8. März 2021

Lese Tipp: Dirk Reinhardt „Über die Berge und über das Meer“

Ruth Wiederkehr, Schulleiterin im Oberstufenzentrum Mett-Bözingen in Biel, hat ein Buch entdeckt, mit dem sich die Flüchtlingsproblematik trefflich im Deutschunterricht behandeln lässt. Es sei, so die Deutschlehrerin, eben auch ein Buch für ihre Schülerinnen und Schüler hier in Biel.

Ruth Wiederkehr, Schulleiterin, OSZ-Mett-Bözingen: Keine moralische Wertungen

Im Zusammenhang mit den Themen «Migration, Immigration, Emigration» lese ich mit meinen Schülerinnen und Schülern der 7. Klasse im Deutsch jeweils eine gemeinsame Lektüre. Für das Schuljahr 2020 / 2021 wählte ich den Roman «Über die Berge und über das Meer» von Dirk Reinhardt. Ich entdeckte dieses Buch, weil es 2020 von der Jugendjury für den Deutschen Jugendliteraturpreis vorgeschlagen wurde.

«Über die Berge und über das Meer ist ein anspruchsvolles Buch. Die Geschichte wird kapitelweise aus der Sicht zweier junger Menschen aus Afghanistan, einem Mädchen und einem Jungen, erzählt. Beide müssen aufgrund der politischen Situation, d.h. wegen der Taliban, ihre Heimat verlassen und flüchten mit Hilfe von Schleuserorganisationen in die Türkei, respektive nach Europa.

Das Buch ist sehr spannend und entführt die jungen Leser und Leserinnen in eine ihnen fremde Welt. Jedes Kapitel bietet neue Diskussionspunkte, eröffnet neue Einsichten und spricht beide Geschlechter gleichermassen an.

Der Junge, Tarek, kommt aus einer Nomadenfamilie, kann weder lesen noch schreiben, kennt sich jedoch bestens mit den Tieren, mit der freien Natur aus.

Soraya: Als 7. Mädchen zum Jungen gemacht

Das Mädchen, Soraya, lebt in einem kleinen pastunischen Dorf an der pakistanischen Grenze. Sie haben zu Hause kein fliessendes Wasser, keinen Strom. Soraya lebt bis zu ihrem 13. Lebensjahr als Junge. Da sie die 7. Tochter der Familie ist und die Frauen nie ohne männliche Begleitung nach draussen gehen dürfen, wird sie vom Mullah zum Jungen gemacht, darf also Sorayamit den Jungen zusammen aufwachsen, spielen, mit ihnen zur Schule gehen.

Autor Dirk Reinhardt: Kein leichtes Buch, aber es bietet viel Diskussionsstoff.

Die Fluchtgeschichten der beiden, die auf unterschiedlichen Wegen unterwegs sind, wird sehr eindrücklich und nachvollziehbar geschildert. Die Reaktionen der Flüchtlinge, wie der Schleuser geben viel zu diskutieren. Das Buch zeigt die Probleme, Nöte und Schwierigkeiten aller Beteiligten auf, ohne moralisch zu werten und genau dies ergibt viel Diskussionsstoff.

Es ist meiner Meinung nach kein Buch, das man die Schülerinnen und Schüler einfach selber lesen lassen kann. Es braucht gezielte Fragen, Aufträge, Erklärungen vom Lehrer, von der Lehrerin und dies hilft den Schülerinnen und Schüler, zu einem vertieften Leseverstehen zu kommen. Sie lernen, besondere Sätze zu erkennen, sich in die Personen hineinzuversetzen.

Verwandte Artikel

Ich trete kürzer

Diane Ravitch, die grosse alte Dame der US-amerikanischen Linken und bedeutende Pädagogin, teilt uns mit, dass sie in nächster Zukunft etwas kürzer treten wird. In ihrem Beitrag blickt sie zurück auf fast 10 Jahre als Bloggerin und verweist mit Genugtuung auf ihren Mitstreiter Peter Greene (auch bei uns kein Unbekannter), der ebenfalls einen viel beachteten Bildungsblog gegründet hat. Für unsere Leserinnen und Leser wird sich allerdings nicht viel ändern. Die atemberaubende Kadenz von 8 -10 Posts pro Tag aus ihrem Schreiblabor ist eh kaum bewältigbar.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.