Philipp Tingler (NZZ): Alles im Jetzt?

Wir zitieren diese Gedanken aus einem bemerkenswerten Essay des schweizerisch-deutschen Schriftstellers Philipp Tingler. Der vollständige Text (Wird alles neu, oder bleibt alles wie früher?) ist am 21.10.2020 in der NZZ erschienen.

Vor der digitalen Ära äusserte sich die Fiktionsbedürftigkeit des kultivierten Menschen nicht zuletzt in der Orientierung an Vergangenheit und Zukunft. Die digitale Spätmoderne, in der wir leben, hingegen ist eine Kultur, die um einen Gegenwartspunkt kreist, die Aktualitätsspitze, das letzte Posting. Aber wer den Menschen stets im Hier und Jetzt haben will, muss ihn schliesslich als eine Art defizitäre Maschine betrachten, denn nur der Algorithmus ist stets im Hier und Jetzt. Der Mensch braucht das Schauen nach vorne und hinten, für die Möglichkeiten, sich der Differenz des Neuen zu öffnen.

Philipp Tingler in (NZZ, 21.10.20 aus “Wird alles neu, oder bleibt alles wie früher?” S. 32)

Philipp Tingler, 1970, schweizerisch-deutscher Schriftsteller und Literaturkritiker, lebt in Berlin.

 

 

 

Verwandte Artikel

Wer sich anstrengt, kann hier etwas erreichen

Ein Artikel aus dem Jahre 2006 machte den Condorcet-Autor Alain Pichard schweizweit bekannt. In der Weltwoche schrieben drei linke Lehrkräfte und er über die realen Probleme, welche die Schule mit der Integration fremdsprachiger Kinder bekundete. Er wurde zeitweise zum Buhmann der Linken. Der in einer Brennpunktschule in Biel tätige Lehrer bezeichnetete sich aber stets als “Anwalt der Migrantenkinder”. Er wolle, dass sie etwas lernen. Und das heisst “Fördern und Fordern”. 14 Jahre später scheint sich seine Überzeugung durchgesetzt zu haben. Zum Vorteil aller!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.