20. März 2026
Die Berner Bildungsdirektorin tritt ab

Christine Häsler und das Grundvertrauen

Nach zwei Legislaturperioden tritt die bernische Bildungs- und Kulturdirektorin, Christine Häsler, zurück. Ihr vermeintlich grosser Gegenspieler, Condorcet-Autor Alain Pichard, würdigt ihr Wirken.

Alain Pichard, Lehrer Sekundarstufe 1, GLP-Grossrat im Kt. Bern und Mitglied der kantonalen Bildungskommission: Das Urvertrauen in die Lehrkräfte.

Liebe Christine Häsler,

Die Begeisterung in deinem Amt, als sie die Nachricht hörten, dass ich in den Grossen Rat gewählt wurde, hielt sich sicher in Grenzen, galt ich doch als der grosse Reformkritiker aus der Basis. Es kam anders. Wir konnten es recht gut miteinander. Gewiss gab es da die Themen, in denen wir verschiedener Meinung waren und dies auch im Parlament austrugen. Noch mehr aber habe ich dich in vielen Entscheiden unterstützt. Zuletzt waren wir uns sogar in der Bildungsinitiative von Bildung Bern einig, dass dies nicht der richtige Weg ist. Ich habe dich nur vier Jahre als Bildungsdirektorin erlebt. Die ganz grossen Herausforderungen war natürlich die Coronazeit mit ihren Schulschliessungen und der Verlegung des Parlaments in die “coronasichere” BEA-Halle. Dies blieb mir glücklicherweise erspart. Hingegen prägte der katastrophale Lehrkräftemangel deine zweite Legislatur. Er setzte unserer Schule enorm zu. Dank deiner geschickten Politik ist es dir gelungen, trotz angespannter Finanzlage des Kantons, die Anstellungsbedingungen für die Lehrpersonen zu verbessern und die Bildung auf allen Stufen signifikant zu stärken. Vor allem erkanntest du, wie wichtig die Klassenlehrerfunktion im Räderwerk der Schulpraxis ist. Sie erhielten 300 Fr. mehr als Funktionszulage.  «Ich verstehe mich als Teamplayerin”, sagtest du einst in einem Interview. Markige Worte und prägnante Selbstdarstellung war nie dein Ding.

Als dein Amt meine Frau bat, die gescheiterte Schule in einer Gemeinde zu übernehmen, und ich sie dort als Lehrkaft unterstützte, hast du es dir nicht nehmen lassen, die Früchte unserer Arbeit an Ort mit deinem ganzen Stab zu besuchen.

 

Viele Leute deuten dies als Engagement. Ich empfand dies mehr als Understatement. Du wusstest einfach, auf was es ankommt. Man spürte bei dir immer dieses Urvertrauen in die Schule und die Lehrkräfte. Deine unaufgeregte und meistens positive Haltung in stark polarisierenden Auseinandersetzungen taten dem Diskurs gut. Dafür gebührt dir ein aufrichtiger Dank.

Für deinen neuen Lebensabschnitt wünsche ich dir viel Lebenslust und Freude.

Alain Pichard, GLP-Grossrat

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