18. Januar 2021

Condorcet-Autorinnen und Autoren: Analysieren allein reicht nicht

Unser treuer Leser Hans-Peter Köhli ist kein Lehrer, aber – wie er es ausdrückt – ein Bildungsinteressierter aus dem einfachen Volk. Den Condorcet-Blog schätzt er zwar, vermisst aber die konkrete Aktion!

Die Zeit ist reif.

Schon viele interessante und lehrreiche wissenschaftliche Beiträge sind in diesem Blog erschienen. Da darf es doch schon wieder einmal ein gewöhnlicher, unspektakulärer sein. Angeregt dazu wurde ich durch die Berichte nach dem Hinschied von Remo Largo. In einem davon hiess es, der Verstorbene sei vehementer Gegner des Lehrplans 21 gewesen, womit er sich zweifellos in bester Gesellschaft bei hochrangigen Fachleuten befand. Und gerade das regte mich an zum Nachdenken – auch über den Condorcet-Blog. So viele Koryphäen beschreiben immer wieder, was falsch läuft und dass sich eine Reihe der eingeführten Schulreformen überhaupt nicht bewährt, aber in der Praxis nimmt dennoch alles seinen unguten Lauf. Die Urheber von Lehrplan 21, Frühfremdsprachenkonzept, Totalintegration usw. lesen den Blog vielleicht auch, schmunzeln jedoch dabei und freuen sich, dass ihren Neuerungen allen Anfeindungen zum Trotz nichts passiert.

Die Urheber von Lehrplan 21, Frühfremdsprachenkonzept, Totalintegration usw. lesen den Blog vielleicht auch, schmunzeln jedoch dabei und freuen sich, dass ihren Neuerungen allen Anfeindungen zum Trotz nichts passiert.

Das Memorandum 550 gegen 550: Das waren noch Zeiten …

Wann endlich wird einmal zum Angriff übergegangen? In der Coronakrise wäre die Gelegenheit günstig. Die Meldungen über die Wissensrückstände wegen ausfallendem oder digitalem Schulunterricht überraschen uns nicht. Deshalb schlägt nun sozusagen die praktische Stunde der Wissenschafter und Condorcet-Autoren. Sie sollten beispielsweise in ihren Kantonen direkt bei den Behörden energisch fordern, dass zwecks Aufarbeitung des verpassten Stoffes ab sofort die zweite Fremdsprache in der Mittelstufe sistiert wird. Die überfällige Wiedereinführung von Kleinklassen liesse sich nun pandemiebedingt begründen, denn es leuchtet wohl allgemein ein, dass besonders betroffenen Kindern mit Kleingruppen am besten geholfen wäre. Aber auch da müsste Druck aufgesetzt werden, sonst passiert nichts. Und viele Lehrkräfte warten auf Interventionen von

Einspruch: Viele Lehrkräfte warten auf den Widerstand von aussen.

Aussenstehenden bei Bildungsdirektionen oder Schulleitungen, damit zwecks effizienterem Aufholen des Stoffes wieder vermehrt im Klassenunterricht statt gemäss LP 21 vorgegangen werden darf oder sogar soll usw. usf. Gewiss: Verschiedene Reformen werden sich so oder so früher oder später als untauglich erweisen. Man kann aber diesen Vorgang durchaus beschleunigen und die Gunst der Stunde nutzen. Abwarten und Tee trinken zeugt nicht von Kampfgeist. Schliesslich heissen doch die beiden denkwürdigen Broschüren aus Biel EINSPRUCH!

 

 

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Matheunterricht, der in der Schule scheitert, hat schwerwiegende Folgen für Studiengänge in den Mint-Fächern. Diese werden oft abgebrochen. Olaf Köller, geschäftsführender wissenschaftlicher Direktor des Instituts für die Pädagogik der Naturwissenschaften in Kiel, zweifelt an der Analyse der 300 Mathematiklehrer, welche jene in ihrem Brandbrief darlegten (siehe Astrid Baumann). Sein Beitrag erschien erstmals in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (3.3.20).

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