22. Juli 2024
Schulreformen in Deutschland

Dieser Staat erspart seinen Schülern kaum eine Verrücktheit

Der Niedergang des Bildungssystems schreitet stetig voran, sodass selbst der grüne Parteiadel seine Kinder lieber auf die Privatschule schickt. Die Erklärung für die Krise ist für viele aber nicht etwa der verloren gegangene Leistungsgedanke oder die Migration. Sondern “soziale Ungerechtigkeit”. Eine Kolumne von Harald Martenstein, die in der “Welt” erschienen ist.

Der Nationale Bildungsbericht gilt als die regelmäßige Bestandsaufnahme des deutschen Schulwesens. Dass es laut des neuesten Berichtes mit den Schulen weiter bergab geht, konnte eigentlich niemanden überraschen.

Diese Nachricht zu Wochenbeginn wurde denn auch mit der gleichen Routine zur Kenntnis genommen wie – andere Baustelle – die Tatsache, dass die Deutsche Bahn es sogar in der europaweit beobachteten Ausnahmesituation einer Fußball-EM nicht immer schafft, Fußballfans rechtzeitig zum Stadion zu bringen.

Gastautor Harald Martenstein

Jeder fünfte Viertklässler verfügt dem Bericht zufolge beim Lesen, Schreiben und Rechnen heute nicht einmal mehr über Grundkenntnisse. Wie diese Schüler so überhaupt in eine vierte Klasse gekommen sind, ist eine lange Geschichte, die unmöglich ohne die Formulierungen “Abschied vom Leistungsdenken” und “deutsche Bildungsreformen” auskommen kann.

Deutsche Schulen sind seit Jahrzehnten ein beliebtes Experimentierfeld des Sozialutopismus, ohne dass die bildungsbürgerlichen Milieus oder die völlig verschüchterten Unionsparteien dem nennenswerten Widerstand entgegengesetzt hätten. Erstere haben ihre Kinder seit einigen Jahren halt immer zahlreicher auf Privatschulen geschickt, sogar der grüne Parteiadel.

Die Noten wurden immer besser, gleichzeitig sank das Leistungsniveau.

 

Kaum eine Verrücktheit, die dieser Staat seinen Kindern erspart hätte – ein paar Beispiele: Rechnen ohne Zahlen, Schreiben nur nach Gehör und ohne Rechtschreibung, gemeinsame Klassen mit Kindern, die unter schweren Verhaltensstörungen leiden und Unterricht manchmal fast unmöglich machen.

Verpönte Stoppuhren an Sportfesten

Und Sportfeste, bei denen Stoppuhren verpönt sind, weil Leistung angeblich unwichtig und Wettbewerb menschenfeindlich ist. Die Noten wurden immer besser, gleichzeitig sank das Leistungsniveau. Parallel dazu verfielen vielerorts die Schulgebäude. In Berlin stürzte hin und wieder eines ein und wurde durch Container ersetzt, immerhin nicht durch Zelte. Lehrer fehlen vorne und hinten.

Und dann, als Krönung, setzte die Massenmigration in dieses ohnehin schon angeschlagene System ein, dies ausgerechnet mit besonderem Schwerpunkt auf Einwanderung aus Ländern, in denen Bildung einen geringen Stellenwert besitzt und Religion den höchsten. 2022 kamen 535000 Menschen zwischen sechs und 19 neu ins Land, 2012 waren es erst 114.000.

Inzwischen verlassen sieben Prozent ihre letzte Klasse ohne jeglichen Abschluss, und dies, obwohl Abschlusszeugnisse vermutlich noch nie so niederschwellig zu haben waren wie heute. Die Schulabbrecher sind dabei nicht einmal eingerechnet.

Und dann, als Krönung, setzte die Massenmigration in dieses ohnehin schon angeschlagene System ein, dies ausgerechnet mit besonderem Schwerpunkt auf Einwanderung aus Ländern, in denen Bildung einen geringen Stellenwert besitzt und Religion den höchsten.

 

Als die neuen Zahlen bekannt wurden, wussten viele Kommentatoren nämlich sofort, dass nur die “soziale Ungerechtigkeit” in einem der teuersten Sozialstaaten der Welt die Ursache seiner Bildungskatastrophe sein kann. Was helfen soll, sind immer nur die alten Rezepte, nur halt in höherer Dosis.

Ich denke mal, das Bildungskrisenmanagement könnte auf eine Vermögensabgabe, auf höhere Steuern, die Abschaffung der Gymnasien und aller Schulnoten sowie das allmorgendliche Hissen der Regenbogenfahne hinauslaufen, bei weiter zügig steigender Analphabetenrate. Bevor es besser wird, muss bei uns alles erst noch viel schlimmer werden.

Immer dunklere Wolken am deutschen Bildungshimmel

Ein Paradies der sozialen Gerechtigkeit müsste demnach die Zeit meines Großvaters gewesen sein, der vor 100 Jahren nur auf einer “Hilfsschule” war, also einer der heute verpönten Sonderschulen. Dort lernte er allerdings fehlerfreies Schreiben und Rechnen, auch dank seines Vaters, der Schriftsetzer war.

Gute Schüler mögen sich den schlechten anpassen, das ist die Idee

Ich glaube, dass für den Bildungserfolg vier ziemlich einfache Faktoren wesentlich sind: motiviertes Lehrpersonal in ausreichender Zahl, kleine Klassen, eine deutliche Mehrheit von Muttersprachlern und ein Elternhaus, dem Bildung wichtig ist. Wenn wenigstens drei dieser Faktoren stimmen, gelingt Bildung meistens, ein Ausfall lässt sich ausgleichen.

Kinder, bei denen zu Hause selten Deutsch gesprochen wird, brauchen Schulen, wo in der Pause deutsch die Umgangssprache ist.

 

Kinder aus bildungsfernen Familien zum Beispiel haben dann Chancen, wenn das schulische Umfeld stimmt, kleine Klasse, kein Stundenausfall, Förderkurse. Kinder, bei denen zu Hause selten Deutsch gesprochen wird, brauchen Schulen, wo in der Pause deutsch die Umgangssprache ist.

In Deutschland wird man statt auf guten Unterricht und realistische Migrationspolitik weiter auf Bildungsreformen setzen, fürchte ich. In Berlin fordern die Grünen als nächste Reform, die Hausaufgaben abzuschaffen. Mehr Freizeit sei wichtiger. Außerdem kümmern sich manche Eltern um die Hausaufgaben, andere nicht. Das sei sozial ungerecht. Deshalb macht womöglich bald keiner mehr welche. Gute Schüler mögen sich den schlechten anpassen, das ist die Idee.

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Ein Kommentar

  1. Gestern, Gymnasium Klasse 5. Schülerin soll “fae” zum englischen Wort face ergänzen.
    1. Versuch: faes
    Ich: face schreibt man mit einem c zwischen a und e
    Schülerin grübelt 20 s; geht das so? und schreibt dann ein z für das s
    Ich nein, das ist ein z. Wie geht ein c?
    S. grübelt noch mal 10 s, dann schreibt sie c anstelle von s
    Ich: So, und jetzt das c noch zwischen a und e.

    Und bei uns auf dem Land ist Migration keine Ausrede.

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