online” erschienen.

Student in a gray hoodie rests his head on his arm while holding a pencil at a classroom desk.

 

Alle zwei Jahre legen Bund und Länder einen nationalen Bildungsbericht vor. Der federführend vom Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation (DIPF) erstellte und an diesem Montag veröffentlichte Bericht liefert eine empirische Bestandsaufnahme des deutschen Bildungswesens und basiert auf amtlichen Statistiken sowie sozialwissenschaftlichen Daten und Studien. Er beleuchtet die gesamte Bildungskette: von der Kita über die Schule und berufliche Bildung bis hin zur Hochschule.

Cheyenne Peters, Redaktorin Focus online
Amelie Kaiser, Volontärin Focus online

FOCUS online fasst die wichtigsten Erkenntnisse zusammen:

 

 

 

  1. Ein Viertel erreicht Mindeststandard in Mathematik nicht

Der Anteil der Neuntklässler, die mindestens einen Realschulabschluss anstreben, aber die Mindeststandards im Fach Mathematik verfehlen, steigt deutlich an. Von 16 Prozent im Jahr 2012 auf 24 Prozent im Jahr 2024. Damit erreicht inzwischen fast ein Viertel dieser Schülerinnen und Schüler die grundlegenden Anforderungen in Mathematik nicht.

 

  1. Es gibt weniger Ausbildungsplätze

Auch im Ausbildungssystem wächst der Druck. Im Jahr 2025 wurden rund 476’000 neue Ausbildungsverträge abgeschlossen, gut 13’000 weniger als im Jahr 2023. Zusätzlich ging die Zahl der ausbildenden Betriebe weiter zurück. 2024 bildeten nur noch 18,7 Prozent der Betriebe aus. Da die Nachfrage zugleich steigt, kamen zuletzt nur noch 95 Ausbildungsplätze auf 100 Nachfragende. 2023 waren es noch knapp 102 Plätze.

“Zuletzt schafften es nicht einmal 30 Prozent der Studierenden, ihr Studium innerhalb der Regelstudienzeit abzuschließen. Studierende stehen dem Arbeitsmarkt dadurch immer später zur Verfügung.”

  1. Studierende brauchen länger bis zum Abschluss

An den Hochschulen zeigt sich ein weiteres Problem: Für den Bachelor benötigen Studierende inzwischen im Schnitt 8,4 Semester – deutlich mehr als noch 2014 mit 7,2 Semestern. Diese Entwicklung ist genau gegenläufig zum durch die Bologna-Reformen erhofften Effekt einer verkürzten Studienzeiten. Im Bericht heißt es dazu: “Zuletzt schafften es nicht einmal 30 Prozent der Studierenden, ihr Studium innerhalb der Regelstudienzeit abzuschließen. Studierende stehen dem Arbeitsmarkt dadurch immer später zur Verfügung.”

 

  1. “Bildungsschere schließt sich kaum noch”

Deutlich wird auch dieses Jahr wieder: Die soziale Herkunft trägt einen erheblichen Teil zum Bildungserfolg der Kinder bei. Marcel Helbig vom Leibniz-Institut für Bildungsverläufe sagte der ARD: “Bildung und der soziale Status der Eltern zählen nach wie vor zu den wichtigsten Faktoren für den Bildungserfolg von Kindern. Auch im internationalen Vergleich schneidet Deutschland in diesem Bereich weiterhin relativ schlecht ab.”

Bildungsministerin Prien hält frühkindliche Bildung für entscheidend

Auf die Problemanalyse folgt die Debatte, wie sich die identifizierten Mängel beheben lassen. Bundesbildungsministerin Karin Prien (CDU) betonte im ARD Morgenmagazin wie wichtig die frühkindliche Förderung sei: “Die Bildungsschere öffnet sich schon mit der Geburt, geht bis zum sechsten Lebensjahr weiter auseinander und schließt sich danach kaum noch. Deshalb ist frühe Bildung so entscheidend. Ausschlaggebend ist, was Kinder zwischen null und drei Jahren im Elternhaus erfahren und später in der Kita. Genau hier müssen wir künftig noch stärker ansetzen.”

“Kinder müssen die deutsche Sprache lernen in der Kita und müssen auch in ihren sonstigen Entwicklungsdefiziten besser unterstützt werden. Das ist jetzt die große Aufgabe für die nächsten Jahre.”

 

  • Kinder sollen Deutsch in der Kita lernen: Um Kinder in dieser frühen Lebensphase besser zu unterstützen, sei es wichtig Eltern, Großeltern und Kitas zu gewinnen. „Kinder müssen die deutsche Sprache lernen in der Kita und müssen auch in ihren sonstigen Entwicklungsdefiziten besser unterstützt werden”, sagte die Ministerin in der ARD. „Das ist jetzt die große Aufgabe für die nächsten Jahre.”
  • Schulen unterstützen: Prien verweist zudem darauf, dass Schulen in besonders herausfordernden Lagen gezielte Unterstützung brauchen. Vor dem Hintergrund des ab dem kommenden Schuljahr schrittweise eingeführten Rechtsanspruchs auf Ganztagsbetreuung steige der Ressourcenbedarf sogar bei abnehmenden Schülerzahlen.
  • Eine zentrale Rolle spielt für die Ministerin dabei das Startchancen-Programm der Bundesregierung. Es gilt als das bislang größte Bildungsprogramm in Deutschland: Bund und Länder investieren gemeinsam rund 20 Milliarden Euro über zehn Jahre. Mehr als 4000 Schulen mit einem hohen Anteil sozial benachteiligter Schülerinnen und Schüler sollen so gezielt gefördert werden.

 

 Legende Beitragsbild: Der nationale Bildungsbericht 2026 zeigt große Lücken auf. (Foto: Getty/Maskot)

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