Fast alle, die sich für Schule interessieren, kennen die Kolumnen von Alain Pichard und wissen in etwa, wo er steht. Weniger bekannt dürfte für viele Paul Watzlawick sein. Er gilt als einer der profiliertesten Sprachphilosophen des 20. Jahrhunderts. Ein wichtiges Buch trug den Titel «Anleitung zum Unglücklichsein».

In Anlehnung daran erstellt Pichard in seiner letzten Kolumne einen «Leitfaden für Lehrpersonen und Bildungsfachleute», gewissermassen als Hilfe zur Planung «möglichst erfolgloser Laufbahnkarrieren». In der Folge geht es aber nicht mehr um Watzlawick, sondern um die pichardsche Liste, die aufzeigt, wie die Pädagogik und die Schule alles macht, um zum «garantierten Misserfolg» zu kommen. Stichworte dazu: zu viel Lob, zuviel selbstorganisiertes Lernen, zu viel Gruppenarbeit, zu viel Texte in vereinfachter Sprache, keine traumatisierenden Noten (am besten gleich abschaffen, auch die Selektion), zu viel Frühfranzösisch, dafür ganz viel sonderpädagogische Massnahmen und Schulsozialarbeit usw. – Pichards Bezugnahme auf den (grossen) Paul Watzlawick geht so nicht: zu kurz geraten, darum auch zum Teil falsch, im Sinne Einsteins, der gesagt haben soll: «Sag alles so kurz wie möglich, aber nicht kürzer.» Die 5 Punkte empfinde ich – sowohl inhaltlich wie im Ton – als ironisierendes, unfaires Abstrafen all der Lehrerinnen, Lehrer, Pädagoginnen und auch Eltern, die sich mit ebenso grossem Engagement wie er für Kinder und Jugendliche einsetzen.
Dies stimmt mich traurig. Wir kennen uns seit 50 Jahren. Alain war einer meiner Schüler am Seminar. Als Lehrer war er Mitdenker, Mitentwickler von Lehrmitteln, aber auch heftiger Kritiker des Lehrplans 21. Zu Recht? Das sei dahingestellt. Lange kämpften wir – mit vielen anderen – für eine gerechtere und bessere Schule. Wer hat das Sagen, wie diese aussehen soll? Sie entwickelt sich weiter, nicht nur im Sinne von Pichard. Kontinuierlicher Dialog mit allen Betroffenen ist nötig. Watzlawick schrieb einmal diesen bedenkenswerten Satz: «Man kann nicht nicht kommunizieren.» In diesem Sinne, lieber Alain: Wir werden weiterhin miteinander reden.

