8. Februar 2026

Ende einer gescheiterten Ideologie

In einem leidenschaftlichen Beitrag setzt sich Alina Isler, Vorstandsmitglied der Starken Schule beider Basel, für die Lehrmittelfreiheit ein, die am 24. November im Kanton Baselland zur Abstimmung kommt.

Die Passepartout-Lehrmittel «Mille feuilles» und «Clin d’oeil» sind nicht mehr zu retten. Zu heftig ist der pädagogische und politische Widerstand, zu erdrückend sind die Fakten und Analysen des Instituts für Mehrsprachigkeitsdidaktik der Universität Fribourg, das in seinem wissenschaftlichen Schlussbericht zum Französischunterricht zum Fazit kommt: Mit «Mille feuilles» erreicht eine Mehrheit der Schulkinder bis zum Ende der Primarschulzeit die Lernziele nicht.

Erlösung
Bild: AdobeSTock

Die «Starke Schule beider Basel» hat mit der Lancierung der umformulierten Volksinitiative «Stopp dem Verheizen von Schüler/-innen: Ausstieg aus dem gescheiterten Passepartout-Fremdsprachenprojekt» den Widerstand gegen die untauglichen Lehrmittel eingeleitet. Mittlerweile findet die Einsicht, dass es andere Schulbücher braucht, breite Unterstützung: Der Baselbieter Landrat befürwortet die Umsetzung der Initiative der «Starken Schule» sogar einstimmig.

Auch AKK, Bildungsrat, LVB, Verband der Schulleitungen, Handelskammer usw. unterstützen die Umsetzung der Initiative. Die Lehrpersonen sollen eine Lehrmittelfreiheit erhalten, um unbrauchbare Lehrmittel ersetzen zu können.

Die Lehrpersonen sollen eine Lehrmittelfreiheit erhalten, um unbrauchbare Lehrmittel ersetzen zu können.

Die «Starke Schule» begrüsst diese Lehrmittelfreiheit ausdrücklich, da so die untauglichen und meist nur pro forma eingesetzten Passepartout-Lehrmittel abgesetzt werden können. Zwar sieht die Lehrmittelfreiheit vor, dass Lehrpersonen weiterhin Passepartout-Lehrmittel einsetzen dürfen, allerdings wird dies in wenigen Jahren höchstens noch vereinzelt vorkommen: Zu gross wird automatisch der Druck auf diejenigen Sprachlehrpersonen, die weiterhin mit «Milles feuilles» arbeiten, wenn ihre Schützlinge in den weiterführenden Schulen nicht bestehen. Die Bildungsdirektion geht davon aus, dass auf den beiden Schulstufen Primar- und Sekundarschule 1 bereits im kommenden Schuljahr eine Mehrheit der Lehrpersonen auf die neuen, international anerkannten und bewährten Fremdsprachenlehrmittel umsteigen wird.

Die angestrebte Lehrmittelfreiheit zielt darauf ab, nicht nur in den beiden Fremdsprachen Englisch und Französisch untaugliche Lehrmittel ersetzen zu können, sondern in allen Fächern. Hintergrund ist, dass in den vergangenen Jahren in zahlreichen Fächern Lehrmittel eingeführt worden sind, die überwiegend auf den 3500 grösstenteils schwammigen und wenig zielführenden Kompetenzbeschreibungen des Lehrplans 21 aufgebaut sind. So etwa «mathbuch» oder «parla con me».

Ein Ja des Stimmvolks am 24. November ist wichtig, um das Debakel um Passepartout zu beenden. Gleichzeitig rücken damit aber auch die exzessiven und nicht umsetzbaren Kompetenzbeschreibungen im Lehrplan Schritt für Schritt in den Hintergrund.

Alina Isler

 

image_pdfAls PDF herunterladen

Verwandte Artikel

Grösstes Hindernis ist die Langeweile

John Hattie fordert einen Perspektivwechsel in Deutschlands Schulen. Welche Botschaften der Bildungsforscher für Lehrer und Schulleiter hat, worin er das größte Problem sieht und was für den Lernerfolg wichtig ist. Dieser Artikel wurde Anne Bajrica verfasst und ist zuerst im “Focus” erschienen.

Fernunterricht in Zeiten von Corona – Ein Erfahrungsbericht mit einer Sekundarklasse

Und auf einmal war er da: der hochgradig digitalisierte Unterricht; bedingt durch die Corona-Krise. Im Nachgang zu den zwei Monaten Fernunterricht lassen sich zwei sich gegenüberstehende Kernaussagen herausschälen: Die eine Seite sieht sich darin bestätigt, dass das digitale Lernen die alternativlose Zukunft darstelle. Die Skeptiker auf der anderen Seite meinen zu erkennen, dass nach den Erfahrungen mit dem Distance Learning umso klarer sei, dass echtes Lernen ausschliesslich auf der Beziehungsebene stattfinde.

Doch wie zumeist im Leben gibt es nicht nur Schwarz und Weiss, sondern ein Fülle an bunten Zwischentönen. Im vorliegenden Artikel reflektiere ich meine eigenen Erfahrungen während des Fernunterrichts mit einer 9. Klasse. Die Ausführungen basieren unter anderem auf einer klasseninternen Umfrage, aber auch Rückmeldungen von Eltern. Dabei wurde mitunter Erstaunliches zu Tage gefördert.

Hinweis: Diese Artikel ist in der Zeitschrift des Lehrerinnen- und Lehrervereins Baselland (LVB) erschienen (Juni-Ausgabe 2020).

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert