28. November 2021

Kompetenzlyrik im Lehrplan 21 – eine Realsatire

Von einer Kindergärtnerin erhielten wir die Kompetenzformulierungen des Zyklus 1 für Kindergarten und Unterstufe. Die untenstehenden Kompetenzen sollen Kinder am Ende des 1. Zyklus können. Die Redaktion des Condorcet-Blogs schaltet diesen Beitrag unter der Rubrik Realsatire auf.

  1. Zyklus (Kindergarten und Unterstufe)
    Die folgenden Kompetenzformulierungen sind den Kompetenzstufen a und b zugeordnet, sollten also bereits im Kindergarten aufgebaut werden.

Natur, Mensch, Gesellschaft

NMG 3.4

Sch. können Nüsse knacken.

Die Schülerinnen und Schüler können Stoffe bearbeiten, verändern und nutzen.

  • können Objekte und Stoffe angeleitet bearbeiten (z.B. Nüsse knacken, mahlen; Farb- und Aromastoffe aus Teeblättern lösen).
  • können Objekte und Stoffe bearbeiten oder verändern und über das Verfahren berichten
    (z.B. Fruchtsaft pressen, aus Rahm Butter schlagen, Wachs schmelzen und Kerzen ziehen).

 

NMG 4.3

Die Schülerinnen und Schüler können optische Phänomene erkennen und untersuchen. 

  • können verschiedene Lichtquellen unterscheiden und benennen (z.B. Sonne, Lampe, Scheinwerfer, Kerze, Feuer).

Musik

MU 1.B.1

Die Schülerinnen und Schüler können ihre Stimme und deren klanglichen Ausdruck wahrneh- men, entwickeln und formen.  

  • können lautmalerisch mit Silben und Nonsenssprache spielen.
Sch. können ein Musikereignis hörend dem jeweiligen gesellschaftlichen Anlass zuordnen.

MU 2.C.1

Bedeutung und Funktion von Musik

Die Schülerinnen und Schüler können verschiedene Bedeutungen, Funktionen sowie emotionale und physische Wirkungen von Musik in ihrem Umfeld, in der Gesellschaft und in den Medien erfassen.  

  • können ein Musikereignis hörend dem jeweiligen gesellschaftlichen Anlass zuordnen (z.B. Zirkus, Fasnacht, Besinnung, Konzert).
  • können durch Musik ausgelöste Stimmungen wahrnehmen und dabei entstehende Gefühle zulassen und sichtbar machen (z.B. fröhlich, ausgelassen, wütend, melancholisch).
Kinder können schnell laufen.

Bewegung und Sport

SP 1.A.1

Laufen, Springen, Werfen

Die Schülerinnen und Schüler können schnell, rhythmisch, über Hindernisse, lang und sich orientierend laufen. Sie kennen die leistungsbestimmenden Merkmale und wissen, wie sie ihre Laufleistungen verbessern können. 

  • können schnell laufen (z.B. Fangspiele, auf ein Signal weglaufen).
  • können auf den Fussballen schnell laufen.

SP 3.A.1

A | Körperwahrnehmung

Die Schülerinnen und Schüler können ihren Körper wahrnehmen, gezielt steuern und sich in der Bewegungsausführung korrigieren.  

  • können die Umwelt und sich mit verschiedenen Sinnen wahrnehmen (z.B. taktil, kinästhetisch, vestibulär) sowie Körperteile unterscheiden und benennen.

SP 5.1

Gleiten, Rollen, Fahren

Schülerinnen und Schüler können rutschen.

Die Schülerinnen und Schüler können verantwortungsbewusst auf verschiedenen Unterlagen gleiten, rollen und fahren.

  • können in einer geschützten, sicheren Umgebung auf Rollgerätenfahren (z.B. Rollbrett).
  • können in verschiedenen Körperpositionen rutschen (z.B. auf Rutschbahn).
  • können mit gleitenden Geräten kontrolliert rutschen (z.B. Teppichresten, Plastiksack, Tellerschlitten).
  • können sich bei unterschiedlicher Witterung und Bodenbeschaffenheit sicher in der Natur bewegen.

Deutsch D.2.A.1

A | Grundfertigkeiten

Die Schülerinnen und Schüler verfügen über Grundfertigkeiten des Lesens. Sie können ihren rezeptiven Wortschatz aktivieren, um das Gelesene schnell zu verstehen.

  • können Piktogramme und einfache Wortbilder aus ihrem Alltagsleben wieder erkennen (z.B. Migros, Coop, Volg, Coca Cola).

Bildnerisches Gestalten BG 2.C.1

Bildnerische Verfahren und kunstorientierte Methoden

Die Schülerinnen und Schüler können die Wirkung bildnerischer Verfahren untersuchen und für ihre Bildidee nutzen.

  • können rhythmisch, linear und flächig, kritzelnd und wischend, klecksend und schmierend zeichnen und malen.
  • können durch additives Aufbauen und freies Formen modellieren und durch Verbinden, Schichten und Spannen bauen und konstruieren.

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Tendenzen, die in der Schweiz noch eher zögerlich wahrgenommen werden, prägen in unserem nördlichen Nachbarland die Gymnasiallandschaft massiv. Es geht um die hohe Abiturquote, um Notendumping und den Universitätszugang. Josef Kraus, Pädagoge und Psychologe, war von 1987 bis Juni 2017 Präsident des Deutschen Lehrerverbandes. Es ist sein 2. Beitrag für den Condorcet-Blog.

1 Kommentar

  1. Die zitierten Abschnitte zeigen, wie der Kindergarten die Funktion übernimmt, die einst Prometheus zukam, dem wahren Erfinder der Kompetenzen: “Prometheus…formte aus Ton ein Gebilde nach dem Ebenbild der Götter… So entstanden die ersten Menschen… Lange aber wussten sie nicht, wie sie sich ihrer edlen Glieder und des empfangenen Götterfunkens bedienen sollten. Sehend sahen sie umsonst, hörten hörend nicht; wie Traumgestalten liefen sie umher und wussten sich der Schöpfung nicht zu bedienen. Unbekannt war ihnen die Kunst, Steine auszugraben und zu behauen, aus Lehm Ziegel zu brennen… planlos war alles, was sie verrichteten. Da nahm sich Prometheus seiner Geschöpfe an; er lehrte sie den Auf- und Niedergang der Gestirne beobachten, erfand ihnen die Kunst zu zählen, die Buchstabenschrift;…” (Gustav Schwab, Sagen des klassischen Altertums, 1. Band)

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