Die Liste der dringend zu lösenden Herausforderungen in der Volksschule ist lang. Das überladene Fremdsprachenkonzept, die dringend zu schliessenden Lücken im Deutsch, die forcierte schulische Integration, die Verzettelung durch stoffliche Überfülle und masslos gewordene Forderungen an den individualisierten Unterricht haben die Volksschule unter einen permanenten Überdruck gesetzt. – Doch was unternimmt die Deutschschweizer Erziehungsdirektorenkonferenz, um aus der wenig erfreulichen Situation herauszukommen? Die Antwort ist ernüchternd: Man beschönigt, wartet auf weitere Bestätigungen durch neue Erhebungen und legt die Hände in den Schoss. Um den Anschein zu erwecken, dass man gut auf Kurs und nicht untätig sei, wird stets das hervorgehoben, was in unseren Schulen einigermassen rundläuft.
Wie ich verstanden habe, ist es eines der Ziele von Condorcet das alte Links-Rechts-Schema hinter sich zu bringen, weil vereinte kritische Kräfte aus allen Perspektiven viel “schlagkräftiger” sind. Politische Schlagabtausche und Scharmützel führen nicht zum Ziel.
Die Forderung nach einer “echten” Lehrergewerkschaft ist demzufolge ein Anachronismus und nicht mehr zeitgemäss. Die Verhältnisse in Basel sind ein gutes Beispiel, wie die Spaltung in Links und Rechts von der Exekutive zu ihrem Vorteil benutzt werden kann (divide et impera).
Die Volksschule ist politisch neutral, weil sie für alle offen sein muss. Auch die Lehrerverbände sollten sich in erster Linie auf die Sache, die brennenden Schulfragen, konzentrieren.
Ziel des Condorcet-Blogs ist nicht, das alte Links-Rechts-Schema hinter sich zu bringen. Ein Ziel ist, dass rechte, konservative, liberale und linke Persönlichkeiten auf der Condorcet-Plattform ihre Meinungen austauschen, einander zuhören, argumentieren und andere Meinungen als Horizonterweiterung begreifen.
Der Unterricht in der Volksschule mag zwar politisch neutral gedacht sein, die Bildungspolitik ist es nicht. Hier sind Interessen im Spiel. Und es ist in einem demokratischen System legitim, diese Interessen auch zu vertreten. Die Gewerkschaften sind hier ein wichtiger Teil des Check-and-Balance-Systems. Das können sie aber nicht sein, wenn – wie im Fall Basel-Stadt – ihre Führung mit der Exekutive verbandelt ist und damit Interessenkonflikte zudeckt.