9. April 2026
Grosse Denkerinnen und Denker

Philipp Wampfler – der Sportsoziologe über Norwegen

Wir lieben ihn einfach, unseren pädagogischen Tausendsassa, der uns immer wieder verzückt. Auf LinkedIn publizierte Philipp Wampfler eine seiner gewagten Thesen: Die norwegische Medaillenhamsterei hänge mit dem Schulsystem zusammen, das keine Noten, Vergleiche oder Trennungen kenne. So schaffte es der beeindruckende Denker zum zweiten Mal in unsere Rubrik “Grosse Denker und Denkerinnen” aufgenommen zu werden. Zur Erinnerung: Seine erste Nominierung erhielt er, als er verkündete, Friedrich Dürrenmatts “Alte Dame”nicht mehr lesen zu lassen. Der Grund: Es komme in dem Stück mehrfach das Wort “N” vor.

Philippe Wampfler: Norwegen macht es vor!
Photo: Florian Bachmann

Norwegen feiert an den olympischen Spielen grosse Erfolge. Ein Faktor, der diese Leistung begünstigt: Norwegen verzichtet bei Unter-13-Jährigen auf Ranglisten, Resultate und selektive Auszeichnungen. Daraus lässt sich eine Erkenntnis für die Schule ableiten.

 

22.2.2026

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4 Kommentare

    1. Ja, absolut zum Lachen.
      Und Rang 2 im Medaillenspiegel hat die Schweiz, wenn man die Medaillen pro Kopf ausrechnet. Noch haben wir Noten.
      Für eine ernsthafte Studie müssten natürlich alle teilgenommenen Länder auf die Merkmale Medaillen pro Kopf und Schulnoten ja/nein untersucht werden.

  1. Wie schaffen es Leute, die Korrelationen nicht von Kausalitäten unterscheiden können, in der akademischen Welt so weit nach oben?

    .

  2. Es irritiert mich, dass ausgerechnet ein sportlicher Grossanlass mit maximalem Wettkampfdruck als Beleg für eine «Revolution der Prüfungskultur» herangezogen wird. Meiner Meinung nach ist die Situation deshalb die falsche Basis um einen Kausalzusammenhang zwischen Förderung ohne Druck und Erfolg zu konstruieren.
    Hinzu kommt, dass die Argumentation auf jenen Vergleichslogiken basieren (Ranglisten, Ländervergleich, Medallienverteilung) die wir im schweizerischen Bildungsdiskurs mit guten Gründen kritisch betrachten. Wenn Rangierungen problematisch sind, dann bleiben sie es auch dann, wenn sie zur Stützung einer eigenen These dienen. Wissenschaftliche Redlichkeit verlangt hier Kohärenz.

    Bei genauerer Betrachtung beginnt die Argumentationskette bereits bei der Einzelleistung von Johannes Høsflot Klæbo zu bröckeln: Von insgesamt 16 Medaillen gewann er allein sechs. Die sechs Medaillen der Schweiz hingegen verteilen sich auf fünf unterschiedliche Athletinnen und Athleten. Wer also nationale Fördersysteme vergleichen will, müsste differenziert analysieren, welchen Anteil aussergewöhnliche Einzelbiografien am Gesamtresultat haben. Andernfalls wird aus Statistik schnell Suggestion.

    Umso befremdlicher wirkt eine solche Verkürzung, wenn sie von einem Dozenten für Fachdidaktik der Universität Zürich stammt – einer Institution, die für mich für Relevanz und Qualität ihrer wissenschaftlichen Arbeit einsteht. Wer Lehrpersonen evidenzbasierte Impulse geben will, trägt besondere Verantwortung. Pointierte Posts mögen Aufmerksamkeit erzeugen; sie ersetzen jedoch keine saubere Argumentation.

    Wer die Prüfungskultur verändern will, soll dies tun – aber auf der Grundlage belastbarer Daten. Alles andere gefährdet das Vertrauen in jene wissenschaftlich fundierten Beiträge, auf die unsere Mittel- und Volksschulen angewiesen sind.

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