30. April 2026
Lehrmittel Passepartout

Vermisstenanzeige: Wer hat Madame Le Pape Racine zuletzt gesehen

Eine uns liebgewonnene Stimme scheint verstummt. Christine Le Pape, leidenschaftliche Verfechterin von Frühfranzösisch und Co-Autorin der Passepartpout-Lehrmittelreihe, hat immer reagiert, wenn wir kritische Voten gegen ihr Lebenswerk veröffentlicht haben. Nun soll das hochgelobte Mille Feuilles für das Desaster bei den ÜGK verantwortlich sein. Das finden wir nun wirklich etwas unfair.

Christine Le Pape: Es braucht eine Generation!

Madame Le Pape Racine war eine Mitarbeiterin der Lehrmittelreihe “Passepartout” und verteidigte diese bis zuletzt. So schrieb Sie am 28.10.2019 in der NZZ: “Es sind seit Jahrzehnten immer dieselben wenigen Personen, die gut mit politischen Milieus vernetzt sind (gemäss ihrer Website «Mitte-links»-Kreise), die sich in der Deutschschweiz gegen die Weiterentwicklung des Sprachenunterrichts wenden. Wenn das Lehrmittel inzwischen einen solch schlechten Ruf hat, wie sie behaupten, dann ist es zu einem grossen Teil ihr «Verdienst», denn die «regelrechte Protestwelle» durch die Kantone treten vor allem sie los.” Und am 19. Oktober 2022 warf sie dem Condorcet-Blog vor, falsche Behauptungen zu verbreiten und sagte “ihrem” Lehrmittel eine rosige und erfolgreiche Zukunft voraus.

Christine Häsler, Bildungsdirektorin: Schuld war das Lehrmittel.

Als Condorcet-Autor und Grossrat Pichard im kantonalen Parlament von Bern in einer Motion die Übeprüfung des Frühfranzösisch forderte, wehrte sich die bernische Bildungsdirektorin Christine Häsler unter anderem mit folgenden Worten gegen dieses Anliegen: “Wir wissen, worauf die schlechten Leistungen der Schülerinnen und Schüler beruhen. Schuld ist das Lehrmittel, das jetzt glücklicherweise überarbeitet wird.”

Mit dieser sprachpolitischen “Dolchstosslegende” versuchten die Bildungsdirektion und die Lehrerorganisation Bildung Bern, den Vorstoss zu bekämpfen. Es nutzte nichts. Die Motion wurde überwiesen und Frau Le Pape Racine verschwand und wurde seitdem nicht mehr gesehen.

image_pdfAls PDF herunterladen

Verwandte Artikel

Die Geschichte eines Sprechverbots: An der Uni wird wieder der bestraft, der anders denkt

Der Condorcet-Blog wurde seinerzeit gegründet, weil seine Initiatoren der Meinung waren, es werden in den Medien, in den PH’s, in der Verwaltung und in den Parteien nicht mehr alle Meinungen abgebildet oder zugelassen. Ausserdem würde sehr oft versucht, umstrittene Personen mit „Kontaktschuld“ und Etikettierung aus dem Diskurs fernzuhalten. Vier Jahre nach der Gründung unseres Bildungsblogs müssen wir feststellen, dass die Problematik der „Cancel culture“ um sich greift. Wenn verlangt wird, dass Professorinnen, die sogenannt missliebige Studien veröffentlichen, von ihrer Fakultät entlassen oder namhafte Wissenschaftler mit unpopulären Meinungen am Auftreten gehindert werden, müssen wir das klar benennen und uns dagegen wehren. Es widerspricht unseren Prinzipien einer offenen und freien Debatte. Von Anfang an suchten wir immer den Dialog mit Persönlichkeiten, die auch andere Überzeugungen haben und bemühten uns um das Prinzip „Rede und Gegenrede“. In keinem Milieu gedeiht die Einengung des Diskurses so prächtig wie an den Universitäten. Das Verrückte dabei ist: Niemand ist in Deutschland und in der Schweiz so abgesichert wie ein auf Lebenszeit berufener Hochschullehrer. Es kann ihm nichts passieren, wenn er sich querlegt oder einfach nur das macht, was er für richtig hält. Und dennoch ziehen alle sofort den Kopf ein, wenn Ärger droht. Jan Fleischhauer berichtet im Fokus von einem Fall an der Uni Erlangen.

2 Kommentare

  1. Ich habe sie zuletzt in einem Schnellzug von Vaduz nach Genf gesehen. Sie wollte dort einer lichtensteinischen Primarschulklasse in drei Stunden Französisch beibringen. Allerdings verliess sie den Zug völlig entnervt bereits in St.Gallen. Die Kinder waren danach von Kopf bis Fuss mit einer gelblich klebrigen Substanz verschmiert, als ob sie ein Bad in einer überdimensionierten Cremeschnitte genommen hätten. Ein Psychiater, der im gleichen Zug sass, meinte dazu, dass die Armen dieses Trauma wohl ihr Lebtag nicht verarbeiten könnten.

  2. Frau Le Pape ist gemäss Internet als Emerita immer noch aktiv als Beraterin für “Mehrsprachigkeit”. Sie weibelt für Sprachvergleiche und Strategien, versucht mit Umfragen zu belegen, dass Kinder damit besser lernen, obwohl internationale Forschung dies widerlegt hat. Lehrpersonen, die daran glaubten, hätten mehr Erfolg in ihrem Französischunterricht. Fast tragisch zu sehen, dass sie sich immer noch unverdrossen im Sattel hält, obwohl das Pferd unter ihr längst tot ist.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert