Umfrage in Baselland

Frühfranzösisch an den Primarschulen ist gescheitert

Eine breit angelegte Umfrage der Starke Schule beider Basel (SSbB) betreffend «Frühfranzösisch an den Primarschulen» sowie «Einführung von Förderklassen für dauernd störende Schüler/-innen» zeigt ein klares Bild: Eine überwiegende Mehrheit der Teilnehmenden kritisiert das heutige Konzept mit Frühfranzösisch ab der dritten Klasse. An der Umfrage nahmen 507 Personen (82.9% Lehrpersonen, 5.8% Eltern von schulpflichtigen Kindern, 11.3% andere Bildungsinteressierte) aus den beiden Basler Halbkantonen teil. Damit ist sie aussagekräftig.

Alina Isler

Heute lernen die Primarschüler/-innen ab der dritten Klasse Französisch. Viele Eltern und Lehrpersonen kritisieren diesen frühen Start. Die Schulkinder seien überfordert und demotiviert, der Nutzen sei sehr bescheiden.

Auch zu diesem Thema wurden in mehreren Kantonen politische Vorstösse eingereicht oder sind in Planung, welche eine Evaluation oder Überarbeitung des Konzepts Frühfranzösisch fordern. Die im Baselbieter Landrat eingereichte Motion fordert, auf die Fremdsprache Französisch auf Primarstufe zu verzichten. Stattdessen sollen die Schulkinder mehr Deutsch, Mathematik sowie musische und kreative Fächer erhalten. Zur Kompensation soll auf der Sekundarstufe 1 die Anzahl Französischlektionen erhöht werden.

53 Prozent möchten lieber Englisch als einzige Fremdsprache

Auch hier zeigt sich gemäss der Umfrage der SSbB ein interessantes Bild: 62.8% der Teilnehmenden sind der Meinung, dass die Primarschüler/-innen im Fach Französisch überfordert sind, 28.3% sehen dies nicht so. Die Aussage «Französisch wird für viele Primarschüler/-innen zum Frustfach» befürworten gar 67%. Lediglich 17.3% halten diese Aussage für falsch. Mit 15.8% konnte oder wollte ein beachtlicher Teil diese Fragestellung nicht beantworten. Brisant ist auch die zweite Frage: Mit 79.1% der Teilnehmenden ist eine überwiegende Mehrheit der Meinung, dass die Primarschüler/-innen im Fach Französisch bis zum Ende der Primarschule «sehr wenig» können.

Obwohl inhaltlich das heute Konzept für Frühfranzösisch sehr deutlich kritisiert wird, ist der Anteil derjenigen, welche auf der Primarstufe nicht auf Französisch verzichten wollen, mit 40.4% relativ gross. Eine Mehrheit von 52.6% sehen Vorteile, wenn Englisch die einzige Fremdsprache ist. 7% wollten oder konnten die Frage nicht beantworten.

Alina Isler

Vorstand Starke Schule beider Basel

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Schulleitungen setzen Primarlehrpersonen unter Druck

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5 Kommentare

  1. Schon lange gescheitert! Dazu müsste allerdings auch das Früh-Englisch gehören. Der zwei- bis vierjährige Vorsprung des Fremdsprachenunterrichts in der Primarschule vor Beginn der Oberstufe schmilzt innert weniger Monate wie Schnee im Frühling. Meine Beobachtung ist: Die Muttersprache wird immer schlechter beherrscht, und damit fehlt bei vielen Schülerinnen und Schülern auch die Freude und Motivation zum Erwerb einer neuen Fremdsprache. – Leider fehlt den meisten Bildungspolitikern, aber auch vielen unserer Kolleginnen und Kollegen diese Einsicht. Ich vermute, es hat sehr viel mit mangelnder Aufrichtigkeit, auch sich selbst gegenüber, zu tun – ein Krebsgeschwür, das auch in anderen Fächern und Bereichen immer weiter wächst.

    1. Es ist ein Irrsinn dem Kind 3 Fremdsprachen zu vermitteln. Deutsch in der CH ist auch eine Fremdsprache, nicht zu vergessen und muss zuerst richtig gelernt und geschrieben werden. Eine sichere Basis dafür muss geschaffen werden. Die anderen Fremdsprachen haben Zeit in der Mittelschule, wie früher zu beginnen. Das was jetzt geschieht ist meist eine totale Überforderung des Kindes. Französisch ist zudem zu Beginn viel schwieriger zu erlernen als Englisch, ausser man bringt schon im Elternhaus lateinisch geprägte Sprachen mit. Frühfranzösisch und Englisch gehört abgeschafft und wieder in die Mittelstufe versetzt.

  2. Und wie wurde dieses Projekt in hochrabenden Worten inszeniert von den sogenannten Experten der Pädagogik im Bildungselfenbeinturm…

  3. Man kann es drehen und wenden, wie man will: Drei Sprachen in der Primarschule sind eine zu viel. Es sind nicht nur die Kinder (etwas häufiger die Buben) die Verlierer, sondern auch das Schulsystem als Ganzes. Es muss ein riesiger Aufwand in der Ausbildung für wenige Fremdsprachenlektionen betrieben werden. Diese Zeit fehlt für eine Vertiefung der kulturell bedeutenden Realienfächer Geschichte, Geografie und Naturkunde. Weiter hat mit der Zersplitterung der Bildungsziele eine unschöne Hektik in den Schulalltag Einzug gehalten. Wir brauchen nicht Oberflächlichkeit, sondern gründliche Bildung. Doch ohne Abstriche beim Wunschprogramm (zweite Frühfremdsprache) geht es nicht.

  4. Wie die Studie von Berthele und Udry zeigt, ist die Lesefähigkeit Deutsch neben Motivation, positivem Selbstkonzept und analytischen Fähigkeiten ein wichtiger prognostischer Faktor, um in den Fremdsprachen schulisch reüssieren zu können. Deshalb ist zu erwarten, dass bei mehr Gewicht auf den Unterricht in Deutsch die besseren Voraussetzungen für das Lernen von Fremdsprachen geschaffen werden als ein möglichst früher Beginn mit Fremdsprachen.
    (Raphael Berthele & Isabelle Udry (eds.). 2021. Individual differences in early
    instructed language learning: The role of language aptitude, cognition, and
    motivation (Eurosla Studies 5). Berlin: Language Science Press.)

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