12. Februar 2026

Studie zu Corona-Schulschließungen: Kinder haben “wenig oder nichts” gelernt

Niederländische Schulen gelten als digitale Vorreiter. Doch selbst dort zeigt eine Studie: Der Unterricht im Netz bringt kaum Lernfortschritte – besonders bei Kindern mit schwierigem sozialen Umfeld. Wir bringen hier einen Beitrag, der jüngst in der Zeitschrift “Der Spiegel” erschienen ist.

Ein ernüchterndes Fazit der Schulschließungen in den Niederlanden während der Coronakrise haben drei Sozial- und Bildungswissenschaftler an der Universität Oxford gezogen. Trotz des Onlineunterrichts hätten die Schülerinnen und Schüler “wenig bis nichts” gelernt, heißt es in einer neuen Studie des Leverhulme Centre for Demographic Science.

Grösstenteils ineffektiv

Digitales Klassenzimmer: besorgniserregende Resultate.

Die Ergebnisse zeigten, “dass Onlineunterricht während des Lockdowns größtenteils ineffektiv war, selbst in einem Land, das für die Herausforderungen von Onlineunterricht gut gerüstet ist”, schreiben die Autorinnen und Autoren. Dabei sei die Situation im niederländischen Bildungssystem deutlich besser als in vielen anderen Staaten und daher eigentlich ein “Best Case”-Szenario: Die Niederlande hätten eine der weltweit höchsten Internetzugangsraten, es gab im Frühjahr nur einen relativ kurzen Lockdown von acht Wochen, außerdem sei die erste Welle der Pandemie im Land relativ mild verlaufen.

Bei den Kindern und Jugendlichen lag der Lernfortschritt durchschnittlich 20 Prozent unter dem erwarteten Wert.

“Trotz dieser guten Voraussetzungen gingen die Fortschritte der Schüler erheblich zurück, was auf noch größere Verluste in Ländern hindeutet, die weniger gut auf die Herausforderungen von Onlineunterricht vorbereitet sind”, heißt es in der Auswertung. Die wichtigsten Ergebnisse:
• Bei den Kindern und Jugendlichen lag der Lernfortschritt durchschnittlich 20 Prozent unter dem erwarteten Wert – das entsprach der Zeit, in der die Schulen keinen Präsenzunterricht anbieten konnten. “Mit anderen Worten haben die Schüler beim Lernen von zu Hause aus kaum oder gar keine Fortschritte gemacht”, sagt Co Autor Per Engzell.
• Soziale und ökonomische Faktoren wirken sich verschärfend aus: “Für Kinder aus
benachteiligten Verhältnissen waren die Auswirkungen noch verheerender”, so die Forscher.

Die Niederlande haben eine hervorragende digitale Infrastruktur

Hatten die Eltern keine Hochschulausbildung, war der Verlust an Wissen um bis zu 50
Prozent stärker als bei Kindern aus Akademikerfamilien.
Die Forscher hatten für die Studie die Testergebnisse von rund 350.000 niederländischen Schülerinnen und Schülern im Alter von sieben bis elf Jahren genutzt. Zweimal pro Jahr gibt es in den Niederlanden zentrale Leistungstests; die Erhebungen fanden im Januar/Februar und im Mai/Juni 2020 statt. Die aktuellen Daten von vor und nach den Schulschließungen wurden außerdem mit Ergebnissen früherer Schülerjahrgänge verglichen.

“Besonders besorgniserregend”
“Die Ergebnisse der Studie sind besonders besorgniserregend, da die Niederlande so viele Dinge richtig gemacht haben”, sagt Mitautor Arun Frey: Lehrer und Schulbeamte hätten “enorme Anstrengungen unternommen und die Regierung hat sogar Laptops für alle Kinder gekauft, die einen benötigen”. Trotzdem bestätigten die Ergebnisse des Onlineunterrichts “viele der schlimmsten Befürchtungen, die Pädagogen anfangs des ersten Lockdowns hatten”.

Der Spiegel 12.1.21

image_pdfAls PDF herunterladen

Verwandte Artikel

“Das KV” auf dem Weg in die Zukunft

Nach mehreren kritischen Beiträgen zur geplanten KV-Reform (deren Umsetzung um ein Jahr verschoben wurde) veröffentlicht der Condorcet-Blog nun ein Plädoyer für diese Neuerungen. Michael Kraft, Leiter Bildung beim Kaufmännischen Verband Schweiz, verteidigt in seinem Beitrag die geplanten Umstellungen und weist auf die Tatsache hin, dass die grosse Mehrheit der beteiligten Ausbildungsbranchen, Betriebe, Schulen und Verbände die Reform unterstütze.

Bildungswesen in China

Erst kürzlich von PISA-Chef Andreas Schleicher hochgelobt, erweist sich das Schulsystem in China als sehr komplex. Peter Aebersold begab sich auf Spurensuche und fand heraus, dass China eine der ältesten und längsten Traditionen im Bildungswesen hat. Sie wurde allerdings immer wieder durch schwere Rückschläge unterbrochen. Das gegenwärtige Schulsystem, mit dem Pisa-Spitzenplätze erreicht werden, wurde ab Mitte der 1980er Jahre aufgebaut.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert