23. September 2026
KI im Klassenzimmer

Humanoider Roboter “Sally” unterrichtet ab September in der Oberstufe

Ein Schulbezirk im US-Bundesstaat New York setzt eine KI-gestützte Figur als Unterrichtsassistenz ein. Der 57’000-Dollar-Roboter soll Schülerinnen und Schüler zum Denken anregen. Der Beitrag ist zuerst in der “Basler Zeitung” erschienen.

Woman seated in a white blouse and black pants, facing left against a light gray background, hands resting in her lap.

 

Im US-Bundesstaat New York kommt ab kommendem September erstmals ein humanoid gestalteter Roboter an einer öffentlichen Schule als Unterrichtsassistenz zum Einsatz. Das berichtete die “New York Post” am Samstag.

Die Zeitung beruft sich auf Angaben des Salamanca City Central School Districts, ein Schulbezirk im ländlichen Norden des US-Bundesstaates New York, der mitteilte, dass die KI-gestützte Figur namens “Sally” im Oberstufenunterricht der Highschool eingesetzt werde. Der Schulbezirk zählt rund 1400 Schülerinnen und Schüler, von denen über 32 Prozent der indigenen Bevölkerung angehören.

Urs Nagel, Tamedia-Journalist

Unterrichtet werden soll eine kleine Gruppe von Schülerinnen und Schülern der 11. und 12. Klasse, die an Kursen in den Bereichen Naturwissenschaften, Technologie, Ingenieurwesen, Kunst und Mathematik teilnimmt.

Roboter “Sally” hat braune Haare und Latex-Haut

Der Roboter wurde vom US-Unternehmen Realbotix Corporation entwickelt und ist mit braunen Haaren, einer Latex-Haut ausgestattet und soll einen Akzent aus der Region Western New York haben – ähnlich wie die Gouverneurin des US-Bundesstaates, Kathy Hochul.

Technisch kann “Sally” ihre Arme und Hände bewegen, jedoch nicht selbstständig durch das Schulzimmer gehen. Im Artikel der “New York Post” wird der Anschaffungspreis für das Modell, das auf Rädern hin- und hergeschoben werden muss, mit 57’000 US-Dollar (ca. 46’000 Franken) angegeben.

Schulbezirksleiter Dr. Mark Beehler betonte, dass der Einsatz mit Leitplanken versehen sei: Der Roboter laufe auf einem offline betriebenen, geschlossenen KI-System, welches den Jugendlichen keine fertigen Lösungen vorgebe, sondern Daten liefere und zum selbstständigen Denken anrege. Zudem sammle das Gerät keine persönlichen Daten, zeichne weder Bild noch Ton auf und übermittle keine Informationen an den Hersteller.

Kritik an Realbotix Corporation wegen Übernahme aus der Erotik-Branche

Das Projekt stösst nicht nur auf Zustimmung. Einige Personen stellten in Onlineforen den hohen Anschaffungspreis und den generellen Einsatz KI-gestützter Technologie im Unterricht in Frage, insbesondere in einem Bezirk mit einem sozial benachteiligten Umfeld.

So informierte die Schule auf ihrer Webseite über das Roboter-Projekt. (Foto: www.salamancany.org)

Doch die Schulbehörde stellte klar, dass die Technologie keinesfalls menschliches Lehrpersonal oder den persönlichen Austausch verdrängen werde. Das Projekt verstehe sich lediglich als ergänzendes Lernwerkzeug. Beehler räumte ein, dass Vorhaben dieser Art Skepsis hervorrufen können, verglich die Entwicklung jedoch mit der einstigen Einführung von E-Mail und Internet an Schulen.

Ein weiterer Streitpunkt ist die Herkunft von Realbotix. Das Unternehmen übernahm im Mai 2024 den Spezialisten Abyss Creations. Dieser hat seine Wurzeln in der Erotik-Robotik.

 

Urs Nagel ist seit 2018 Sitemanager und Nachrichtenjournalist bei der Redaktion Tamedia. Mehr Infos

 

Legende Beitragsbild: Kein Ersatz für Lehrerinnen und Lehrer: ein humanoider Roboter, der einer Klasse Programmieren und Robotik beibringen soll. (Foto: PD)

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