22. September 2026

Ins Räderwerk darf kein Sand hinein: AVS missachtet Beschlüsse des Bildungsrates

Die Bildungsbürokratie bleibt stur. Selbst in einem derart aufmüpfigen Kanton wie Baselland wehren sich die Verantwortlichen im Volksschulamt (AVS), den Willen der Bevölkerung (84% der Stimmenden) und des Bildungsrates umzusetzen. Gastautor Jürg Wiedemann (Starke Schule beider Basel) spricht von Missachtung.

Jürg Wiedemann, Gründungsmitglied der Starken Schule beider Basel: Das Versprechen gebrochen.

Die Starke Schule beider Basel (SSbB) lancierte im Juli 2016 die Initiative «Ja zu Lehrplänen mit klar definierten Stoffinhalten und Themen». Die Initiative wurde zurückgezogen zugunsten eines Gegenvorschlages, der von allen wesentlichen Bildungsorganisationen (LVB, AKK, KSL, SSbB) und politischen Parteien unterstützt wurde, nachdem der Regierungsrat das Versprechen abgab, für die Sekundarstufe 1 Stofflehrpläne in Ergänzung zu den Kompetenzbeschreibungen durch das AVS ausarbeiten zu lassen. Das Stimmvolk befürwortete im Juni 2018 an der Urne den ausgewogenen und breit abgestützten Kompromissvorschlag mit 84.2% deutlich.

Mittels Copy-Paste kopierte das AVS den grössten Teil der 3’536 Kompetenzbeschreibungen des Lehrplans 21 in diese neuen Lehrplanteile.

Buebetrickli des AVS

Das für die Erstellung der Stofflehrpläne zuständige Amt für Volksschulen (AVS) foutiert sich nun mit einem «Buebetrickli» um den politischen Entscheid: In den vorliegenden Lehrplänen wurde zwar für jedes Fach ein neuer Lehrplanteil mit dem Titel «Stoffinhalte und Themen» aufgenommen. Der Inhalt ist jedoch ein ganz anderer: Mittels Copy-Paste kopierte das AVS den grössten Teil der 3’536 Kompetenzbeschreibungen des Lehrplans 21 in diese neuen Lehrplanteile. So besteht z.B. der Lehrplanteil «Stoffinhalte und Themen» im Fach Mathematik aus 26 und im Fach Deutsch aus 25 Seiten voller Kompetenzbeschreibungen. Mit übersichtlichen und klar formulierten Stofflehrplänen hat das nichts zu tun.

Stoffinhalte: Mathematik 26 Seiten, Deutsch 25 Seiten

Volksentscheide missachtet

Lehrplan 21: 470 Seiten, 2’300 Kompetenzstufen.

Im AVS gibt es offensichtlich Personen in leitenden Positionen, die davon ausgehen, den Bildungsrat übergehen zu können. Sie missachten nicht nur Volksentscheide, sondern auch die Beschlüsse des Bildungsrates, der abschliessend über Lehrpläne entscheidet. Anlässlich der kantonalen Abstimmung vom 10. Juni 2018 schrieb der Bildungsrat: «Er hat die BKSD beauftragt, einen Ergänzungserlass zum Lehrplan Volksschule für die Sekundarschule – so genannte Stofflehrpläne – zu erarbeiten, welcher Grobziele, Themen und Inhalte [heutiger Lehrplanteil A] in Ergänzung zu den Kompetenzen im Lehrplan Volksschule Basel-Landschaft definiert [heutiger Lehrplanteil B] …».

Das AVS setzte bis heute diesen Auftrag nicht um. Es handelt sich hierbei um eine Ignoranz ohnegleichen. Offensichtlich ist die Macht des AVS derart gross, dass sowohl der Bildungsrat als auch die verantwortliche Regierungsrätin sich nicht durchsetzen können.

Jürg Wiedemann

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