27. Juli 2021

PUSA: Projektunterricht Selbständige Schüler- und Schülerinnenarbeiten

Im vergangenen Sommer gab es auf diesem Blog einen Streit um den Projektunterricht bzw. die selbständige Schülerarbeit. Condorcet-Autor Urs Kalberer eröffnete den Reigen mit einer scharfen Kritik an diesem Unterrichtskonzept. Alain Pichard, ein Anhänger des Projektunterrichts, konterte, die Kollegen Amstutz und Wittenberg zogen nach und kritisierten wiederum den Beitrag von Alain Pichard. Nun ist es wieder an Alain Pichard, seinen Kollegen und vielleicht auch der LeserInnenschaft die Selbständige SchülerInnenarbeit schmackhaft zu machen.

PUSA-Projekt 2017: Aus einem Rasenmäher wurde ein Partywagen gebaut.
Alain Pichard. Lehrer Sekundarstufe 1, Orpund (BE): PUSA ist ein Höhepunkt.

Im OSZ-Orpund ist es wieder einmal so weit. Die PUSA-Projekte stehen an. Unsere Schule führt dieses grossangelegte Projekt einer selbständigen SchülerInnenarbeit immer in der 9. Klasse durch. Wie ich in meinem Beitrag vom 4.9.20 (https://condorcet.ch/2020/09/einspruch-kollege-kalberer-projektunterricht-ist-eine-koenigsdisziplin/) beschrieben habe, stehen in meinem Unterricht selbständige SchülerInnenarbeiten hoch im Kurs. Und so ist dieses PUSA-Projekt natürlich nicht das einzige, welches meine SchülerInnen in den vergangenen zweieinhalb Jahren in Angriff nehmen durften oder mussten. An der Selbständigkeit wurde bereits von der 7. Klasse an gezielt mit niederschwelligen Projekten gearbeitet. Das PUSA-Projekt der 9. Klasse ist von seiner Dimension und seinen weitgehenden Freiheiten, die wir den SchülerInnen zugestehen, das aufwändigste. Dabei gingen wir nach dem PUSA-Konzept des Lehrverlags plus vor, das von meinem ehemaligen Didaktiklehrer Hans Müller und seinem Team ausgearbeitet wurde.

Zeitweise gab es schweizerische Wettbewerbe, an denen auch das OSZ-Orpund teilnahm.

Vor rund zwei Wochen wurden SchülerInnen und Eltern über das bevorstehende Projekt informiert.

Wir erklärten den 52 Schülerinnen und Schülern aus drei Klassen unsere Erwartungen an sie.

  1. Ihr wählt euer Thema selber.
  2. Ihr organisiert euch, plant und arbeitet selbständig.
  3. Ihr präsentiert euer Produkt.
  4. Ihr dokumentiert eure Arbeit.

Total 30 Stunden

Zur Verfügung stehen den SchülerInnen sechs volle Schultage in zwei Blöcken (jeweils Mittwoch – Freitag). Das sind rund 24 volle Stunden. Die Arbeitszeit zu Hause berechnen wir mit 6 Stunden. Das ergibt total 30 Stunden, die den Schülerinnen und Schülern zur Verfügung stehen. Im Vergleich zu früheren Jahren ist diese Stundenzahl etwas geringer, da wegen der Coronasituation auch die Bewegungsfreiheit und die Themenwahl eingeschränkt ist. Erlaubt sind Team- und Einzelarbeiten. Heuer haben sich rund ein Fünftel der Schüler für eine Einzelarbeit entschieden. Die Schülerinnen und Schüler müssen ein Logbuch führen.

PUSA-Projekt 2017: Bastelnachmittag für die Jüngsten

Sie erhielten zunächst eine Woche Zeit, sich ein Projekthema zu wählen. In einem Gespräch mit den Klassenlehrkräften einigte man sich auf den Projektinhalt, bestimmte die Ziele, präzisierte und optimierte, wo nötig. Darauf wurden die Vereinbarungen formuliert und von Schülern, Eltern und der zuständigen Lehrkraft unterschrieben.

Für jedes Schülerprojekt ist eine Lehrkraft verantwortlich. Dabei helfen auch die Fachlehrkräfte (Bildnerisches Gestalten, Sport oder Technisches Gestalten) mit.

Die Themen sind jeweils sehr vielfältig und zum Teil auch überraschend.

PUSA-Projekt 2017:
Dreistöckige Torte, schwieriger als vermutet.

Vom mittelatlerlichen Katapult, zur Fantasygeschichte, vom Selbstexperiment zum Pokerspiel

Eine Knabengruppe möchte ein Modell eines mittelalterlichen Katapults bauen, das funktionstüchtig 10 Meter weit schiessen soll. Ein Mädchenteam baut eine Lounge aus Recyclingmaterial und Paletten. Ein Zucker-Ernährungsprojekt, ein Selbstexperiment ohne digitale Medien, das Schreiben einer Fantasy-Geschichte, das Nähen eines Zweiteilers, das Filmen eines Salsa-Projekts, das Backen einer dreistöckigen Hochzeitstorte, mathematische Berechnungen zum Pokerspiel und deren Anwendungen sind einige Beispiele aus dem breiten Interessenfundus unserer Schülerinnen und Schüler. Am 24. Februar geht es los. Über Verlauf und Resultate und vor allem über die mühselige Arbeit der Erstellung einer Dokumentation werden wir Sie laufend informieren.

Rückmeldungen zu PUSA 2017

Noch ein Blick zu den vergangenen PUSA-Projekten 2017. Von 33 eingegebenen Projekten wurden zwei nicht fertiggestellt. 82% der SchülerInnen gaben an, alle ihre Ziele erreicht zu haben. 6% nicht. 53% hätten gerne wieder ein solches Projekt gemacht, 24% verneinten dies.

67% hatten ihr Zeitmanagement im Griff.

31% hatten Probleme.

67% fanden das Projekt anstrengend.

80% der Gruppen funktionierten gut.

20% hatten Probleme in der Zusammenarbeit.

6 Leute würden nicht mehr mit dem gleichen Partner arbeiten.

Als negativ wurde vor allem die Arbeit an der Dokumentation bewertet.

Anzufügen ist noch, dass ein solches Projekt nur stattfinden kann, wenn das Jahrgangsteam dahintersteht. Deshalb gilt mein Dank auch meinen Kollegen Fabian Bütikofer und Christoph Schneeberger, welche die Parallelklassen als Klassenlehrer führen. Und natürlich auch den Fachlehrerinnen, welche einzelne Projekte betreuen.

Dokumente und Anleitungen können bezogen werden unter arkadi@bluemail.ch – Stichwort PUSA 21.

 

 

 

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Kritik am Condorcet-Blog!

Die Aufschaltung des Artikels von Olaf Köller, der ja zuvor in der FAZ erschienen war (siehe https://condorcet.ch/2020/03/sorgenkind-mathematik/) hat wieder einmal für böse Kommentare gesorgt. Die Redaktion des Condorcet-Blogs ist nicht der Meinung des Autors. Der Text wurde uns aber von einem deutschen Leser zugeschickt, und wir hielten es für wichtig, diese Sicht der Dinge, auch wenn wir sie nicht teilen, zu publizieren. Das sieht man nicht überall so.

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