Zahl des Monats: 45’000

Rund 45 000 Schülerinnen und Schüler erhalten in einzelnen Fächern keine Schulnoten – Tendenz steigend. Das entlastet sie zwar kurzfristig, führt aber zu Problemen in ihrem Leben als Erwachsene.

NZZ am Sonntag, 12.12.20

Das Schweizer Bildungssystem hat ein Problem: Rund 45 000 Kinder und Jugendliche erhalten in einem oder mehreren Fächern keine Noten, Tendenz leicht steigend. Im Jargon nennt sich das individuelle Lernzielanpassung. Bei einem Teil der Kinder ergibt das Sinn, weil sie wegen Behinderungen dem Lehrplan nicht folgen können. Bei einem grossen Teil aber ist der Fall nicht so klar.

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2 Kommentare

  1. Massnahmen wie der Nachteilsausgleich oder die Lernzielanpassung sind Instrumente einer Art “Schonpädagogik”. Man versucht zu ver-hindern, dass sich negative Selbstkonzepte entwickeln, die Lernende entmutigen und sozial ausgrenzen. Die löbliche Absicht führt leider dazu, dass die Wahrheit über das eigene Leistungspotenzial verschleiert wird. Früher oder später werden “geschonte Lernende” brutal mit der Realität ihrer Defizite konfrontiert, sei es durch die Beobachtung des Könnens von Klassenkameraden, durch despektierliche Kommentare im Klassenzimmer oder durch die Anforderungen der Berufsausbildung, des Berufslebens, des gesellschaftlichen Lebens. Deshalb die Frage: Wäre es nicht besser, statt “Schonung” ein realistisches Selbstbild aufzubauen, das hilft, Schwächen zu akzeptieren, jedoch ermutigt, die eigenen Möglichkeiten wenigstens voll auszuschöpfen? Etwas, was auf dem Gebiet des Sports oder der Kunst selbstverständlich ist: Nicht jeder Tennisspieler ist ein Federer, aber er kann sich trotzdem innerhalb seiner Möglichkeiten verbessern.

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