14. Oktober 2026
Was Alfred Adler zu den Innovationsfloskeln sagen würde

Schulreformen: mal oberflächlich, mal fragwürdig – und oft am Schüler vorbei

Die Condorcet-Redaktion wollte ihn schon lange für einen Beitrag gewinnen. Der ehemalige Mathematik- und Kunstlehrer am Gymnasium Köln und heutige Buchautor und Schulberater, Michael Felten, steht für Bildungspragmatismus, die Weisheit der Praxis und hinterfragt gängige Innovationsfloskeln. Auch Alfred Adler, von dem es sich in diesem Beitrag handeln soll, hat hier einiges zu sagen. Der ganze Beitrag ist wegen seiner Länge verlinkt. Lesen Sie hier die Einführung

Die alte Formel Hartmut von Hentigs „Schule neu denken“ (1993) hat neuerdings ja eine extremistische Steigerung erfahren: “Lernen ganz neu denken”. In Aktivistengrüppchen wie in Sonntagsreden gefällt man sich in einer Art ‘Transformationstaumel’: Die Schüler hätten sich völlig geändert, die Welt sei mit Digitalisierung und KI eine ganz andere geworden – man könne einfach nicht so weitermachen wie bisher. Wider alle Evidenz wird von Lernlandschaften geschwärmt, Selbstlerneuphorie zieht immer weitere Kreise – der alte Laden ‘Unterricht’ scheint zum Abriss freigegeben.

Michael Felten hat 35 Jahre Mathematik und Kunst an einem Gymnasium in Köln unterrichtet. Er publiziert zu Bildungsfragen und arbeitet weiterhin in der Lehrkräfteweiterbildung sowie als freier Schulberater.

Der Aufruf zum Umsturz kommt indes weder von Praktikern noch aus der Gelehrtenwelt: Neben den offenkundigen Abgesandten der Bildungsindustrie trommelt da vielmehr eine wachsende Phalanx von Stimmen, die sich von Technik anscheinend mehr versprechen als von Pädagogik. Nicht zu vergessen diejenigen, die ihr Salär damit verdienen, sich selbst als Zukunftscoach für die Große Transformation zu empfehlen – oder gar Lehrkräften beim Ausstieg behilflich sein zu wollen.

Aber es handelt sich um Sirenengesänge: Denn dem desolaten Status von Fachwissen und Lernmotivation bei jungen Menschen lässt sich durch diffuses Zukunftsgeschwurbel schwerlich abhelfen. Ohne Pädagogik und Psychologie geht in dieser Frage einfach nichts – und da haben die IT-Agenten naturgemäß eher wenig zu bieten. Deshalb lohnt es sich zu erinnern, was Alfred Adler, dem frühen Kollegen Sigmund Freuds, erstmals vor 100 Jahren im Roten Wien gelang – wie man nämlich pädagogische Probleme (und die sind zeitlos) mittels tiefenpsychologischer Expertise abschwächen, ja auflösen kann. Viele seiner Einsichten über seelische Dynamiken in Erziehung und Bildung waren damals bahnbrechend, sind aber noch immer kein Allgemeingut. Dabei könnten sie uns heute enorm weiterhelfen – nicht zuletzt bei der Entlarvung gängiger Innovationsfloskeln …

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Michael Felten hat 35 Jahre Mathematik und Kunst an einem Gymnasium in Köln unterrichtet. Er publiziert zu Bildungsfragen und arbeitet weiterhin in der Lehrkräfteweiterbildung sowie als freier Schulberater (www.eltern-lehrer-fragen.de). Er ist Mitbegründer der Initiative Bildung NRW – da geht doch mehr!.

Verlinkter Text: mein Beitrag in Wisniewski & Schöps: Pädagogen auf Abwegen. Schneider Verlag Hohengehren 2016

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