17. Oktober 2026

Zitat der Woche: Konrad Liessmann über verloren gegangene Gewissheiten

Professor Konrad Paul Liessmann, Philosoph und Publizist, erklärt in der NZZ, weshalb der russische Überfall auf die Ukraine die Europäer aus ihren Blütenträumen von einem neuen ewigen Zeitalter von Vernunft und Vertrag, Dialog und Ausgleich herausgerissen habe. Und er spannt einen Bogen zu anderen scheinbaren Gewissheiten. (https://www.nzz.ch/meinung/wiedergewinnung-des-politischen-der-krieg-klaert-die-fronten-ld.1696515).

Professor Konrad Paul Liessmann: Etwas Zurückhaltung bei anscheinenden Gewissheiten.

Aber die allmählich erkennbaren Irrtümer werfen eine höchst unangenehme Frage auf. Wer garantiert uns eigentlich, dass sich die politischen Kräfte, die sich dem Fortschritt verpflichtet fühlten und sich plötzlich in Carl Schmitts reaktionärem Freund-Feind-Denken wiederfinden, nicht in anderen Fragen, in denen es eindeutig zu sein scheint, wo das Gute wohnt, ebenso irren können?

Von daher wären vielleicht etwas mehr Vorsicht und Zurückhaltung angebracht. Es könnte ja sein, dass wir uns in Genderfragen und in der Migrationspolitik, bei Bildungsreformen und wenn es um das Klima geht, ebenso täuschen, wie wir uns nicht nur in Putin, sondern insgesamt in einem Weltvertrauen getäuscht haben, das glaubte, die kalte Mechanik politischer Auseinandersetzung weichzeichnen zu können. Selbst wenn wir auf der richtigen Seite stünden: Auf triumphale Gesten sollten wir verzichten.

image_pdfAls PDF herunterladen

Verwandte Artikel

Wie schräg ist das denn?

Im Gegensatz zu einigen seiner Mitstreiter hat sich Condorcet-Autor Alain Pichard nie vollkommen gegen Vergleichsteste ausgesprochen. «Richtig durchgeführt und interpretiert können sie wertvolle Rückmeldungen zu Teilbereichen der Lernprozesse liefern», schrieb er in einem seiner früheren Beiträge. Was aber nun bei den Vergleichstesten im Kanton Baselland abgeht, verschlägt ihm den Atem.

Führungsperson vs. Führungspersönlichkeit – oder: Die Bedeutung des Charismas

Eine Führungsperson ist noch keine Führungspersönlichkeit. Oft werden Mitarbeitende in Leitungspositionen berufen, denen sie nicht gewachsen sind. Erreicht wird nach der These von Laurence J. Peter die so genannte Stufe der Inkompetenz. Mit der Folge, dass ein oft langer Leidensweg seinen Anfang nimmt; für die Leitungsperson selbst und insbesondere für die Mitarbeitenden. Wie gross die Auswirkungen solcher Fehlbesetzungen sind, lässt sich nur erahnen.

1 Kommentar

  1. Vielleicht es es das, was das Leben überhaupt erst spannend macht – dass wir am Ende des Tages nichts wissen und nichts voraus bestimmen können.

    Weder im Kleinen, weder in uns selbst – noch in den großen Dingen, in der Welt.

    Wenn es aber eine Weile (zufällig?) so scheint, kommt es naturgemäß zu einem besonders großen Beben, wenn die Dinge nicht so laufen wie erwartet….

    Doch wer hat sich noch nie selbst überrascht? Und wenn wir uns selbst nicht sicher greifen können, wie dann etwas anderes?

    Zu glauben, man könne sich nicht täuschen, ist sehr überheblich und führt am Ende womöglich genau dorthin.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert