12. Februar 2026
Interview mit Brandenburgs Bildungsminister Freiberg (SPD)

“Wir wollen verzichten auf Gespräche, die nur stattfinden, um sie abzuhaken”

Das deutsche Bundesland Brandenburg hat eine kleine Umverteilung der Lektionen bzw. Aufgabenverteilung für Lehrerinnen und Lehrer vorgenommen. Dies soll den Lehrkräften eine gewisse Entlastung verschaffen. Der brandenburgische Bildungsminister Steffen Freiberg betont in einem Interview mit rbb aktuell, die meisten Vorschläge kämen von der Lehrerschaft selber.

 

rbb: Ab heute müssen Lehrkräfte in Brandenburg eine Stunde mehr in der Woche unterrichten. Sie werden im Gegenzug von Aufgaben entbunden, die auch pädagogisch sinnvoll sind – zum Beispiel von einem Teil der Elterngespräche oder Facharbeiten. Ist der Preis für diese Stunde mehr Unterricht möglicherweise zu hoch?

Steffen Freiberg: Das würde ich nicht sagen. Wir haben sehr genau abgewogen und wir haben uns vor allen Dingen darauf gestützt, was uns die Expertinnen und Experten aus der Fachwelt gesagt haben. Es gefällt nicht allen, das sei zugestanden, aber die meisten Vorschläge, die wir jetzt hier umgesetzt haben, die kommen von Lehrerinnen und Lehrern.

rbb: Also ist auszuschließen, dass es auch Qualitätsverluste gibt durch die Entlastungen?

Steffen Freiberg: Ich gebe Ihnen ein Beispiel, Sie hatten es ja angesprochen: Elterngespräche. Die Verpflichtung fällt weg, aber wenn die Eltern oder die Lehrkraft darauf besteht, das Gespräch durchzuführen, dann wird es weiterhin durchgeführt. Auf Gespräche, die nur noch stattfinden, weil man sie auf einem Blatt Papier abhaken muss, wollen wir verzichten. Nur ein Beispiel.

Christoph Hölscher, Redaktor bei rbb aktuell

rbb: Aber viele dieser Dinge, die jetzt eingeschränkt oder abgeschafft werden, wurden ja aus bestimmten Gründen auch mal eingeführt. Wie kann man sich denn ohne Qualitätsverlust davon wieder trennen, wie zum Beispiel von Facharbeiten in der 9. Klasse, zentralen Prüfungen in der 10. Klasse oder eben von einem Teil der Elterngespräche?

Steffen Freiberg: Bei den Facharbeiten hat es langjährige Forderungen aus weiten Teilen der Belegschaft gegeben, am Bewertungsmodus etwas zu ändern. Mit KI ist dort noch mal ein ganz anderer Zugzwang reingekommen, weil in vielen Teilen nicht mehr zu unterscheiden ist zwischen dem, was die Maschine macht, und dem, was die Kids dort selbst abliefern. Das ist für die Pädagoginnen und Pädagogen eine große Herausforderung und einer der wesentlichen Gründe, uns da für die Abschaffung zu entscheiden.

rbb: Sie haben eben schon angedeutet, dass zum Beispiel Elterngespräche trotzdem geführt werden können, wenn die Lehrer es für nötig halten. Führt das dann nicht zu unbezahlter Mehrarbeit, wie es Lehrerverbände und -gewerkschaften befürchten?

Steffen Freiberg: Also auf der einen Seite sagt man, es werden Sachen abgeschafft, die pädagogisch sinnvoll sind. Auf der anderen Seite sagt man, es ist Mehrarbeit. Das kann ich ehrlicherweise so nicht zusammenbringen.

Die nach wie vor steigenden Schülerzahlen in Brandenburg werden dadurch nicht kompensiert. Aber im Großen und Ganzen geht es auf.

 

rbb: Wenn die Lehrer zusätzliche Elterngespräche freiwillig machen, dann führt das doch zu unbezahlter Mehrarbeit, oder?

Steffen Freiberg: Also, der Lehrerberuf ist einer der schönsten und ganz besonderen Berufe, was die Arbeitszeitgestaltung angeht. Ein Großteil der Arbeitszeit wird berechnet über die Unterrichtsverpflichtung. Und daneben gibt es einen Anteil, der mit all dem zu tun hat, was ringsum zu leisten ist durch Lehrerinnen und Lehrer. Was jetzt geschehen ist: Wir haben in diesen Anteilen 45 Minuten – also eine Unterrichtsstunde – von dem einen Teil in den anderen verschoben. Nicht mehr und nicht weniger.

rbb: Ziel der zusätzlichen Stunde Unterricht soll sein, den Abbau von 445 Lehrerstellen zu kompensieren. Gelingt das?

Freiberg: Rechnerisch geht es gut auf. Wir müssen natürlich alle Stellen besetzen und zur Wahrheit gehört auch: Die nach wie vor steigenden Schülerzahlen in Brandenburg werden dadurch nicht kompensiert. Aber im Großen und Ganzen geht es auf.

rbb: Vielen Dank für das Gespräch.

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