18. August 2026

Nur schwache Männer essen Fleisch

Roland is back. Nach einer längeren Pause meldet sich der Condorcet-Autor und ehemalige SP-Grossratspräsident der Stadt Basel, Roland Stark, mit zwei starken Artikeln zurück. Hier ist seine Antwort auf die Studie von Joy Butler, Pädagogikprofessorin an der University of British Columbia, welche «Dodgeball», die amerikanische Variante unseres Völkerballs, als «legalisiertes Mobbing» und Mittel der «Unterdrückung» bezeichnet.

Roland Stark, ehem. SP-Parteipräsident der Sektion Basel-Stadt, Heilpädagoge: Habe mehr wegen der Kletterstange gelitten.

Um Klima und Gesellschaft zu retten, müssen Männer vegan leben und Schulen Völkerball verbieten. Letzteres gilt als «legalisiertes Mobbing». Über den grünen Verbotsfuror im Wahlkampfjahr.

Aus den Dunkelkammern der Wissenschaft dringen immer wieder merkwürdige Erkenntnisse ans Tageslicht. Die Forderung einer deutschen Soziologin nach gleichen Kleidern für Mann und Frau («Kartoffelsäcke») wurde schon kommentiert.

Männer wollen beweisen, wie stark sie sind.

Mit ähnlich absurden Beispielen lässt sich locker jedes Spätsommerloch füllen. Michael Rosenberger, ein fränkischer Moraltheologe und Professor an der Katholischen Privat-Universität Linz (A), hat endlich eine Erklärung für die männliche Schwäche für Fleisch gefunden. Ihr Verhaltensmuster stamme aus der Antike. «Sie wollen wie die germanischen Götter beweisen, dass sie stark und mächtig sind, indem sie beim Fleischverzehr ganz vorne dabei sind.» Mit moralischen Appellen sei dieser Un­sitte nicht beizukommen. Stattdessen «müssen wir Rollenbilder hinter­fragen: Kann ein starker, gestandener Mann vegetarisch oder fleischarm leben?»

Völkerball ist ein Mittel der «Unterdrückung»

In der Warteschlange an einem vom grünen Verbotsfuror bedrohten Grillstand habe ich bestimmt genügend Zeit, über diese Grundsatzfrage nachzudenken und mit anderen Männern – und Frauen – Erfahrungen auszutauschen. Immerhin weiss ich jetzt, dass meine Liebe zur senffreien St. Galler Bratwurst nicht auf die Eltern, sondern auf den Göttervater Odin und seine Gemahlin Frigg ­zurückzuführen ist. Nun setzt eine brandaktuelle Untersuchung auch noch meine Verdienste als Turnlehrer (politisch korrekt: Turnkraft/Turn­person) ins Zwielicht. Joy Butler, Pädagogikprofessorin an der University of British Columbia, bezeichnet «Dodgeball», die amerikanische Variante unseres Völkerballs, als «legalisiertes Mobbing» und Mittel der «Unterdrückung».

Selbstverständlich gibt es in den USA bereits Schulen, die das Spiel, im Gegensatz zu Schusswaffen, aus dem Unterricht verbannt haben.

Statt als «Lehrperson» den Kindern und Jugendlichen beizubringen, Aggressionen zu kontrollieren, habe ich mit Völkerball ihre Gewaltbereitschaft gefördert. Die Schwachen und Langsamen sind in diesem brutalen Spiel den Starken und Flinken ­hoffnungslos unterlegen. Völkerball vermittle die Botschaft, lerne ich beschämt bei der klugen Feministin, «dass es okay ist, den anderen zu verletzen und zu entmenschlichen». Selbstverständlich gibt es in den USA bereits Schulen, die das Spiel, im Gegensatz zu Schusswaffen, aus dem Unterricht verbannt haben.

Für die Forschung und die Basler Politik gibt es noch viel zu tun. Heraus­gefordert sind die Pädagogische Hochschule, das Sportamt, das ­Gleichstellungsbüro und vor allem sendungsbewusste Grossrätinnen im Wahlkampfmodus.

Bei mir sind die psychischen Verletzungen, die ich bei Völkerball oder auch Brennball erleiden musste, recht gut verheilt. Gequält wurde ich ­ohnehin eher beim Stangenklettern, bei Liegestütz oder beim Sprung vom 10-Meter-Brett in den Bodensee. Für die Forschung und die Basler Politik gibt es noch viel zu tun. Heraus­gefordert sind die Pädagogische Hochschule, das Sportamt, das ­Gleichstellungsbüro und vor allem sendungsbewusste Grossrätinnen im Wahlkampfmodus.

image_pdfAls PDF herunterladen

Verwandte Artikel

“Meine Kinder haben in der Schule kaum gelesen” (Bärfuss)

Die Primarschule steckt in Atemnot. Alles ist wichtig geworden. Doch für das zukunftsfähig Wichtige fehlt vielfach die Zeit. Gleichzeitig verliert sich der Bildungsdiskurs in Oberflächenphänomenen. Eines kommt kaum zur Sprache: wirksames Lernen. Plädoyer für eine (Rück-)Besinnung aufs Unterrichten von Condorcet-Autor Carl Bossard.

Verpflichtender Sprachunterricht, Obergrenze für Ausländer pro Klasse, weniger “woke”

Die Bildungspolitik erlebt bereits jetzt den Hauch eines wertkonservativen Backlashs. Die Volkspartei stellt in einem neuen Papier jedoch weitergehende Forderungen auf. Dieser Beitrag ist zuerst in der Neuen Zürcher Zeitung (NZZ) erschienen. Die Redaktion des Condorcet-Blogs hat sich lange überlegt, ob sie diesen Beitrag veröffentlichen will. Zwar enthält das Bildungspapier der SVP durchaus diskussionswürdige Forderungen, ist aber – wie es Masterpläne so in sich haben – in Teilen unrealistisch und mit der entgegengesetzten Wunschprosa durchsetzt, wie sie in den Aussagen ähnlicher Manifest der Bildungsnomenklatura vorkommen. Als Diskursblog wollen wird den Faden aufnehmen und in den nächsten Tagen weitere Reaktionen zu diesem Bildungskonzept veröffentlichen.

1 Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert