6. Dezember 2022


Kritik an den Fachhochschulen – Lehrer fordert: «Das Aufgabenfeld der Pädagogischen Hochschulen soll zusammengestrichen werden»

Jürg Wiedemann ist im Kanton Baselland eine polarisierende Persönlichkeit. Seine von ihm gegründete «Starke Schule beider Basel» (SSbB) hat es immer wieder geschafft, relevante bildungspolitische Fragen aufs Tapet zu bringen. Mit Vorstössen, Initiativen und Referenden hielt die SSbB die Behörden in Baselland auf Trab und gewann – dies im Gegensatz zu verwandten Organisationen in anderen Kantonen – die Mehrheit ihrer Abstimmungen. Alina Isler, die in der SSbB angestellt ist, schreibt als Autorin für unseren Blog. Nun hat Jürg Wiedemann dem Nebelspalter ein brisantes Interview gegeben. Es geht um die PHs und den Zwecke der Lehrerbildung.

Die Lehrer flüchten nicht aus dem Beruf

Es ist eine viel kolportierte Meinung – auch auf unserem Blog –, dass viele Lehrkräfte ihren Beruf an den Nagel hängen und aussteigen. Eine Längsschnittanalyse im Bildungsbereich über den Verbleib der Lehrkräfte an der obligatorischen Schule des Bundesamtes für Statistik (Oktober 2022) zeigt nun, dass von einer Flucht aus dem Schuldienst nicht die Rede sein kann. Die Lehrkräfte scheinen ihrem Beruf ziemlich treu zu bleiben. Einzig bei den über 55-Jährigen ist die Austrittsquote höher. Lesen Sie hier die Zusammenfassung.

Der neue Lehrplan: Hehre Bildungsziele

Dominic Iten setzt sich in seinem Bericht mit den hehren Zielen des Lehrplans 21 auseinander und konfrontiert diese mit den in der Praxis eingesetzten Lehrmitteln. Eine Fallstudie mit Durchblick.

Warum eigentlich erst jetzt? Ein Kommentar zur Basler Förderklassen-Initiative

Neben dem Lehrpersonenmangel stellte diesen Sommer die basel-städtische Förderklassen-Initiative den Schwerpunkt medialer Berichterstattung zu schulischen Themen in der Nordwestschweiz dar. Das Initiativkomitee fordert die Schaffung «heilpädagogisch geführter Förderklassen» für «Schülerinnen und Schüler, die kleinere Lerngruppen benötigen oder wegen ihres auffälligen Verhaltens nicht in eine Regelklasse integriert werden können». Kurzum: Es geht um eine Renaissance der (in Baselland trotz integrativer Schule nie abgeschafften) Kleinklassen. Dieser Begriff jedoch scheint in der Stadt als derart toxisch klassifiziert zu sein, dass er partout umschifft wird. Roger von Wartburg, Vorstandsmitglied des LVB und Sekundarlehrer, erinnert sich.

Hauptsache Studium? Diese Ausbildungsberufe bringen deutlich mehr Lebenseinkommen

In Deutschland wollen immer mehr junge Menschen studieren. Sie versprechen sich davon höhere Gehälter in ihrem Arbeitsleben. Doch das ist nicht garantiert. Eine Studie kommt jetzt zu erstaunlichen Ergebnissen, die das Zeug haben, die Berufswünsche einer ganzen Generation zu beeinflussen. Ein Bericht des WELT-Journalisten Daniel Eckert.

Ökonomisierte Bildung – Überlegungen zu neoliberalen Bildungsreformen und ihren Folgen

Der Condorcet-Blog ist ein Diskursblog, der von linken, liberalen und konservativen Persönlichkeiten gemeinsam betrieben wird. Es freut uns daher sehr, dass wir mit Dominic Iten einen pointiert linken Bildungsfachmann als Autor aufschalten dürfen. Seine Analysen des Ist-Zustands werden wohl auf viel Zustimmung stossen. Bei der Ursachenforschung dürfte es auch Widerspruch geben. Der WOZ-Journalist und Widerspruch-Herausgeber sieht die Anfänge der Ökonomisierung unserer Bildungslandschaft in den USA.

Note «ungenügend»: Das bürgerliche Versagen in der Bildungspolitik

Die FDP fordert massive Verbesserungen an den Schulen. Und will damit wettmachen, was unter ihr – und der Schwesterpartei LDP – im Desaster geendet hat. Ob das gelingt? Daran darf man zweifeln. Ein Beitrag von Sebastian Briellmann in der BAZ.

Frühfranzösisch: Ein Amoklauf im bildungspolitischen Zentralmassiv

Zugegeben, es ist über weite Tele nicht neu, was Condorcet-Autor Alain Pichard zum Frühfranzösisch schreibt. Aber es handelt sich um eine kompakte Zusammenfassung eines kolossalen Irrtums, den die Verantwortlichen nun mit noch mehr Geld und Nachbearbeitungen korrigieren wollen. Sieht so die evidenzbasierte Bildungspolitik aus?

Marc Bourgeois: «Kein Politikbereich ist so unehrlich wie die Bildungspolitik»

Nachdem die FDP lange Zeit den Pädagogen vertraut hat, regt sich in immer mehr Kantonen Widerstand gegen die pausenlosen Bildungsreformen in der Volksschule. Viele Politiker stellen ernüchtert fest, dass die versprochenen Ziele niemals erreicht wurden und dafür ständig noch mehr Mittel gefordert werden.
Wir veröffentlichen hier ein aufschlussreiches Interview mit dem freisinnigen Zürcher Kantonsrat Marc Bourgeois, der in Zürich die Bildungsdirektion mit Vorstössen zu Lehrmitteln, Lehrkräftemangel, Kindergarten usw. auf Trab hält. Dieses Interview ist von Daniel Wahl, Journalist im Nebelspalter, geführt worden.

Klassische Klassen haben ausgedient

Bis 2010 wurden Klassenräume nach Maßen gebaut, die noch von Kaiserin Maria-Theresia festgelegt worden waren. Ab dem nächsten Schuljahr sollen neue Lehrpläne in Kraft treten, die ganz auf neue pädagogische Konzepte setzen, die sich in den alten Gebäuden nicht umsetzen lassen – Stichwort Projektgruppen. Schularchitektur rückt deshalb in den Fokus. Für Kritiker der neuen Bildungsreformen ein Fingerzeig, dass die umstrittenen Elemente nun auch in der Architektur ihre Vollendung finden sollen. Wir bringen einen ziemlich euphrischen Beitrag des ORF-Journalisten Nicola Eller.