Janna S. studierte Lehramt mit den Fächern Deutsch und Politik. Der Umgang mit Kindern machte ihr Spaß und sie freute sich darauf, unterrichten zu dürfen. Doch nach viereinhalb Monaten als Referendarin an einer Schule brach sie das Referendariat vorzeitig ab.
“Wenn mich heute jemand fragt, warum ich das Referendariat abgebrochen habe, finde ich es wahnsinnig schwer, in einem Satz zu erklären, wie es sich anfühlt, wenn einen ein System langsam, aber zuverlässig zerreibt”, erzählte die 27-Jährige dem “Stern”.

Es sei eine Kombination aus verschiedenen Faktoren gewesen, angefangen bei den Arbeitsbedingungen und der Tatsache, dass sie keinen eigenen Platz in der Schule hatte. Gegenüber dem “Stern” beschreibt sie die Toiletten als so schäbig, dass sie am liebsten gar nicht gegangen wäre. Es habe auch keinen Kaffee gegeben, man habe seine eigenen Pads mitbringen müssen.
Dazu habe sie im Schnitt fünfzig bis sechzig Stunden pro Woche gearbeitet, hatte aber ständig das Gefühl, hinterherzuhinken – egal, wie viel sie gemacht hatte. Nach viereinhalb Monaten habe sie beschlossen, dass sich das einfach nicht richtig anfühle. “Ich wusste, das halte ich nicht durch”, so die 27-Jährige.
Lehrer in München verzweifelt: “Viele wollen einfach Bürgergeldempfänger werden”
Ähnlich verzweifelt wie Janna äußerte sich kürzlich Jonas S. über seinen Job. Er unterrichtet Wirtschaft, Betriebswirtschaftliches Rechnungswesen, IT und Sport an einer Realschule in München. “Ich mache meinen Job als Lehrer super gerne. Aber wenn es noch 40 Jahre so weiterläuft wie bisher, gehe ich daran kaputt”, so der 31-Jährige im Interview mit der “Welt”.
Viele Schüler hätten gar keine Lust mehr auf den Unterricht, sagt Schreiber. Einige Schüler würden sogar sagen, dass sie Bürgergeldempfänger werden wollen
837’000 Lehrkräfte in Deutschland: 4 Fakten zum Lehrerberuf
- Arbeitsbelastung von Lehrern: Für Lehrkräfte sind Arbeitswochen von über 40 Stunden zur gängigen Praxis geworden. Wie “Lehrer Insel” erklärt, arbeiten Lehrer im Schnitt fast 50 Stunden pro Woche.
- Steigende Belastung und Burnout-Risiko unter Lehrkräften: Nach Angaben der Studie im “Deutschen Ärzteblatt” steigen psychische Belastungen bei Lehrkräften, mit etwa 30 Prozent Burnout-Gefährdeten, durch Lehrermangel, Bürokratie und Verantwortungsdruck.
- Fortschritte und Herausforderungen – Digitalisierung an Schulen: Eine Umfrage des “Stark Verlags” zeigt, dass 97 Prozent der jungen Lehrer den Einsatz digitaler Technik im Unterricht befürworten, trotz ungleicher Ausstattung an Schulen. Während viele Lehrkräfte Zugang zu digitalen Medien haben, klagen sie über veraltete Ressourcen und mangelnde Wartung.
- Geschlechterverhältnis im Lehrerberuf – Frauen dominieren den Berufsstand: Laut die deutsche Online-Plattform für Statistik “Statista” vertreten im Schuljahr 2023/2024 sind Frauen mit rund 540’900 Lehrkräften deutlich häufiger, wobei etwa die Hälfte teilzeitbeschäftigt ist. Männer stellen mit 199’800 eine kleinere Gruppe.
Legende Beitragsbild: Der Traumberuf “Lehrerin” wurde für eine junge Frau schnell zum Alptraum. (Symbolbild/Getty)

