20. März 2026
PH FHNW braucht tiefgreifende Reformen

Warum nicht mal eine Reform im Überbau?

Die PH FHNW gerät nicht aus den Schlagzeilen. Der Reformbedarf sei immens, findet Lena Bubendorf von der Starken Schule beider Basel.

Seit Jahren erreichen die Starke Schule beider Basel (SSbB) zahlreiche Rückmeldungen von Studierenden der Pädagogischen Hochschule der Fachhochschule Nordwestschweiz (PH FHNW). Die Kritik ist beunruhigend: Sie betrifft die Praxisnähe des Studiums, wenig sinnvolle Lerninhalte, organisatorische Mängel und fehlende Mitsprache. Die aktuellen Berichte des Regierungsrates sowie der Bildungs-, Kultur- und Sportkommission zeigen, dass der politische Handlungsbedarf erkannt wird. Aus Sicht der SSbB braucht es jedoch mehr als punktuelle Korrekturen. Notwendig ist eine grundlegende Reform der PH, damit die Ausbildung zukünftiger Lehrpersonen den Anforderungen des Schulalltags gerecht wird.

Studierende berichten, dass viele Inhalte zu theoretisch sind und konkrete Herausforderungen aus dem Unterricht kaum berücksichtigt werden. Komplizierte Abläufe und eine hohe administrative Belastung prägen den Studienalltag.

Lena Bubendorf, Starke Schule beider Basel.

Auswirkungen auf Schulen, Schüler/-innen und Lehrpersonenmangel

Eine schlecht funktionierende PH ist kein internes Hochschulproblem, sondern ein zentrales bildungspolitisches Thema, welches nicht mehr zu meiden ist. Unzureichend vorbereitete Lehrpersonen belasten die Schulen und erhöhen den Unterstützungsbedarf durch Kollegien und Schulleitungen. Die Ausbildungsqualität wirkt sich direkt auf die Qualität des Unterrichts und den Lernerfolg der Schüler/-innen aus.

Gleichzeitig zeigt sich, dass viele Berufseinsteiger/-innen in den ersten Jahren überfordert sind. Der Übergang vom Studium in den Beruf ist unzureichend begleitet. Die PH trägt jedoch Mitverantwortung dafür, dass angehende Lehrpersonen den Einstieg in den Schulalltag bewältigen können.

Hinzu kommt die fehlende Mitbestimmung. Rückmeldungen von Studierenden gehen unter; sie haben kaum Einfluss auf die Weiterentwicklung der Ausbildung.

Studierende ernst nehmen und Qualität verbindlich sichern

Besonders häufig wird die fehlende Praxisnähe sowie die wenig hilfreichen Lerninhalte für den künftigen Unterricht im Schulzimmer kritisiert. Studierende fühlen sich trotz abgeschlossener Module unsicher, wenn sie eigenständig unterrichten. Organisatorische Probleme bei der Modulwahl erschweren zusätzlich ein zielgerichtetes Studium.

Hinzu kommt die fehlende Mitbestimmung. Rückmeldungen von Studierenden gehen unter; sie haben kaum Einfluss auf die Weiterentwicklung der Ausbildung. Reformen werden in der Regel ohne systematische Einbindung der Betroffenen geplant. Die SSbB ist davon überzeugt, dass Studierende als direkt Betroffene ernsthaft in Reformprozesse einbezogen werden müssen.

Gleichzeitig berichten Studierende von grossen Unterschieden in der Qualität der Ausbildung. Je nach Studiengang, Modul oder Dozierenden erleben sie sehr unterschiedliche Anforderungen und Unterstützungsangebote. Eine verlässliche und vergleichbare Ausbildungsqualität ist jedoch zentral. Es braucht verbindliche Qualitätsstandards und eine transparente Überprüfung der Ausbildungsqualität.

Ein weiteres strukturelles Defizit zeigt sich in der Zusammenarbeit zwischen PH und Schulen. Die Volksschule ist der zentrale Lernort für angehende Lehrpersonen. Dennoch ist die Zusammenarbeit mit den Ausbildungsschulen zu wenig verbindlich geregelt. Schulen werden zu selten als gleichwertige Partner in der Ausbildung einbezogen.

Bildbeschreibung: In einem hellen Seminarraum an einer Pädagogischen Hochschule folgt eine Gruppe von 17 angehenden Lehrerinnen einer stark theorieorientierten Vorlesung. Während die Dozentin abstrakte Modelle der Lernmotivation präsentiert, arbeiten einige Studierende bereits an eigenen praxisbezogenen Unterrichtsunterlagen. Der sichtbare Kontrast zwischen theoretischer Präsentation und schulnaher Planung verdeutlicht die fehlende Praxisnähe der Ausbildung. Das Bild unterstreicht den Reformbedarf in der Ausbildung zukünftiger Lehrpersonen. [fiktives Bild]

Politische Verantwortung, Steuerung und Finanzierung

Der Bericht des Regierungsrates zur PH FHNW sowie der Beschluss der Bildungs-, Kultur- und Sportkommission anerkennen den bestehenden Handlungsbedarf. Dass die Situation politisch aufgegriffen wird, ist unabdingbar. Die vorgesehenen Massnahmen bleiben jedoch zu wenig verbindlich und greifen zu kurz, um die strukturellen Probleme nachhaltig zu beheben.

Die PH FHNW ist eine interkantonale Institution, wofür die vier Trägerkantone gemeinsam in Verantwortung für die Qualität der Ausbildung, für klare strategische Vorgaben und für eine wirksame politische Steuerung sind. Reformen dürfen nicht allein der internen Hochschulentwicklung überlassen werden. Es braucht eine klare politische Führung und verbindliche Erwartungen an die Ausbildung zukünftiger Lehrpersonen.

Zusätzlich verschärft die anhaltende Sparpolitik die bestehenden Probleme. Der Stellenabbau reduziert die individuelle Begleitung der Studierenden und schwächt insbesondere die Praxisbegleitung. Weniger personelle Ressourcen führen zu grösseren Gruppen, weniger Zeit für Beratung und geringerer Unterstützung im Praktikum.

Reform statt Flickwerk

Die Ausbildung von Lehrpersonen muss konsequent am Schulalltag ausgerichtet sein. Praxisnahe Ausbildung, eine enge und verbindliche Zusammenarbeit mit den Schulen sowie eine starke Begleitung im Studium müssen zentrale Leitprinzipien werden. Notwendig sind klare Strukturen, verständliche Abläufe und eine verbindliche Rückmeldekultur, in der Kritik ernst genommen und sichtbar in Verbesserungen umgesetzt wird. Studierende müssen als Partner/-innen in der Weiterentwicklung der Ausbildung anerkannt werden.

Nur mit einer umfassenden Reform kann die PH FHNW ihrer zentralen Rolle für eine starke Volksschule gerecht werden. Gute Schulen brauchen gut ausgebildete Lehrpersonen. Dafür braucht es eine Pädagogische Hochschule, die Verantwortung übernimmt, sich grundlegend verändert und die langfristige Qualität der Volksschule in den Mittelpunkt stellt.

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5 Kommentare

  1. Soso – der Reformbedarf ist erkannt. Soso. Aha. Da ist guter Rat teuer und das Geld haben wir nicht. Eben. Mir wei luege – sagt der Baselbieter. Hey jo drno.

  2. Es ist schon erstaunlich, dass fast jede Kritik an den Ausbildungskonzepten der Pädagogischen Hochschulen meist rasch versandet. Alles, was Lena Bubendorf in ihrem Beitrag aufzählt, wird schon seit Längerem als revisionsbedürftig eingestuft. Doch die Politik fühlt sich nicht zuständig und lässt die Hochschulen weitgehend gewähren. Die Lehrerschaft wirkt gegenüber den auf Wissenschaftlichkeit pochenden Institutionen oft eingeschüchtert und die Studierenden können sich eine offene Kritik an der Ausbildung kaum leisten.

    Leider schadet dieser Zustand des widerwilligen Wegschauens der Volksschule erheblich. Erfahrene Lehrpersonen sollten sich auf Augenhöhe mit den Dozierenden der Pädagogischen Hochschulen intensiv austauschen können. Es müsste selbstverständlich sein, dass die Anliegen der Schulpraktiker einen hohen Stellenwert bei der Ausgestaltung der Lehrerbildung haben. Dass es da zünftig happert, haben didaktische Fehlkonzepte beim Fremdsprachenlernen oder bei verunglückten Selbstlernkonzepten leider zur Genüge bewiesen.

    Mit einer besseren Mitsprache der Studierenden könnte ein entscheidender erster Schritt getan werden, um die Ausbildungsqualität zu heben. Ein solches Konzept einer konstruktiven Mitwirkung der Studierenden ist keinesfalls revolutionär, wie man vielleicht vermuten könnte. So gab es am Zürcher Reallehrerseminar (ROS), dem Vorläufer der PHZH, bereits eine gut funktionierende Kultur der studentischen Mitsprache.
    Am Ende jedes Schuljahrs lud der damalige Direktor jede Seminarklasse zu einer Rückschau auf das vergangene Jahr mit einer sorgfältigen Beurteilung aller Dozierenden ein. Das waren alles andere als Leerlauf-Übungen. Wir Studierenden waren uns bewusst, dass wir in der offenen Gesprächsrunde präzise und faire Rückmeldungen abzugeben hatten. Direktor Hans Wymann nahm uns ernst, hakte nach und hatte danach den Mut, die Dozierenden über den Verlauf der Beurteilungsgespräche zu informieren. Nie kam es dabei zu Schnellschüssen, aber wenn ein Dozent wiederholt in der Kritik stand, musste er seinen Platz am Seminar räumen.

    Es erstaunt dabei nicht, dass das eher kleinräumige ROS einen hervorragenden Ruf als praxisnahe und fachlich überzeugende Lehrerbildungsstätte hatte. Das beschriebene Konzept kann sicher nicht eins zu eins von einer grossen Pädagogischen Hochschule übernommen werden. Doch mit gutem Willen lässt sich auch an einer PHNW oder PHZH eine konstruktive Form der studentischen Mitsprache finden.

  3. Das Problem ist der Zwang zur “Wissenschaftlichkeit”, der mit der Übernahme der Ausbildung von den PHs erfolgte. Dozierende mit universitärem Hintergrund wurden gesucht, meist überzählige Assistenten, bei denen vor oder nach dem Doktorat keine schnelle Aussicht auf eine universitäre Karriere bestand. An den Fachhochschulen tragen sie jetzt beeindruckende Titel: Z.B. “Dozentin der Professur für Deutschdidaktik und ihre Disziplinen” oder “Co-Leiter Zentrum Lesen, Institut Forschung und Entwicklung” Die meisten von ihnen hatten jedoch keine oder nur geringe Unterrichtserfahrung an der Volksschule. Brutal gesagt: Sie müssen Lehrpersonen für eine Arbeit ausbilden, die sie nicht wirklich kennen. Sie haben sich eingelesen in Theorien, quantitative Studien, vertreten utopische Ideen und haben sich ein Bild von Schule zurechtgelegt weit entfernt von der Realität, mit der die Auszubildenden täglich konfrontiert sind. Ich fürchte deshalb, dass es mit Gesprächen auf Augenhöhe mit den Studierenden nicht getan ist, weil die Dozierenden in einer hermetisch abgeschlossenen Welt leben, die sich der realen Schulsituation überlegen fühlt. Die Dozierenden wissen es einfach besser. Deshalb sehe ich die Lösung darin, dass die Dozierenden durch erfahrene Lehrkräfte ersetzt werden, die Praxisratschläge vermitteln und die Praxistauglichkeit der Studierenden einschätzen können.

    1. Der Einsatz von erfahrenen Lehrkräften in der Lehrerbildung ist zweifellos eine zielführende Option. Für den Bereich der Fachdidaktiken können Volksschullehrkräfte mit erfolgreicher Schulpraxis aus dem Vollen schöpfen und zeigen, wie guter Unterricht in ihrem Fachbereich gelingt.

      An der PHZH hat man nach der Entlassung von Lehrkräften ohne universitären Abschluss bald einmal gemerkt, dass der radikale Aderlass der Qualität der Fachdidaktik sehr geschadet hat. Doch eine Rückkehr zum früheren Zustand war trotz einiger Bemühungen ein hoffnungsloses Unterfangen. Das Angebot an erfahrene Lehrpersonen, einen Universitätsabschluss in ihrem Fachgebiet zu erwerben, schlugen die meisten aus, da der Aufwand eindeutig zu hoch war.

      Nach dem ganzen Debakel müsste jetzt die Politik eingreifen und verlangen, dass der Kernbereich der Fachdidaktiken wieder von erfolgreichen Volksschullehrkräften erteilt wird. Für die wichtige Weiterbildung der Studierenden sollten jedoch nach wie vor akademisch ausgebildete Dozierende zur Verfügung stehen. Diese haben die Aufgabe, das fachliche Können der Volksschullehrkräfte zu fördern und die wissenschaftliche Qualität in ihrem Fachbereich zu sichern.

      Das duale System in der Ausbildung verlangt eine gewisse Koordination zwischen Praktikern und Theoretikern. So wird sich beispielsweise der Dozierende für deutsche Literatur mit der Fachdidaktikerin für den Deutschunterricht über stoffliche Fragen absprechen müssen. Diese Auseinandersetzung über eine inhaltliche Relevanz in der Weiterbildung könnte die häufig beklagten Leerläufe mit praxisfernen schriftlichen Abhandlungen weitgehend verhindern.

      1. Das sehe ich genauso. Die fachliche Ausbildung für Sekundarlehrer(innen) und Gymnasiallehrer(innen) gehört an die Universität mit einem entsprechenden Abschluss. Die schulpraktische Ausbildung gehört an die PH, wobei die Dozentinnen und Dozenten für ihr Fach einen ebensolchen universitären Abschluss benötigen, aber zusätzlich ihre 10 bis 15 Jahre Praxis an der Schule geleistet haben.

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