19. Januar 2021

Geschichtsvergessenheit als Programm

Ein Artikel von Condorcet-Autor Hanspeter Amstutz zum Geschichtsunterricht (NZZ 2.7.19) regte unseren Condorcet-Autor Carl Bossard zu einem Leserbief an. Wir veröffentlichen ihn gerne.

Bild: fabü
Bild: fabü

Wer mit jungen Menschen zu tun hat, weiss um ihr historisches Interesse und erlebt, wie sie sich für Zeiten und Kulturen faszinieren lassen. Er kennt ihren Wunsch nach Verstehen eigener und fremder Welten. Doch die Sachkenntnis ist klein, das Wissen um Zusammenhänge bescheiden. Wegschauen ist keine Lösung; die Schule müsste Gegensteuer geben. Stattdessen schafft sie Geschichte als Fach ab (redaktioneller Einschub: NZZ, 2.7.2019). Sobald aber eine Disziplin als eigenständiger Bereich verschwindet, verschwindet auch der Inhalt. In den Köpfen der Kinder sowieso. Stattessen gibt es nun Sammelfächer wie „Natur, Mensch, Gesellschaft“ (NMG). Doch vor einem solchen Sammelsurium warnte der renommierte Entwicklungspsychologe Franz E. Weinert, auf den sich der ganze Lehrplan 21 beruft: „Fächer sind als Wissenssysteme unerlässlich für kognitives Lernen. Es gibt überhaupt keinen Grund für einen heterogenen Fächer-Mischmasch.“ Das progressive deutsche Bundesland Hessen schaffte das Schulfach Geschichte vor einigen Jahren ab und führte es in der Zwischenzeit wieder ein – durch Aktualität eines Besseren belehrt. Wann folgt die Schweizer Bildungspolitik?

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Fast die Hälfte der Hochschulforschung wird über Drittmittel finanziert. Der Großteil der wissenschaftlichen Mitarbeiter hat befristete Arbeitsverhältnisse. Diese Kombination behindere die Forschungsfreiheit, denn abhängige Wissenschaftler neigen zur Selbstzensur. Dies ist die Schlussfolgerung einer Analyse von Dr. Sandra Kostner von der PH-Schwäbisch-Gmünd, die zuerst im Deutschlandfunk erschienen ist. Condorcet-Autorin Regula Stämpfli hat ihn uns zugeschickt.

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