27. Februar 2026

Lese Tipp: Dirk Reinhardt „Über die Berge und über das Meer“

Ruth Wiederkehr, Schulleiterin im Oberstufenzentrum Mett-Bözingen in Biel, hat ein Buch entdeckt, mit dem sich die Flüchtlingsproblematik trefflich im Deutschunterricht behandeln lässt. Es sei, so die Deutschlehrerin, eben auch ein Buch für ihre Schülerinnen und Schüler hier in Biel.

Ruth Wiederkehr, Schulleiterin, OSZ-Mett-Bözingen: Keine moralische Wertungen

Im Zusammenhang mit den Themen «Migration, Immigration, Emigration» lese ich mit meinen Schülerinnen und Schülern der 7. Klasse im Deutsch jeweils eine gemeinsame Lektüre. Für das Schuljahr 2020 / 2021 wählte ich den Roman «Über die Berge und über das Meer» von Dirk Reinhardt. Ich entdeckte dieses Buch, weil es 2020 von der Jugendjury für den Deutschen Jugendliteraturpreis vorgeschlagen wurde.

«Über die Berge und über das Meer ist ein anspruchsvolles Buch. Die Geschichte wird kapitelweise aus der Sicht zweier junger Menschen aus Afghanistan, einem Mädchen und einem Jungen, erzählt. Beide müssen aufgrund der politischen Situation, d.h. wegen der Taliban, ihre Heimat verlassen und flüchten mit Hilfe von Schleuserorganisationen in die Türkei, respektive nach Europa.

Das Buch ist sehr spannend und entführt die jungen Leser und Leserinnen in eine ihnen fremde Welt. Jedes Kapitel bietet neue Diskussionspunkte, eröffnet neue Einsichten und spricht beide Geschlechter gleichermassen an.

Der Junge, Tarek, kommt aus einer Nomadenfamilie, kann weder lesen noch schreiben, kennt sich jedoch bestens mit den Tieren, mit der freien Natur aus.

Soraya: Als 7. Mädchen zum Jungen gemacht

Das Mädchen, Soraya, lebt in einem kleinen pastunischen Dorf an der pakistanischen Grenze. Sie haben zu Hause kein fliessendes Wasser, keinen Strom. Soraya lebt bis zu ihrem 13. Lebensjahr als Junge. Da sie die 7. Tochter der Familie ist und die Frauen nie ohne männliche Begleitung nach draussen gehen dürfen, wird sie vom Mullah zum Jungen gemacht, darf also Sorayamit den Jungen zusammen aufwachsen, spielen, mit ihnen zur Schule gehen.

Autor Dirk Reinhardt: Kein leichtes Buch, aber es bietet viel Diskussionsstoff.

Die Fluchtgeschichten der beiden, die auf unterschiedlichen Wegen unterwegs sind, wird sehr eindrücklich und nachvollziehbar geschildert. Die Reaktionen der Flüchtlinge, wie der Schleuser geben viel zu diskutieren. Das Buch zeigt die Probleme, Nöte und Schwierigkeiten aller Beteiligten auf, ohne moralisch zu werten und genau dies ergibt viel Diskussionsstoff.

Es ist meiner Meinung nach kein Buch, das man die Schülerinnen und Schüler einfach selber lesen lassen kann. Es braucht gezielte Fragen, Aufträge, Erklärungen vom Lehrer, von der Lehrerin und dies hilft den Schülerinnen und Schüler, zu einem vertieften Leseverstehen zu kommen. Sie lernen, besondere Sätze zu erkennen, sich in die Personen hineinzuversetzen.

image_pdfAls PDF herunterladen

Verwandte Artikel

Warum Kompetenzen den Kern von Bildung darstellen – und was daraus folgt

Philippe Wampfler, Mittelschullehrer, Fachdidaktiker, Kulturwissenschaftler und Experte für Lernen mit Neuen Medien, antwortet in seinem Artikel auf einen Beitrag von Condorcet-Autor Carl Bossard “Kompetenz ohne Wissen? Vom unüberlegten Gebrauch eines wichtigen Wortes”, erschienen in der Quartalsinformation des Mittschullehrpersonenverbandes Zürich (Qi 4/20, S. 8-12). Für Philippe Wampfler sind viele seiner Einwände gegenüber der Kompetenzorientierung wenig stichhaltig. Guter Unterricht werde mit Verben beschrieben, nicht mit Nomen.

Digital-Apostel in Vogel-Strauß-Manier oder: Sprechverbote über den Einsatz von Digitaltechnik und Datenschutz in Schulen sind keine Lösung

Sprechverbote über den Einsatz von Digitaltechnik und Datenschutz in Schulen sind keine Lösung, merkt Medienwissenschaftler Ralf Lankau zum Blog-Eintrag über Digital-Washing und postdigitale Schulen von Philippe Wampfler (18. Oktober 2020) an. In seiner Replik widerspricht er Wampflers Forderungen, die Schulen ohne lange Diskussionen zu praktischen Laboren der Digitalität umzugestalten.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert