28. Februar 2024

Rechtfertigt untenstehender Beitrag die Schlagzeile: Sexismus-Vorwürfe gegen St. Galler Schulleiterin?

Eine Leserin des Condorcet-Blogs las einen Artikel im Blick und stellte sich die Frage: Rechtfertigt dieser Bericht diese Titelsetzung? Die Redaktion gibt diese Frage an die Wissenschaft weiter.

Die Schulleiterin der Oberstufe Ost in St. Gallen räumt ihren Posten. Anfang April gab sie bekannt, dass sie nur noch zum Ende des Schuljahrs bleibt. Grund dafür sollen Differenzen mit dem Lehrerteam gewesen sein.

Erst kürzlich ereilte die St. Galler Schule Grossacker ein ähnliches Schicksal – im April kündigten 16 Lehrer wegen Konflikten mit der Leitung. So weit sollte es diesmal nicht kommen, dafür sorgte der Lehrerverband.

Der Schulleiterin der Oberstufe Ost soll zur Kündigung geraten worden sein, schreibt das «St. Galler Tagblatt». Demnach hatten Lehrer angekündigt, nicht «unter diesen Umständen» weiterarbeiten zu wollen. Was war passiert?

Die Liste der Vorwürfe ist lang. Beim Weihnachtsessen hatte die Schulleiterin keine Worte des Dankes für ihr Team übrig, steht in dem Schreiben der Lehrer, das dem «St. Galler Tagblatt» vorliegt.

Sie reagierte emotional und laut

«Bei unterschiedlicher Meinung fühlte sie sich sofort persönlich angegriffen», heisst es weiter. So seien Gespräche der Leiterin mit ihren Kollegen oft emotional aufgeladen und laut gewesen. Konstruktive Kritik und Verbesserungswünsche seien nie angenommen worden.

Zu wichtigen Terminen und Ereignissen fehlte die Schulleitung – oft auch kurzfristig. Und: «Sie hat aktiv die Spaltung der Oberstufe Ost betrieben.» So sei das Schulhaus Buchental dem Schulhaus Zil stets bevorzugt worden.

Immer wieder soll die Rektorin zudem im Lehrerzimmer sexistisch und abfällig über das Personal gelästert haben. «All das hat Respekt und Autorität zum grössten Teil verspielt», heisst es im Schreiben. Schliesslich wandten sich die Lehrer der Oberstufe Ost an den Lehrerverband.

Lehrer bleiben

«Wir haben schnell gemerkt, wie verfahren die Situation bereits ist, und dass der Fall zur Dienststelle Schule und Musik muss», sagt Tamara Wenzler, Präsidentin des Verbands, gegenüber dem «Tagblatt». Doch noch bevor die Streitschlichtung richtig beginnen konnte, kündigte die Schulleiterin.

Wie es jetzt an der Spitze weitergeht, ist unklar. Noch seien nicht viele Bewerbungen eingegangen, sagt Wenzler. Und: «Da kann ein Schulamt nicht sehr wählerisch sein.» (jwg)

Wir geben zu, dass wir uns – politisch vielleicht unkorrekt – sehr dafür interessiert hätten, wie denn diese Schulleiterin sexistisch gehandelt haben soll. Darüber erfährt man aber im Artikel nichts, trotz der reisserischen Titelsetzung. Aber vielleicht gilt allein schon “das laut Sprechen” und “die mangelnde Selbstkritik” als sexistisch, zumal wenn es einer Frau zugeschrieben wird.

 

Verwandte Artikel

Ende des Elitedenkens? Besser für Individuum und Gesellschaft

Erst haben niederländische Schulbehörden das Prädikat “exzellente Schule” aufgegeben. Jetzt schaffen immer mehr medizinische Fakultäten die Auszeichnung ab, weil sie Studierende ins Burn-out treibt. Wir bringen einen Beitrag von Stephan Schleim. Stephan Schleim ist studierter Philosoph und promovierter Kognitionswissenschaftler. Seit 2009 ist er an der Universität Groningen in den Niederlanden tätig, zurzeit als Assoziierter Professor für Theorie und Geschichte der Psychologie.

Ein Kommentar

  1. Es steht klar und deutlich geschrieben: 《Immer wieder soll die Rektorin zudem im Lehrerzimmer sexistisch und abfällig über das Personal gelästert haben. «All das hat Respekt und Autorität zum grössten Teil verspielt», heisst es im Schreiben.》
    Mehr Details verrät der Artikel nicht, doch Äusserungen dieser Art sollen offenbar öfters getätigt worden sein.
    Der Titel fokussiert darauf, obwohl noch andere, m. E. mindestens ebenso gravierende Fehlleistungen seitens dieser Schulleiterin zu verzeichnen waren. Insofern wäre eine andere Titelgebung wünschenswert gewesen. Fakt aber ist und bleibt: Die Amtsführung dieser Schulleiterin provozierte offenbar die letztlich unüberbrückbaren Differenzen. Ein Beispiel mehr zu solchem, durchaus bekanntem Verhalten nach dem Motto: Die Chefetage hat recht.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert