28. Oktober 2021

Grosse Denkerinnen und Denker: Beat Knaus

Wer ein Gebet zum Himmel sendet oder einen Instagram-Post veröffentlicht, tut dasselbe

Der Autoritätsverlust (der Lehrkräfte, Anm. Redaktion) hat für die Studierenden zur Folge, dass die Lehrperson als alleiniger Adressat der eigenen Leistungen nicht mehr in der Lage ist, den Ehrgeiz in hinlänglicher Weise anzustacheln. An ihre Stelle muss eine andere Instanz treten, die sie zu Höchstleistungen motiviert. Der unfassbare, unkörperliche, unendliche gleichsam sakrale Raum des Internets kann diese Stelle übernehmen. Wer sich heute diesem Raum universeller Aufmerksamkeit überantwortet, hat ein ähnliches Gefühl, wie jemand, der in früheren Zeiten den Gottesdienst oder die Beichte besuchte. In beiden Fällen sieht man sich sozusagen dem Absoluten gegenüber. Der Priester bzw. die Lehrperson fungieren dabei als Sachwalter und Stellvertreter des Absoluten. (…) Wer ein Gebet zum Himmel sendet oder einen Instagram-Post veröffentlicht, tut dasselbe: Er interagiert mit dem Absoluten, unwiederbringlich und radikal offen. Und wird erst dadurch zu der Person, die er ist.

Beat Knaus,
Bild: Theatergruppe auja.ch

Beat Knaus, phil lic. I, unterrichtet Deutsch und Theater an der neuen Kantonsschule Aarau. Das Zitat stammt aus einem längeren Beitrag, der in der Fachpublikation für zeitgemässen Deutschunterricht,  «Neuland Digitalisierung»  erschienen ist.

Verwandte Artikel

Die Bieler Schulen: Kulturelle Unterschiede und gemeinsame Probleme

34 Jahre lang unterrichtete Condorcet-Autor Alain Pichard (selber von Geburt an Waadtländer) in den Brennpunktschulen der Stadt Biel. Dabei unterrichtete er bisweilen in welschen Schulklassen und führte gemeinsame Projekte mit den Romands durch. In seinem Beitrag erklärt er unserer LeserInnenschaft die kulturellen Unterschiede dieser beiden Sprachkulturen im Schulbereich und benennt ein gemeinsames Problem.

Mich ärgert diese ständige Panikmache

Luana Affolter hat uns ihren Tagebucheintrag zur Vefügung gestellt. Sie sieht auch positive Aspekte des Lockdowns, wünscht sich aber die Schule so schnell wie möglich zurück. Und sie ärgert sich über die Berichterstattung. Die Publikation erfolgt im Einverständnis der Eltern.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.