Seit Jahren erreichen die Starke Schule beider Basel (SSbB) zahlreiche Rückmeldungen von Studierenden der Pädagogischen Hochschule der Fachhochschule Nordwestschweiz (PH FHNW). Die Kritik ist beunruhigend: Sie betrifft die Praxisnähe des Studiums, wenig sinnvolle Lerninhalte, organisatorische Mängel und fehlende Mitsprache. Die aktuellen Berichte des Regierungsrates sowie der Bildungs-, Kultur- und Sportkommission zeigen, dass der politische Handlungsbedarf erkannt wird. Aus Sicht der SSbB braucht es jedoch mehr als punktuelle Korrekturen. Notwendig ist eine grundlegende Reform der PH, damit die Ausbildung zukünftiger Lehrpersonen den Anforderungen des Schulalltags gerecht wird.
Studierende berichten, dass viele Inhalte zu theoretisch sind und konkrete Herausforderungen aus dem Unterricht kaum berücksichtigt werden. Komplizierte Abläufe und eine hohe administrative Belastung prägen den Studienalltag.

Auswirkungen auf Schulen, Schüler/-innen und Lehrpersonenmangel
Eine schlecht funktionierende PH ist kein internes Hochschulproblem, sondern ein zentrales bildungspolitisches Thema, welches nicht mehr zu meiden ist. Unzureichend vorbereitete Lehrpersonen belasten die Schulen und erhöhen den Unterstützungsbedarf durch Kollegien und Schulleitungen. Die Ausbildungsqualität wirkt sich direkt auf die Qualität des Unterrichts und den Lernerfolg der Schüler/-innen aus.
Gleichzeitig zeigt sich, dass viele Berufseinsteiger/-innen in den ersten Jahren überfordert sind. Der Übergang vom Studium in den Beruf ist unzureichend begleitet. Die PH trägt jedoch Mitverantwortung dafür, dass angehende Lehrpersonen den Einstieg in den Schulalltag bewältigen können.
Hinzu kommt die fehlende Mitbestimmung. Rückmeldungen von Studierenden gehen unter; sie haben kaum Einfluss auf die Weiterentwicklung der Ausbildung.
Studierende ernst nehmen und Qualität verbindlich sichern
Besonders häufig wird die fehlende Praxisnähe sowie die wenig hilfreichen Lerninhalte für den künftigen Unterricht im Schulzimmer kritisiert. Studierende fühlen sich trotz abgeschlossener Module unsicher, wenn sie eigenständig unterrichten. Organisatorische Probleme bei der Modulwahl erschweren zusätzlich ein zielgerichtetes Studium.
Hinzu kommt die fehlende Mitbestimmung. Rückmeldungen von Studierenden gehen unter; sie haben kaum Einfluss auf die Weiterentwicklung der Ausbildung. Reformen werden in der Regel ohne systematische Einbindung der Betroffenen geplant. Die SSbB ist davon überzeugt, dass Studierende als direkt Betroffene ernsthaft in Reformprozesse einbezogen werden müssen.
Gleichzeitig berichten Studierende von grossen Unterschieden in der Qualität der Ausbildung. Je nach Studiengang, Modul oder Dozierenden erleben sie sehr unterschiedliche Anforderungen und Unterstützungsangebote. Eine verlässliche und vergleichbare Ausbildungsqualität ist jedoch zentral. Es braucht verbindliche Qualitätsstandards und eine transparente Überprüfung der Ausbildungsqualität.
Ein weiteres strukturelles Defizit zeigt sich in der Zusammenarbeit zwischen PH und Schulen. Die Volksschule ist der zentrale Lernort für angehende Lehrpersonen. Dennoch ist die Zusammenarbeit mit den Ausbildungsschulen zu wenig verbindlich geregelt. Schulen werden zu selten als gleichwertige Partner in der Ausbildung einbezogen.

Bildbeschreibung: In einem hellen Seminarraum an einer Pädagogischen Hochschule folgt eine Gruppe von 17 angehenden Lehrerinnen einer stark theorieorientierten Vorlesung. Während die Dozentin abstrakte Modelle der Lernmotivation präsentiert, arbeiten einige Studierende bereits an eigenen praxisbezogenen Unterrichtsunterlagen. Der sichtbare Kontrast zwischen theoretischer Präsentation und schulnaher Planung verdeutlicht die fehlende Praxisnähe der Ausbildung. Das Bild unterstreicht den Reformbedarf in der Ausbildung zukünftiger Lehrpersonen. [fiktives Bild]
Politische Verantwortung, Steuerung und Finanzierung
Der Bericht des Regierungsrates zur PH FHNW sowie der Beschluss der Bildungs-, Kultur- und Sportkommission anerkennen den bestehenden Handlungsbedarf. Dass die Situation politisch aufgegriffen wird, ist unabdingbar. Die vorgesehenen Massnahmen bleiben jedoch zu wenig verbindlich und greifen zu kurz, um die strukturellen Probleme nachhaltig zu beheben.
Die PH FHNW ist eine interkantonale Institution, wofür die vier Trägerkantone gemeinsam in Verantwortung für die Qualität der Ausbildung, für klare strategische Vorgaben und für eine wirksame politische Steuerung sind. Reformen dürfen nicht allein der internen Hochschulentwicklung überlassen werden. Es braucht eine klare politische Führung und verbindliche Erwartungen an die Ausbildung zukünftiger Lehrpersonen.
Zusätzlich verschärft die anhaltende Sparpolitik die bestehenden Probleme. Der Stellenabbau reduziert die individuelle Begleitung der Studierenden und schwächt insbesondere die Praxisbegleitung. Weniger personelle Ressourcen führen zu grösseren Gruppen, weniger Zeit für Beratung und geringerer Unterstützung im Praktikum.
Reform statt Flickwerk
Die Ausbildung von Lehrpersonen muss konsequent am Schulalltag ausgerichtet sein. Praxisnahe Ausbildung, eine enge und verbindliche Zusammenarbeit mit den Schulen sowie eine starke Begleitung im Studium müssen zentrale Leitprinzipien werden. Notwendig sind klare Strukturen, verständliche Abläufe und eine verbindliche Rückmeldekultur, in der Kritik ernst genommen und sichtbar in Verbesserungen umgesetzt wird. Studierende müssen als Partner/-innen in der Weiterentwicklung der Ausbildung anerkannt werden.
Nur mit einer umfassenden Reform kann die PH FHNW ihrer zentralen Rolle für eine starke Volksschule gerecht werden. Gute Schulen brauchen gut ausgebildete Lehrpersonen. Dafür braucht es eine Pädagogische Hochschule, die Verantwortung übernimmt, sich grundlegend verändert und die langfristige Qualität der Volksschule in den Mittelpunkt stellt.

