Nach dem Mille Feuilles-Debakel: Regierungsrätin Häsler meldet sich noch einmal bei den Unterzeichnerinnen und Unterzeichnern des Offenen Briefes

Bereits am 6. Dezember wandte sich die Berner Bildungsdirektorin Christine Häsler mit einem Schreiben an die Unterzeichnerinnen und Unterzeichner des “Offenen Briefes”. Darin bekundete sie, dass sie das Problem ernst nehme, und versprach, dass auch noch von den kantonalen Bildungsdirektionen der Passepartout-Kantone eine Reaktion erfolgen werde. Dazu ist es nicht gekommen, weshalb Frau Häsler sich erneut bei uns meldete. Die Redaktion des Condorcet-Blogs möchte auch diese Reaktion ihren Unterstützerinnen und Unterstützern zur Kenntnis bringen. Sie zeigt, dass im Kanton Bern eine Direktorin am Werk ist, die konsequent auf den Dialog setzt. Vielleicht ist es ja ein Zufall, dass in beiden Kantonen, die auf die Kritik der Eltern und Lehrkräfte reagiert haben, Frauen am Ruder sind, während das Schweigekartell der anderen Kantone von Männern geleitet wird.

Christine Häsler, Bildungsdirektorin des Kantons Bern: “Das Wahlobligatorium ist ein Thema.”

Sehr geehrter Herr Pichard

Sehr geehrte Lehrerinnen und Lehrer

Da das Projekt Passepartout schon länger abgeschlossen ist und seine ehemaligen Mitglieder inzwischen einzeln für dessen Umsetzung verantwortlich sind, haben sich diese Mitglieder, die entsprechenden Kantone entschieden, Ihnen auch einzeln und aus ihrer jeweiligen Sicht zu antworten.

Um die Situation und die Anliegen der kritisch eingestellten Lehrkräfte zu analysieren, habe ich eine Arbeitsgruppe ins Leben gerufen, die breit diskutiert, die unterschiedlichen Meinungen abholt und verschiedene Varianten prüft. Dabei ist auch ein Wahlobligatorium durchaus ein Thema.

Wie ich Ihnen bereits in meiner ersten Antwort mitgeteilt habe, nehme ich Ihre Kritik sehr ernst. Es ist mir sehr wichtig, dass die Lehrerinnen und Lehrer über ein Lehrmittel verfügen, das ihnen einen erfolgreichen Unterricht ermöglicht. Lehrerinnen und Lehrer sollen mit Freude unterrichten und Schülerinnen und Schüler mit Freude lernen können. Das scheint heute nicht überall der Fall zu sein. Um die Situation und die Anliegen der kritisch eingestellten Lehrkräfte zu analysieren, habe ich eine Arbeitsgruppe ins Leben gerufen, die breit diskutiert, die unterschiedlichen Meinungen abholt und verschiedene Varianten prüft. Dabei ist auch ein Wahlobligatorium durchaus ein Thema.

Lehrmittel sind sehr wichtig. Aber sie sind für das Gelingen des Französischunterrichts nicht allein entscheidend. Ebenso wichtig sind die Sprachkompetenzen der Lehrkräfte, dass diese den Unterricht tatsächlich auf Französisch bestreiten, und schliesslich geht es auch um die Anzahl der Lektionen. Die Anzahl Lektionen lässt sich aber nicht ohne Weiteres erhöhen, die Kantonsbudgets setzen da entsprechende Grenzen. Deshalb sind auch weitere Massnahmen wie etwa der regelmässige Sprachaustausch sehr wichtig. Diesen pflegen die ehemaligen Passepartout-Kantone mit Überzeugung, und wir im Kanton Bern sind dabei, diese Möglichkeiten zum Sprachaustausch noch zu stärken und zu ergänzen.

Ich hoffe, Ihnen mit dieser Stellungnahme zu dienen, danke Ihnen für Ihr Engagement und wünsche Ihnen einen guten Start ins neue Jahr.

Freundliche Grüsse

Christine Häsler

 

 

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