9. April 2026

Es muss was geschehen! Energiesparen mit Schulheizungen

Wieder einmal ein Schildbürgerstreich einer Schulverwaltung, davon berichtet unser Condorcet-Autor Alain Pichard

Alain Pichard, Lehrer Sekundarstufe 1, GLP-Grossrat im Kt. Bern und Mitglied der kantonalen Bildungskommission: Energiesparen in energetisch katatstrophalen Schulhäusern.

Tatort ein Oberstufenzentrum in Biel: Ich sass an meinem unterrichtsfreien Mittwoch in meinem Klassenzimmer am Lehrerpult und korrigierte die Praktikumsberichte meiner Schülerinnen und Schüler. Plötzlich traten zwei Männer in den Raum, die sich als Heizungsmonteure zu erkennen gaben und mich höflich informierten, dass sie hier den Auftrag hätten, die Heizungsregler zu plombieren. Der Auftrag käme von der Stadtverwaltung. Die Temperatur solle fortan nicht über 19 Grad steigen. Ich musste lachen und sagte, dass die Heizkörper ganz hier oben eh nicht richtig funktionierten und das Gebäude aus den 60er-Jahren energetisch komplett disfunktional sei. Einfachverglasungen, Fenster, die sich nicht richtig schliessen liessen, von der ungenügenden Fassadenisolation gar nicht zu sprechen. Und im Sommer, wenn es zu heftigen Gewittern käme, dränge durch die Ritzen sogar das Wasser ein, weshalb unser Hausdienst an den durchlässigen Stellen Kessel platzierte.

Den beiden Monteuren sah man an, dass ihnen die Angelegenheit unangenehm war. Sie entschuldigten sich mit den Worten: “Wir haben einen Auftrag!”

Es kam wie es kommen musste. Die Temperaturen sanken auf bis zu 15 Grad am Morgen. Lehrkräfte und vor allem die Schüler sassen mit Handschuhen und Jacken in den Stühlen. Es gab Proteste. Auch das vorwiegend links-grün eingestellte Kollegium begann sich zu nerven. Wie solle man so arbeiten können, lautete der Tenor. Aus verschiedenen Schulhäusern kamen ähnliche Meldungen. Die Schuldirektion lenkte ein. Sie schrieb den Schulleitungen einen Brief, in dem sie es zuliess, dass der Hausdienst in prekären Fällen nachbessern könne. In meinem Schulhaus stiegen daraufhin die Temperaturen wieder, nicht zuletzt deshalb, weil bei den Nachbesserungen herauskam, dass eine Heizungsleitung ohnehin schon defekt war.

Eine Stadt, die es nicht schafft, die dringend benötigten Sanierung der Stadtfinanzen in den Griff zu bekommen, hoffte, dafür an der Energiefront Sparerfolge zu erzielen. Da für die dringend benötigten Energiesanierungen nicht genügend Geld vorhanden ist, sollten Lehrkräfte und Schüler frieren, denn es muss doch was geschehen.

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Ein Kommentar

  1. Wie froh bin ich doch, dass ich dem Wahnsinn Staatsschule durch meine Pensionierung entkommen bin.
    Euch viel Kraft im Alltag…

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