Kaum hat das Zürcher Stimmvolk die Lohnerhöhung für Lehrer abgelehnt, folgt die Reaktion des Lehrerverbands: Jetzt werde man das «Angebot reduzieren», Elterngespräche beschränken, Bürozeiten einführen oder Ausflüge und Klassenlager streichen. Man fragt sich, was sich der Lehrerverband von dieser Trotzreaktion erhofft. Dem Ansehen der Lehrer dürfte sie kaum zuträglich sein.

Phantasiezahlen vor und nach der Abstimmung
Die im Abstimmungskampf kolportierte «Gratisarbeit» von eineinhalb Stunden täglich (also eine wöchentliche Arbeitszeit von 47.5 Stunden) hat nicht verfangen. Kein Wunder: Die Angaben basierten einzig auf Selbstdeklaration von Lehrern – und zwar von Lehrern, die allesamt Mitglieder einer Gewerkschaft waren. Man hatte also die Klientel befragt, die ein direktes Interesse an einer hohen Zahl hatte und auch noch politisch genug tickte, um diese zu liefern.
Nun wird noch nachgelegt. Im «Tages-Anzeiger» behauptet der Vizepräsident des Zürcher Lehrerverbands, ein Lehrer arbeite im Schnitt sogar 50 bis 60 Stunden pro Woche. Solche Zahlen stellt man nur in den Raum, wenn man weiss, dass man sie nie beweisen muss.
Dafür stellt sich die Frage, wo sich diese ausserordentliche Arbeitsleistung eigentlich niederschlägt. Die Schülerleistungen beim Lesen, Schreiben und Rechnen geben auf jeden Fall wenig Anlass zu triumphaler Selbstgewissheit.
Dass der Lehrerverband nun öffentlich mit Abbau zulasten der Eltern und Schüler droht, zeigt, dass ihm neben Demut und Bescheidenheit auch strategisches Denken fehlt. Nun ist die nächste Lohnerhöhungsabstimmung nämlich bereits verloren, bevor sie lanciert wurde. Und der ohnehin strapazierte Ruf der Lehrerschaft hat weiteren Schaden genommen.

