28. Januar 2020

Eine neue Rubrik im Condorcet Blog: Once upon a time!

Die Redaktion des Condorcet-Blogs hat heute für seine Leser eine neue Rubrik eingeführt. Sie heisst: Once upon a time! In diesem neuen Textformat wollen wir all die grossen Denkerinnen und Denker, die uns in der Vergangenheit mit Ankündigungen, Heilsversprechen, Prophezeihungen und Wunschprosa beschenkt haben, zu einem würdigen Platz in der jüngsten Bildungsgeschichte verhelfen. Vor allem aber wollen wir diesen Damen und Herren dabei behilflich sein, ihre plötzlichen Erinnerungslücken wieder zu schliessen, wenn sie unseren Alltag mit neuen Interpretationen und weiteren Versprechungen bereichern. Den Anfang macht Andreas Schleicher, Direktor für Bildung bei der OECD und seines Zeichens Mr. PISA.

Erinnern Sie sich noch?
Bildungs”prophet” Andreas Schleicher: “Es hat sich viel getan!”

“Es hat sich enorm viel getan. […] Heute wird ganz
selbstverständlich auf der Grundlage dieser empirischen Daten
diskutiert. […] Als ich im Jahr 2001 für Standards plädiert habe,
deren Einhaltung überprüft wird, wurde ich auch kritisiert. Heute hat sogar Nordrhein-Westfalen ein Zentralabitur. Es gibt Bildungsstandards und regelmäßige Vergleichsarbeiten. Oder nehmen Sie die Schulstruktur, wo sich ein Zweisäulenmodell durchsetzt. Das sind Riesenfortschritte.”

In “Die Zeit” 4.12.2019

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Hans-Jürgen Bandelt, Mitglied der Gesellschaft für Bildung und Wissen, hat sich in den letzten Jahren mit den Wirkungen der Kompetenzorientierung auf den schulischen Unterricht in Mathematik auseinandergesetzt. In seinem Beitrag für den Condorcet-Blog stellt er die Transformation des Bildungssystems in einen größeren Rahmen.

Die eigentliche Bildungskatastrophe interessiert kaum jemanden

Den Beitrag von Hans Joss (Analyse eines Bla-Bla-Dokuments) hat Condorcet-Autor Alain Pichard zum Anlass genommen, über seine Erfahrungen mit dem Illetrismus in der Praxis zu berichten. Sehr nah am Geschehen und durchaus selbstkritisch behandelt er das Problem, das scheinbar kaum jemanden interessiert, aber eigentlich einer Katastrophe gleichkommt.

1 Kommentar

  1. Recht hat er. “Es” hat sich enorm viel getan. Das zeigen auch die PISA-Standards:

    * In den 1990er Jahren propagierte die Wirtschaftsorganisation OECD die “Kompetenzorientierung” nach Weinert (Franz E. Weinert: Konzepte der Kompetenz. OECD, Paris 1999)

    * Alle Länder, die ihr bewährtes Schulsystem mit dem Klassenunterricht auf die “zeitgemässe” OECD-“Kompetenzorientierung” 1) umgestellt haben, beginnen 10-15 Jahre danach bei PISA abzustürzen und der Absturz geht seither immer weiter. Auch der Durchschnitt der OECD-Länder stürzt immer weiter ab.

    * Die Schweiz ist das nicht alleine. Selbst der einstige Pisa-Leader Finnland (1990 wird der nationale Lehrplan kompetenzorientiert/konstruktivistisch) ist am abstürzen.

    1) Mit der Kompetenzorientierung ergibt sich eine veränderte Sichtweise auf den Unterricht. Lernen wird verstärkt als aktiver, selbstgesteuerter, reflexiver, situativer und konstruktiver Prozess verstanden. – Grundlagen für den Lehrplan 21, D-EDK März 2010

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