29. Juli 2021

Heute vor 18 Jahren: Die Geburt des Testwesens in den öffentlichen Schulen der USA

Am 8. Januar 2002 unterzeichnete Präsident George W. Bush das “No Child Left Behind”-Gesetz. Damit begann ein beispielloser Eingriff des Bundes in das staatliche und lokale Bildungswesen.

Heute genau vor 18 Jahren startete das Programm “No Child Left Behind”.
Diane Ravitch: Liess sich täuschen.

Heute vor 18 Jahren startete die Bush-Administration das Programm “No Child Left Behind” (NCLB). Das Gesetz implementierte vom Bund vorgeschriebene jährliche Tests für die Klassen 3–8 in allen Schulen aller Bundesstaaten. Keine Hochleistungsnation der Welt sonst testet jedes Kind jedes Jahr. Das Gesetz schrieb weiter vor, dass jede Schule bis 2014 100 % der Leistung erreichen müsse oder immer lästigere Konsequenzen zu tragen habe, bis sie schließlich privatisiert werden könne. Das Gesetz versprach eine vertiefte Forschung über die Resultate dieser Tests, doch es gab keinerlei Forschung für die darin enthaltene Grundbehauptung, nämlich dass Druck und Bestrafung jemals 100% Leistung hervorbringen würden. NCLB war ein auf einer Lüge aufgebauter Schwindel. Die Lüge war Bushs Behauptung im Wahlkampf, es habe ein “Wunder von Texas” gegeben als Ergebnis jährlicher Tests und der Rechenschaftspflicht. Wir brauchen nur einen Blick auf die mittlere Position von Texas bei NAEP (siehe Condercet-Blog: https://condorcet.ch/2019/10/desastroese-ergebnisse-in-den-usa/) zu werfen, um zu sehen, dass es kein Wunder gab. Der Schwindel war das Gesetz selbst, das denen, die unmögliche Ziele nicht erreichen konnten, mit Strafe drohte und Massnahmen einleitete, die für keinen Bezirk oder Staat jemals nützliche Ergebnisse erbracht hat.

Der Tag, an dem Politiker, Bildungsbürokraten und Firmen verkündeten, sie wüssten, wie man Amerikas Schulen in Ordnung bringen könne, markiert einen traurigen Tag in der Geschichte des amerikanischen Bildungswesens.

Der Tag, an dem Politiker, Bildungsbürokraten und Firmen verkündeten, sie wüssten, wie man Amerikas Schulen in Ordnung bringen könne, markiert einen traurigen Tag in der Geschichte des amerikanischen Bildungswesens.

NCLB war eine Goldgrube für die Testindustrie und die Berater, aber eine Tragödie für Schüler und Lehrer. Die Lehrer verloren ihre Autonomie. Die Schüler verloren die Kunst, die Pause, die Geschichte und die Liebe zum Lernen um seiner selbst willen.

Das geschah nicht, doch sie leiteten damit eine neue Ära von Testmissbrauch, Versagen, Hybris, Wucher und Beratungsindustrien ein, welche die öffentlichen Schulen der Nation allmählich zu deformieren begann. NCLB war eine Goldgrube für die Testindustrie und die Berater, aber eine Tragödie für Schüler und Lehrer. Die Lehrer verloren ihre Autonomie. Die Schüler verloren die Kunst, die Pause, die Geschichte und die Liebe zum Lernen um seiner selbst willen. Testergebnisse wurden zum reinen Zweck der Bildung. Die Wiederherstellung des Versprechens der öffentlichen Bildung wird dann beginnen, wenn wir einen Präsidenten und einen Kongress haben, die zusammen das Erbe dieses schrecklichen Gesetzes aus den Büchern streichen.

Diane Ravitch, 8.1.20

Das Video unten zeigt, wie geschickt die Bush-Administration das Programm kommunizierte.

 

 

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BILDUNG SCHWEIZ ist das Organ des LCH, der Dachorganisation der schweizerischen Lehrerverbände. Im Gegensatz zum Condorcet-Blog ist die Zeitschrift “Bildung Schweiz” der Digitalisierung des Unterrichts gegenüber sehr positiv eingestellt. Zumindest lassen dies die Mehrheit der Beiträge und die Auswahl der in ihr schreibenden Autorinnen und Autoren vermuten. Ein Beispiel dafür ist das “Interview” mit einer “spannenden Persönlichkeit” (Originalzitat), verbunden mit dem Versprechen, dieser auf den Zahn zu fühlen. Allerdings merkt man, dass die Eigenschaft, den Interviewpartnern auf den Zahn zu fühlen, nicht zu den Kernkompetenzen dieses Magazins gehört. Nando Stöcklin, wissenschaftlicher Mitarbeiter der PHBern im Fachbereich Digital Learning Base äussert sich euphorisch zu den Möglichkeiten digitaler Technik im Unterricht und sieht vor allem das “Spielpotential”. Im Interesse eines offenen Diskurses veröffentlichen wir diesen Beitrag und danken der Redaktion von “Bildung Schweiz” für die Erlaubnis dafür.

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