16. Januar 2026
Künstliche Intelligenz

“Müssen Jugendliche lernen”: Uralte Fähigkeit erlebt ein Comeback an Schulen

Immer mehr Schulen verändern den Unterricht, weil Schüler KI für Hausaufgaben nutzen. Ein Experte erklärt die Entwicklung in einem Online-Beitrag von tz.de (News aus München)

 

In Zeiten von ChatGPT und Co. schleicht sich eine fast vergessene Fähigkeit zurück in die Klassenzimmer – und könnte so manchen Schüler vor Probleme stellen. Jugendforscher Simon Schnetzer erklärt, warum Schulen jetzt umdenken müssen und was das für die Zukunft der Bildung bedeutet.

KI schreibt Hausaufgaben: 18-Jähriger beklagt sich im Netz

Künstliche Intelligenz hat längst Einzug in die Schulen gehalten. ChatGPT, Gemini und andere Tools können Schülern bei Zusammenfassungen helfen oder Grafiken für Referate erstellen. Doch viele Jugendliche gehen weiter: Sie lassen ganze Aufsätze von der KI schreiben. Das Problem: Wer sich auf die eigene Leistung verlässt, kommt kaum noch mit. “Leute wie ich, die keine KI benutzen, kommen im Unterricht nicht mehr hinterher”, klagt ein 18-Jähriger auf Reddit. Seine Mitschüler würden für KI-generierte Hausaufgaben top Noten kassieren – während er selbst den Anschluss verliert.

Genau diese Entwicklung macht Bildungseinrichtungen zu schaffen. Wie sollen Lehrkräfte noch erkennen, ob ein Text wirklich vom Schüler stammt? Der Jugendfoscher Simon Schnetzer geht davon aus, dass eine bestimmte Fähigkeit wieder stärker in den Fokus rücken wird: “Immer mehr Schulen, Universitäten und Ausbildungsstätten setzen wieder auf handschriftliche und mündliche Prüfungen”, erklärt er auf Linkedin. Plötzlich zähle wieder, “wie schön Jugendliche schreiben”. Für viele dürfte das eine Herausforderung werden: “Einige Jugendliche werden sich schwertun, die mit der Tastatur besser klarkommen als mit Füller und Kuli”, vermutet der Experte.

Jugendforscher Simon Schnetzer: “Es ist wahrscheinlich, dass ein gewisses Maß an handschriftlichen Prüfungen bleibt” (Bildquelle: www.simon-schnetzer.com)

KI wird Unterricht und Prüfungen verändern

Gegenüber der Frankfurter Rundschau von Ippen.Media stellt Schnetzer klar: “Ich sehe eher ein vorübergehendes Comeback der Handschrift, weil Hausarbeiten aktuell nicht sinnvoll geprüft und bewertet werden können”. Die Bildungswelt werde sich mit der KI weiterentwickeln und sowohl Unterricht als auch Prüfungen verändern. “Es ist aber wahrscheinlich, dass ein gewisses Maß an handschriftlichen Prüfungen bleibt”, so der Jugendforscher.

Einen kompletten Verzicht auf Künstliche Intelligenz im Unterricht hält Schnetzer für falsch. “Jugendliche müssen sogar lernen, gut damit zu arbeiten, um später erfolgreich zu sein”, betont er. KI verändere aktuell sämtliche Branchen und Berufe – junge Menschen nicht darauf vorzubereiten, wäre fahrlässig. Entscheidend sei aber, dass Jugendliche “nicht das Denken verlernen, sondern clever mit KI umgehen und Ergebnisse hinterfragen können”, sagt der Experte.

“Proben, Schulaufgaben, Feedback müssen neu gedacht werden.”

Simone Fleischmann, Präsidentin des Bayerischen Lehrerinnen- und Lehrerverbands

 

tz-Redaktorin Sophia Sichtermann

Wie lässt sich die Eigenleistung von Schülern künftig sicherstellen? Schnetzer schlägt eine Selbsterklärung zum Umgang mit KI vor. Zudem werde es mehr mündliche Prüfungen geben, in denen Jugendliche ihre Arbeiten präsentieren und verteidigen müssen. So lasse sich “sehr zuverlässig prüfen, ob die Inhalte bekannt sind, verstanden werden und weitergedacht werden können”, erklärt der Jugendforscher.

Auch Simone Fleischmann, Präsidentin des Bayerischen Lehrerinnen- und Lehrerverbands, sieht Handlungsbedarf: “Wir erkennen, dass sich die Lernwelt verändert hat”. Das müsse die Gesellschaft und die Politik verstehen. “Proben, Schulaufgaben, Feedback müssen neu gedacht werden”, fordert die Lehrerin, um auf den rasanten technologischen Wandel zu reagieren.

 

Legende Titelbild: Die analoge Handschrift könnte ein Comeback erleben, sagt ein Jugendforscher. (© IMAGO / YAY Images)

image_pdfAls PDF herunterladen

Verwandte Artikel

Operatives vom Prinzipiellen her denken

Bildungspolitisch Verantwortliche bestimmen die Strategie. Die „Frontleute“ setzen die Vorgaben um. In methodischer Freiheit. So will es die Theorie. Doch die pädagogische Wirklichkeit zeigt oft etwas anderes, schreibt Condorcet-Autor Carl Bossard.

Sorgenkind Mathematik

Matheunterricht, der in der Schule scheitert, hat schwerwiegende Folgen für Studiengänge in den Mint-Fächern. Diese werden oft abgebrochen. Olaf Köller, geschäftsführender wissenschaftlicher Direktor des Instituts für die Pädagogik der Naturwissenschaften in Kiel, zweifelt an der Analyse der 300 Mathematiklehrer, welche jene in ihrem Brandbrief darlegten (siehe Astrid Baumann). Sein Beitrag erschien erstmals in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (3.3.20).

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert