17. Januar 2022

Unsere Autorinnen und Autoren empfehlen: Buchtipps zum Jahreswechsel 3. (und letzter Teil)

Mit den Buchtipps 9 und 10 beenden wir unsere Serie zum Jahreswechsel. Wir hoffen natürlich, dass sich unter diesen Vorschlägen etwas Passendes für Sie, liebe Leserinnen und Leser, gefunden hat.

Tipp 9: Raus aus der Ohnmacht Das Konzept Neue Autorität für die schulische Praxis

von Haim Omer / Regina Haller

Ruth Wiederkehr, Schulleiterin: Wichtig ist die positive Haltung.

Dieses Buch bietet Schulen, Lehrpersonen, Schulleitungen, aber auch Eltern eine handlungsorientierte Grundlage, um in schwierigen Situationen mit Schülerinnen und Schülern gezielter reagieren zu können. Das wichtigste Prinzip der Neuen Autorität ist für mich, dass Haim Omer betont, dass nur eine positive Haltung gegenüber den Schülerinnen und Schülern Veränderungen bewirken kann, so schwierig das Verhalten auch sein mag. Dazu kommt als weiteres wichtiges Mittel, dass Lehrpersonen nicht mehr allein gelassen werden, sondern dass sie sich regelmässig austauschen, dass über Probleme mit Schülerinnen und Schülern während des Unterrichts oder der Pausen gesprochen wird, dass eine gemeinsame Haltung da ist. Ganz wichtig, um während der unmittelbar schwierigen Situation richtig reagieren zu können, ist die Präsenz im Klassenzimmer sowie im Schulhaus und auf dem Pausenplatz, eine Präsenz, die die Schülerinnen und Schüler spüren. Sie merken, dass die Aufmerksamkeit der Lehrperson auf ihnen ruht. Das Eisen zu schmieden, so lange es kalt ist, ist ein weiteres sehr wichtiges Mittel. Die Lehrperson erklärt der Schülerin, dem Schüler, dass sein Verhalten nicht in Ordnung sei und dass sie sich jetzt überlegen werde, was zu tun sei.

Ich denke, dass dieses Buch allen an der Schule Beteiligten helfen kann. Es ist keine Bibel, aber es bietet viele Möglichkeiten und Ideen, die uns in schwierigen Situationen weiterhelfen können.

Ruth Wiederkehr

Tipp 10: Osamu Dazai: No longer human

Kayla Strazza, Gymnasiastin in Biel: Eines der wichtigsten literarischen Werke Japans.

Gegliedert in drei Notizbüchern und einem Prolog sowie Epilog, verfasst von einem anonymen Erzähler, stellt «No longer human» die Geschichte von Ōba Yōzo dar, welcher in die privilegierte Oberschicht hineingeboren wird. Da er sich aber der Menschheit gegenüber schon seit seiner Kindheit fremd fühlt, setzt er sein Leben lang eine Fassade auf, spielt den «Clown», um nicht von seinen Mitmenschen durchschaut zu werden, was schliesslich zur Zerstörung seiner Moral und seines Charakters führt und die Frauen in seinem Leben mit ihm ins Verderben stürzt.

Übersetzt aus dem Japanischen lautet der Titel „Vom Menschsein disqualifiziert“. Die Bedeutung dieser Aussage wird im Laufe des Romans immer klarer, als sich Yōzo weiter in seine aufgesetzte Rolle hineinsteigert, was zu einer inneren Einsamkeit und zu einer ständigen Paranoia führt.

Die Verwendung unterschiedlicher Stilmittel im Verlauf des Romans verstärkt die Authentizität der Geschichte, ebenfalls wie einige Teile der Handlung, die aus Osamu Dazais persönlichem Leben stammen, beispielsweise eine Tablettensucht.

Der Roman behandelt auf erschreckend ergreifende Weise die Frage, was es bedeutet, Mensch zu sein, verpackt in Yōzos eigener Suche nach Menschlichkeit. Auch wird der Versuch des Individuums, sich in eine normalisierte Gesellschaft einzufügen, behandelt, was diese Geschichte zeitlos und zu einer der wichtigsten literarischen Werke Japans macht.

Kayla Strazza

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