Dass die Zürcher Lehrerschaft nach dem wuchtigen Nein vom letzten Sonntag zum neuen Berufsauftrag frustriert ist, ist verständlich: Wer hätte nicht gerne mehr Zeit oder Geld für seine Arbeit? Dass einige ihrer Exponenten ihrem Ärger nun Luft machen, indem sie mit dem Abbau von Ausflügen oder mit Elternarbeit drohen, wirkt hingegen unreif. Solche Reaktionen treffen ihre potenziell engsten Verbündeten: Kinder und Eltern, denen eine gute Schule am Herzen liegt. Und sie torpedieren das wichtigste pädagogische Gut, die Beziehungsarbeit.
Die Reaktion der Lehrervertreter deutet auf ein Gefühl der Ohnmacht gegenüber einer politischen und gesellschaftlichen Entwicklung, die den Schulen immer mehr Aufgaben aufbürdet. Mangelnde Selbstwirksamkeit nennt sich das. Diese kann sich in destruktivem Verhalten entladen. Um ihre Selbstwirksamkeit wiederzuerlangen, sollten sich die Lehrer und ihre Gewerkschaft auf den Kampf gegen die wirklichen Probleme konzentrieren: Kleinspensen, Koordination, Integration, Administration. Alles andere ist kontraproduktiv. Und es schadet ihrem Image.

