27. November 2020

Ein Vorschlag zur Güte

Weiterbildung am Oberstufenzentrum Orpund.

Zweieinhalb Tage wurden für die Weiterbildung veranschlagt. Thema: Die Beurteilung in Zeiten des neuen Lehrplans. Die beiden Kursleiter gaben sich Mühe, hatten aber Mühe, das Kollegium von den Vorzügen der Vermessung der überfachlichen Kompetenzen zu überzeugen. Ein Kollege brachte es auf den Punkt: «Es ist wie, wenn ein Vertreter der Weinbranche vor einem Bund der Antialkoholiker spricht.»

Man beschränkte sich auf die im Lehrplan vorgeschriebenen Schlüsselqualifikationen und damit war das Pulver eigentlich schon verschossen. Die Schulleitung kürzte die vorgesehene Weiterbildung auf Drängen des Kollegiums um anderthalb Tage.

Die Kursleitung nahm es sportlich. Am Schluss empfahl sich einer von Ihnen als Spezialist für offene Unterrichtsformen. Man könne, so der gute Mann, ihn zu einem Kurs anfordern, wenn sich mindestens sechs Kollegen oder Kolleginnen fänden.

Darauf antwortete ihm ein Lehrerkollege: «Ich hätte da einen anderen Vorschlag. Wir haben zurzeit Mühe unsere ausgeschriebenen Stellen zu besetzen. Wie wäre es, wenn Sie sich für diese Stelle bewerben würden? Sie könnten dann eine Klasse als Klassenlehrer übernehmen und den offenen Unterricht praktisch über längere Zeit umsetzen und schauen, wie tauglich er ist. Wir hätten einen Anschauungsunterricht und die Klasse einen motivierten Lehrer! Das wäre doch eine win-win-Situation!»

Fabian Bütikofer, Bern

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Konrad Paul Liessmann ist Professor für Methoden der Vermittlung von Philosophie und Ethik an der Universität Wien. Er ist auch Mitglied der GBW und ein prominenter Kritiker der Kompetenzorientierung. In seinem Beitrag macht er sich Gedanken über die Demolierung von Denkmälern und fragt nach dem Geschichtsbild der Akteure. Sein Beitrag erschien zuerst in der NZZ (Dienstag, 16.6.20).

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